Reichenhaller Wirt wegen versuchten Totschlags angeklagt

Messerstiche? Der einzige nüchterne Tatzeuge sorgt für Aufklärung

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Traunstein/Bad Reichenhall - Es floss reichlich Alkohol, dann entgleiste die Situation: Ein 54-jähriger Wirt aus Bad Reichenhall steht nun vor Gericht, weil er angeblich einen seiner Gäste umbringen wollte. 

UPDATE, 15.03 Uhr: Der einzige nüchterne Tatzeuge sorgt für Aufklärung

Die Stimmung muss anfangs noch prächtig gewesen sein: "Wir drei sind reingekommen, dann hat der Wirt schon eine Flasche Prosecco spendiert, die Musik lauter gemacht und es wurde getanzt. Die waren alle gut alkoholisiert", so der nächste Zeuge - der einzige, der in der Nacht nüchtern war.

Plötzlich sei der Wirt aber böse geworden: "Du Spion, Du spionierst mir hinterher, willst mein Lokal kaputt machen", habe der Wirt zum Zeugen gesagt. Erklären kann er sich das nicht - im Lokal gegenüber ist der Zeuge Stammgast, mehr nicht. 

Der Wirt selbst sei es dann gewesen, der immer weiter trinken wollte - bis er sich schlafen legte, das bestätigt auch dieser Zeuge. Wach bekommen habe man ihn nicht.

"Gezielter Stich in den Hals"

Als der Wirt plötzlich wach wurde, muss es schnell gegangen sein: "Er ist zur Theke gegangen, unser Begleiter stand nah bei ihm, der Wirt hat ihn auf italienisch beschimpft, dann hat er zu einem Messer gegriffen und zugestochen." Auch er hat das Blut spritzen sehen: Von einem "gezielten Stich in den Hals" spricht der Zeuge.

Als das Opfer hinauslief soll der Wirt auch auf den Zeugen mit dem Messer losgegangen sein. Nur durch einen Fußtritt in den Bauch habe er die Attacke abwehren können. 

Prozess wird am Freitag fortgesetzt

Der Prozess wird am Freitag um 9 Uhr fortgesetzt, womöglich kann auch noch eine dritte Zeugin geladen werden - eine Frau, die ebenfalls bei der Gästegruppe dabei war, mit der der Wirt noch getanzt hat. Auch Plädoyers und Urteil wären für Freitag noch vorgesehen.

UPDATE, 14.06 Uhr: Aussage des Opfers

24 Jahre alt ist das Opfer, das in der Tatnacht wohl das Messer in den Hals bekam. Nun sagt er aus: "Der Wirt saß die meiste Zeit bei uns am Tisch, wir haben getrunken und getanzt" - bis sich der Wirt zum Schlafen auf eine Bank gelegt habe.

Die Gäste hätten ihn später geweckt, der Wirt sei aufs Klo gegangen und wie ausgewechselt wieder zurückgekommen: "Wer seid Ihr? Was macht Ihr in meinem Lokal?", soll er geschrien haben. "Er war komplett betrunken, wusste nicht mehr was er tut und was er sagt." 

Das spätere Opfer sei immer wieder als "Spion" beschimpft worden, "mindestens 20 Mal", so der Zeuge. Dann kam es zum Gerangel zwischen dem Wirt und dem zweiten Gast - der Zeuge ging dazwischen, versetzte dem Wirt einen Kinnhaken, wieder Gerangel.

"Plötzlich habe ich einen Stich in meinem Hals gespürt. Das Blut ist zwei Meter weit gespritzt. Ich habe um mein Leben gefürchtet", so das Opfer. Von draußen habe er durch das Fenster das weitere Gerangel beobachtet. Nur: Ein Messer hat er den ganzen Abend nicht gesehen, gesteht er auf Nachfrage.

Dass ein Messer aber im Spiel war, ist zweifelsfrei: Es liegt auf dem Tisch des Richters, die Klinge komplett verbogen. Von der Polizei wurde es untersucht: Dabei finden sich sowohl Spuren des Opfers, als auch des Wirtes.

Als nächster Zeuge wird der zweite Gast erwartet.

