Urteil gegen Waldkraiburgerin (33) vor Landgericht Traunstein

Tiefer Messerstich in den Rücken des Ex war kein Mordversuch

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Die angeklagte Waldkraiburgerin und ihre Verteidiger Harald Baumgärtl.
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Waldkraiburg/Traunstein - Der Ex-Freund der 33-jährigen Angeklagten entging nur knapp einem gewaltsamen Tod. Der brutale Messerangriff verletzte den Mann sehr schwer:

Update, 18.55 Uhr - das Urteil

Das Urteil ist gesprochen: Die 33-jährige Waldkraiburgerin muss wegen eines Messerstichs in den Rücken ihres Ex-Freundes für drei Jahre und sechs Monate ins Gefängnis. Aber: Das Gericht sieht in der Attacke "nur" eine gefährliche Körperverletzung und keinen versuchten Mord.

Die Frau hat in der einstündigen Verhandlungspause bis zum Urteil fortwährend geweint. Die Gründe für den Streit zwischen dem ehemaligen Pärchen sind für das Gericht nicht eindeutig - nur Eifersucht, wie die Staatsanwaltschaft argumentierte, könne es nicht gewesen sein.

Der Staatsanwalt erkannte in dem Messerangriff einen versuchten Mord und wollte die Waldkraiburgerin für fünfeinhalb Jahre hinter Gittern sehen.

"Sie wollte ihren Partner nicht töten. Durch den Streit und die Schläge, die die Angeklagte zuvor erhalten hat, kam es zu einer affektiven Aufschaukelung", erklärt der vorsitzende Richter Erich Fuchs. Die 33-Jährige habe impulsiv und ohne großes Nachdenken zugestochen.

Update, 16.12 Uhr - die Plädoyers

"Ich habe nur die Erklärung, dass sie ihn umbringen wollte", kommt die Staatsanwaltschaft zum Schluss: "Ich glaube der Angeklagten auch nicht, dass sie sich nach der Tat gleich um ihn gekümmert hat." 

Bei einem "wuchtigen" Stich von hinten in den Rücken könne man nicht steuern, welche Organe verletzt werden: "Sie war aus Eifersucht stinksauer, weil sie den Geschädigten mit einer anderen gesehen hatte. Hätte die Angeklagte ihn nur verletzten wollen, ihm einen Denkzettel verpassen wollen, hätte sie ihm auch in den Arm stechen können."

Die Staatsanwaltschaft sieht in der Messerattacke der Waldkraiburgerin auf ihren Ex-Freund einen versuchten Mord in Tateinheit mit gefährlicher Körperverletzung. Der Staatsanwalt fordert eine Freiheitsstrafe von fünf Jahren und sechs Monaten. Während die Plädoyers gehalten werden, fließen bei der Angeklagten die Tränen.

"Sie hat sich keine Gedanken gemacht, welche Folgen das haben könnte", verteidigt dagegen Anwalt Baumgärtl. Er rückt das Verhalten der Angeklagten nach der Messerattacke in den Vordergrund: "Sie kümmerte sich um ihn, das hat auch ihr Ex-Partner ausgesagt. Man hat sich umarmt, sie hat sich entschuldigt. Das war kein versuchter Mord, das hätte sie sonst immer noch ausführen können." Auch der Grund für den Streit zwischen dem Ex-Pärchen sieht Baumgärtl nicht geklärt - und der Geschädigte habe die Waldkraiburgerin am Tattag geschlagen.

Der Anwalt plädiert auf gefährliche Körperverletzung mit lebensgefährdender Handlung und fordert ebenfalls eine Haftstrafe, die aber maximal zwei Jahre und zehn Monate andauern solle. Wie wird das Gericht Urteilen? Um eine Gefängnisstrafe scheint die 33-Jährige wohl nicht umhinzukommen.

Update, 11.51 Uhr:

"Das war kurz vor knapp", fasst der Gerichtsmediziner den Gesundheitszustand des Opfers nach der Messerattacke zusammen. Die Angeklagte rammte ihn das Messer mit einer Klingenlänge von 18 Zentimetern so tief in den Rücken, dass dass Schulterblatt durchtrennt wurde und die Messerspitze in die Lunge eindrang.

Hätte die Angeklagte das Messer noch wenige Zentimeter weiter in ihren Ex hineingerammt, wäre es sogar im Herz gelandet. Immer wieder stellen die Gerichtsbeteiligten den Messerstich nach, um ihn für den Gutachter noch nachvollziehbarer zu machen.

Immer wieder stellen die Gerichtsbeteiligten den Messerstich nach, um ihn für den Gutachter noch nachvollziehbarer zu machen.

