Verurteilt wegen Stalking: Pfarrer äußert sich

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Schönau am Königssee - Schönau am Königssee steht zwei Tage nach Bekanntwerden der Beurlaubung  ihres Pfarrers weiter unter Schock. Jetzt äußert sich der Betroffene.

Das Innsbrucker Landesgericht hat den Pfarrer der Pfarrgemeinde Unterstein am Freitag zu einer Geldstrafe von 1800 Euro wegen Stalkings verurteilt. Der Richter sah es als erwiesen an, dass er es mit seiner Seelsorge für einen österreichischen Theologiestudenten übertrieben habe. Er hat anonyme Briefe geschrieben und mit unterdrückter Nummer angerufen.

Laut ORF Tirol soll der Pfarrer eine Beziehung zu dem Studenten gehabt haben, der gleichzeitig eine Beziehung zu einem Pfarrer aus Tirol unterhielt. Dem widerspricht der Verurteilte.

Das ist die schriftliche Stellungnahme des Pfarrers:

Gegen mich wurde keine vorläufige Suspendierung ausgesprochen. Die Suspendierung ist eine kirchenrechtliche Beugestrafe. Eine solche wurde nicht verhängt. Vielmehr wurde ich bis zur kirchenrechtlichen Klärung und bis zur Wiederherstellung meines guten Rufes beurlaubt.

Richtig ist, dass ich wegen „beharrlicher Verfolgung“ zu einer Geldstrafe von 1800 Euro verurteilt wurde. Falsch ist die Darstellung, „die Affäre gründe auf einer Dreiecksgeschichte“. Es gibt keine Dreiecksgeschichte. Ich hatte mit einem Theologiestudenten eine kollegiale Freundschaft. Eine „Beziehung“, von der in den Berichten durch das Wort „auch“ suggeriert wird, es habe sich um eine sexuelle Beziehung gehandelt, bestand zu keinem Zeitpunkt. Das war auch nicht Gegenstand und Ergebnis der Verhandlung vor dem Landesgericht Innsbruck.

Im Laufe der Zeit erfuhr ich von dem Studenten, dass er mit einem Pfarrer aus dem Tiroler Unterland in einem intimen Verhältnis lebe. Da ich von Anfang an bei dem Studenten den Eindruck hatte, er sei stark unter Druck gestellt, habe ich mir um ihn Sorgen gemacht. Ich wollte ihm helfen. Diesen Pfarrer als meinen Nebenbuhler zu bezeichnen ist objektiv falsch. Ich bin auch nicht „hinter das ungewöhnliche Dreiecksverhältnis“ gekommen, weil es kein Dreiecksverhältnis gab. Ich habe auch nicht aus Zorn als enttäuschter Liebhaber anonyme Briefe geschrieben, sondern deshalb, weil ich Schlimmeres verhindern wollte.

Da ich aus Gesprächen mit dem Studenten zu der Überzeugung gelangt war, er fühle sich in einer Zwangslage, wollte ich den Pfarrer auf meine Weise veranlassen, seine Beziehung zu dem Studenten zu überdenken. Dass die anonymen Briefe und die Anrufe der falsche Weg waren, ist mir inzwischen klar geworden. Der Theologiestudent war auch nicht „mittlerweile des bayerischen Liebhabers überdrüssig“, weil ich nie sein Liebhaber war. Ich habe den Studenten vielfach angerufen, weil ich mir Sorgen um ihn gemacht habe und ich testen wollte, ob er noch wohlauf ist. Dass ich das auch ohne anonyme Anrufe hätte erfahren können, ist mir inzwischen bewusst. Nur die Sachlage damal war ziemlich kompliziert.

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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