UPDATE, 11.40 Uhr: Aussage des Angeklagten

Ein neues Lokal in Bad Reichenhall, keine zwei Monate führte er es, die Geschäfte liefen gut - und dann die Nacht auf den 28. Mai 2017. Jetzt steht der Italiener vor dem Traunsteiner Landgericht und muss sich wegen versuchten Totschlags verantworten. Seine Dolmetscherin braucht er nicht, er redet und verteidigt sich nach Kräften selbst.

Hat er einem seiner Gäste ein Messer in den Hals gerammt? Der Wirt stellt die Situation ganz anders dar: Er hatte eigentlich schon geschlossen, dann kamen noch Gäste. Man habe noch kurz miteinander getrunken, getanzt, doch dann wollte er die Gäste wirklich heimschicken. "Mir wurde schon komisch, ich bin dann an der Theke eingeschlafen", so der Angeklagte. Dann: Ein Schlag gegen den Hals, er lag am Boden, die Gäste über ihm, fummelten an seiner Hose - wollten angeblich seine Tageseinnahmen.

"Ich bringe Dich um", soll einer der Gäste gerufen haben, als er über ihm kniete und ihn immer wieder gegen die Beine und in den Magen trat. "Ich habe nur noch nach Hilfe gerufen", so der Italiener. Irgendwann hätten die Gäste den Laden verlassen - zu seiner Überraschung stand die Polizei dann schon vor der Tür. Ein Alkoholtest ergab weit über zwei Promille.

Was waren das für Leute? Der Angeklagte kannte sie nicht - doch er hat eine Vermutung: "Die redeten schon mal schlecht über mein Lokal, weil es so gut lief." Neid und Missgunst sollen wohl eine Rolle gespielt haben.

"Und was war mit dem Messer? Wie kam es denn dann zu der Verletzung des Opfers?", fragt der Vorsitzende Richter Erich Fuchs. "Als ich am Boden lag und mich gegen die gewehrt habe, hatte ich irgendwas in der Hand. Ja, vielleicht habe ich ihn damit getroffen. Es tut mir wirklich leid was passiert ist, aber das war unbewusst, ich wollte mich nur wehren", so der Angeklagte.

Also alles nur Notwehr? Die nächsten Zeugen: Die Polizeibeamten, die ihn vernahmen - und die angesprochenen Gäste.

Vorbericht:

Es waren die frühen Morgenstunden des 28. Mai 2017: Zwei Männer und eine Frau kamen in ein Lokal in der Innenstadt von Bad Reichenhall. Sie waren die letzten Gäste - eine Flasche Wein und drei Flaschen Sekt soll der Wirt mit ihnen noch gemeinsam getrunken haben. Als er mit der Frau zu tanzen begann, ging es laut Staatsanwaltschaft mit Beleidigungen los. Betrunken soll sich der 54-Jährige später im Lokal schlafen gelegt haben.

Mit dem Messer in den Hals gestochen

Gegen 6.30 Uhr - die Gäste waren noch immer im Lokal - soll der Wirt laut Staatsanwaltschaft dann aber zum Messer gegriffen haben: "Fick Deine Mutter", soll er die Gäste zuvor wieder beleidigt haben. Einem Gast soll der Wirt das Messer dann in den Hals gestochen haben, ein anderer soll der Messerattacke gerade noch davon gekommen sein. Die beiden Opfer wehrten sich, schlugen zu und flohen nach draußen. 

Noch am selben Tag wurde der Mann festgenommen - um 8.20 Uhr noch immer mit 2,4 Promille Alkohol im Blut. Seitdem saß der 54-jährige Reichenhaller in Untersuchungshaft. Am Dienstag wird ihm ab 9 Uhr vor dem Landgericht Traunstein der Prozess gemacht. Er ist angeklagt wegen versuchten Totschlags, gefährlicher Körperverletzung und versuchter gefährlicher Körperverletzung. BGLand24.de wird aktuell vom Prozess berichten. Ein Urteil wird für den 19. Januar erwartet

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Quelle: chiemgau24.de

Rubriklistenbild: © Fotomontage dpa

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