Eine Stunde hätte der Geschädigte ohne ärztliche Hilfe noch zu leben gehabt, so der Gerichtsmediziner. Er spricht von"schwerster Lebensgefahr". Die Chirurgen im Mühldorfer Krankenhaus leisteten aber beste Arbeit. 

Eine Woche musste der junge Mann noch im Krankenhaus bleiben, heute - knapp zehn Monate nach der Tat - hat er kaum noch Beschwerden. Inzwischen wurde auch bekannt, dass der Geschädigte 8000 Euro Schmerzensgeld von der Angeklagten fordern will.

Update, 10.09 Uhr: 

Seine damalige Freundin ging mit dem Messer auf ihn los, es traf ihn tief im Rücken, dann flüchtete sich der damals 25-Jährige ins Bad und wählte die 110. Vor Gericht wird jetzt der Notruf abgespielt, es war 21.32 Uhr.

"Bitte kommt! Bitte kommt! Ich bin voll mit Blut", beginnt der rumänischsstämmige Geschädigte. Aus seiner Stimme ist Panik, Stress und Hektik zu hören. "Wo sind Sie? Was ist passiert?", fragt der Beamte der Waldkraiburger Polizei nach - "Meine Freundin hat mich mit dem Messer geschlagen. Bitte kommen Sie! Jetzt kommt sie wieder mit dem Messer." Im Hintergrund hört man die Angeklagte rufen und gegen die Badezimmertür trommeln.

E twa zwei Minuten dauert das Telefonat zwischen dem jungen Mann und der Polizei. Immer wieder gibt es Rückfragen, wo ihn das Messer getroffen hat. Der Geschädigte tut sich schwer, es genau zu beschreiben. Doch die Polizei muss mit dem Schlimmsten rechnen: akute Lebensgefahr. "Ich habe keine Kraft mehr in meinem Arm, bitte kommen Sie!", fleht der Mann. Immer wieder rät ihm der Polizist, im Bad zu bleiben und die Tür zu verriegeln.

Wenige Minuten später war die Polizei an der Waldkraiburger Wohnung. Schon auf der Straße hörten die Beamten wildes Geschrei zwischen dem Pärchen. Es war viel Alkohol im Spiel. Ein Gutachter wird nun die angeklagte 33-Jährige einschätzen, danach werden Plädoyers und Urteil erwartet.

Vorbericht:

"Ich bring' Dich um", soll die 33-Jährige mit dem Messer in der Hand geschrien haben - dann ein tiefer Stich in den Rücken ihres Partners, wie es die Staatsanwaltschaft formuliert. Das Messer soll sich durch den Rücken ihres damaligen Freundes bis in die Brusthöhle gebohrt haben, so dass sogar Lungengewebe beschädigt wurde. Der damals 25-Jährige schwebte in Lebensgefahr. Die angeklagte Tat spielte sich am 28. Juni 2017 in der gemeinsamen Wohnung in Waldkraiburg ab.

Zuerst ein lebensgefährlicher Messerstich in den Rücken, danach Küsse  

Am ersten Prozesstag am 22. März wurde das alles vor dem Landgericht in Traunstein bestätigt - und trotzdem wird es wohl nicht zu einer Verurteilung wegen versuchten Mordes kommen, weswegen die Frau angeklagt ist. "Ich habe mich danach in die Badewanne gelegt, weil mir schwindlig geworden ist. Sie hat sich dann um mich gekümmert, hat sich entschuldigt und geweint", sagte ihr Ex-Freund vor Gericht aus. 

Auch die Angeklagte selbst beteuerte: "Ich wollte ihn nicht töten, ich liebe ihn doch", und sprach von Küssen nach dem Messerangriff - obwohl sich ihr Ex zuerst noch im Badezimmer einschloss. Die Beziehung war ohnehin schwierig, am Tatabend war Eifersucht und Alkohol im Spiel - satte 2,8 Promille hatte die Waldkraiburgerin während des Streits.

Nur noch "gefährliche Körperverletzung"?

"Das sieht nur noch nach einer gefährlichen Körperverletzung aus, aber einen Tötungsvorsatz kann ich hier nicht unbedingt erkennen", so der vorsitzende Richter Erich Fuchs nach der Aussage des Geschädigten spontan. Der Staatsanwaltschaft riet er, zu überdenken, ob sie den Straftatbestand "Versuchter Mord" aus den Anklage aufrecht erhalten will.

Am heutigen Donnerstag wird ein Urteil erwartet. Der Prozess in Traunstein wird um 9 Uhr fortgesetzt. innsalzach24.de wird aktuell aus dem Gerichtssaal berichten.

xe

Quelle: chiemgau24.de

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