*Video* über prekäre Lage während Lockdown

Das geht unter die Haut: Tätowierer aus der Region wollen „wie alle anderen Menschen behandelt werden“

In einem gut sechsminütigen Video haben jetzt 40 Tätowierer aus ganz Bayern – darunter auch Eva Kalina und Mike vom „Ink-Shop“ in Wasserburg und Eva Santl vom Tattoo-Studio „Bavariastich“ in Rosenheim – auf ihre prekäre Situation aufgrund der Corona-Beschränkungen aufmerksam gemacht.

Wasserburg am Inn/ Bayern - Seit dem 1. November 2020 werden in Bayerns Tattoo-Studios keine Nadeln mehr angesetzt. „Als einziges Bundesland übrigens durchgängig“, erklärt Eva Kalina aus Wasserburg. Denn während in anderen Bundesländer Tätowierer und Piercer ihrer Arbeit wieder nachgehen dürfen oder zumindest durften, ist es in Bayern weiterhin verboten - ohne Sicht auf Besserung.

>>> Eva Kalina vom Tätowierstudio „The Ink Shop“ hat mit uns ausführlich über die aktuelle Situation gesprochen (Plus-Artikel) <<<

Anfang März wurde im Bund-Länder-Gipfel beschlossen, dass sogenannte körpernahe Dienstleistungen mit entsprechendem Hygienekonzept und einem Inzidenz-Wert von unter 100 ab dem 8. März wieder öffnen dürfen. In 15 von 16 Bundesländern waren hier auch Tätowierer mit einbegriffen– mit Ausnahme des Freistaates Bayern. „Warum, wissen wir nicht“, so die Tätowierer. Laut der aktuellen Infektionsschutzmaßnahmenverordnung zählen „Friseure sowie im hygienisch oder pflegerisch erforderlichen Umfang die nichtmedizinische Fuß-, Hand-, Nagel- und Gesichtspflege“ zu solchen Dienstleistungen, die erlaubt sind. Dagegen heißt es explizit: „Tattoo-Studios oder ähnliche Betriebe sind untersagt.“

Bayerische Tatowierer sind ratlos

Die Tätowierer selbst sind ratlos: „Selbst der Verwaltungsgerichtshof in Bayern erkannte, dass hier möglicherweise eine Ungleichbehandlung vorliegt.“ Der Branche stellt sich zudem die Frage, warum der Betrieb in Fabriken auch bei einer Inzidenz weit über 200 nicht stillgelegt wird, sie ihre Studios aber auch für Negativgetestete nicht öffnen dürfen.

Auch wenn sich aktuell die Inzidenz-Werte im gesamten Freistaat jenseits der 100er-Marke bewegen, ist es den bayerischen Tätowieren jetzt wichtig, auf ihre prekäre Situation aufmerksam zu machen - verbunden mit der Bitte, bei der nächsten „Lockerung nicht wieder vergessen zu werden“, betont Eva Sanftl aus Rosenheim.

„So behandelt werden wie alle anderen Menschen auch“

Viele Kollegen seien in Nachbarländer gepilgert, um dort ihren Job nachzugehen. Ein weiteres enormes Problem sei zudem die Tatsache, dass die „Schwarzarbeit in den Wohnzimmern boomt“, ohne Hygienekonzept.

„Uns und unsere Kunden vor übertragbaren Krankheiten zu schützen, ist schon immer ein wichtiger Bestandteil unserer Arbeit“, heißt es in dem Video. Desinfektion, das Tragen von Masken und Handschuhen und die Kontaktrückverfolgung gehöre nicht erst seit Corona zu den Hygienestandards von Tätowierern.

Deshalb fordern Mike, Eva Kalina und Eva Santl mit ihren Kollegen aus ganz Bayern: „Wir wollen einfach so behandelt werden wie alle anderen Menschen auch, sowohl in vergleichbaren Gewerben, als auch in unserem Gewerbe im Rest der Republik.“

mz

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