Oberammergau: Viel Beifall bei Premiere

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Regisseur Christian Stückl

Oberammergau - Mit einem komplett überarbeiteten Text, einer erschütternden Kreuzigung in dunkler Nacht und jungen Schauspielern hat Regisseur Christian Stückl den Passionsspielen von Oberammergau einmal mehr zum Erfolg verholfen.

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In seiner dritten Inszenierung nach 1990 und 2000 deutet der 48-Jährige die Figur des Christus als konsequent seinen Weg gehenden Menschen, den sein Einstehen für den Glauben ans Kreuz bringt. Und er geht weiter auf die Juden zu. Die Premiere wurde am Samstag bereits zur Pause mit großer Zustimmung aufgenommen.

Um die Forderung Jesu nach einer radikalen Umkehr der Menschen noch stärker zu betonen, hat Stückl Texte der Bergpredigt in das Spiel integriert. Auf der kahlen riesigen Bühne dominiert das Braun der Wände, hinzukommen blaue Böden und die blaue Mittelbühne. Auch das Volk ist blau gekleidet, die Jünger und Jesus kommen in Leinengewändern daher.

Die zwölf Lebenden Bilder - zur Handlung passende Szenen aus dem Alten Testament mit Menschen in starren Posen - sind ein überaus farbenfroher Kontrast. Und viel Farbe traut sich Kostümbildner Stefan Hageneier auch beim Hohen Rat.

Um Abendmahl, Ölbergszene und Kreuzigung in der Abenddämmerung beziehungsweise dunkler Nacht zu inszenieren und damit imposante Lichteffekte auf der nach oben offenen Bühne zu erzielen, beginnt Stückl die Aufführungen in diesem Jahr erstmals erst nachmittags.

Der Spielleiter ist ein Meister von Massenszenen. Wie er etwa beim Einzug Jesu Hunderte von Menschen, darunter sogar Säuglinge auf dem Arm ihrer Mütter, auf der Bühne platziert, ist das Besondere an der Oberammergauer Passion. Bei der Vertreibung der Händler aus dem Tempel sind Schafe, Ziegen und Tauben auf der Bühne. So manche Stille wird vom Blöken der Schafe durchbrochen, Babys schreien - alles Effekte, die der Regisseur bewusst einsetzt.

Mit der Passion 2010 geht Stückl weiter auf die Juden zu. Jesus ist noch jüdischer als bisher, er trägt die Thora-Rolle in den Tempel, beim Abendmahl steht ein siebenarmiger Leuchter - das jüdische Symbol schlechthin - auf dem Tisch. Eindrucksvollstes Zeichen der Hinwendung zum jüdischen Ursprung der Passion aber ist die Szene des Brotbrechens: Christus spricht den Segen auf Hebräisch, dazu erklingt das “Schma Israel“ als zentrales Glaubensbekenntnis der Juden. Bei früheren Spielen hatten jüdische Organisationen den Machern der Passion stets antisemitische Tendenzen vorgeworfen.

Der 30-jährige Frederik Mayet spielt den Christus so, wie Stückl es will: nicht leidend, sondern stark und unbeirrt seinen Weg gehend. Der gerade erst 20 Jahre alte Maximilian Stöger als Petrus, Carsten Lück (39) in der Rolle des Judas, der 19-jährige Benedikt Geisenhof als Johannes und Eva-Maria Reiser (25) als Maria Magdalena - alle jungen Hauptdarsteller kommen aus der Schauspielschule von Stückl.

Da zählt Ursula Burkhart (47) in der Rolle der Maria fast schon zur alten Garde. Zum Erfolg der Premiere trugen auch die bestens disponierten Solisten, Chor und Orchester unter der Leitung von Markus Zwink bei. Für das Bühnenbild zeichnet Stefan Hageneiner verantwortlich.

Fünfmal die Woche erfüllen die rund 2400 Mitwirkenden nun in mehr als 100 Aufführungen das Pestgelübde von 1633. Sofern die Zuschauer nicht ausbleiben, werden am 3. Oktober, wenn der Vorhang zum letzten Mal fällt, rund eine halbe Million Menschen aus aller Welt die Spiele gesehen haben. Die Gemeinde als Veranstalter freut sich dann über einen Gewinn von 28 Millionen Euro - denn auch der geschäftliche Erfolg gehört in Oberammergau zur Passion.

Paul Winterer, dpa

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