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Das sagt das zuständige Ministerium

Vor neuer Almsaison: Ist unsere Region ausreichend auf den Wolf vorbereitet?

Die neue Almsaison steht vor der Türe. Und sie beginnt mit den gleichen Fragen, mit der auch die Letzte endete: Wie halten wir es mit dem Wolf? Sind wir ausreichend auf seine Präsenz vorbereitet? rosenheim24.de hat beim Bayerischen Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten nachgefragt.

Denkt man an die Almsaison, läuft vor dem inneren Auge der meisten Menschen ein ähnlicher Film ab: Sanfte Hügellandschaften, auf deren sattem Grün Kühe, Schafe und Ziegen unbekümmert weiden.

Dass dies alles mit der Realität nur bedingt etwas zu tun hat, wissen jene, die die Almen bewirtschaften. Und geht es um die kommende Almsaison, denken viele von ihnen - auch in unserer Region - an den Wolf. Dieser hat wieder Einzug gehalten auf unseren Almen. Im vergangenen Jahr wurden die Beutegreifer mit dem Tod mehrerer Weidetiere in Verbindung gebracht.

>>>Auch interessant: Neukirchner Schafhalter treibt die Sorge vor dem Wolf um: „Unsere Tiere sind kein Wolfsfutter“<<<

Viele Almbauern trieben ihre Tiere aus Sorge vorzeitig ins Tal ab. Einige Landwirte wandten sich auch mit ihren Sorgen an unsere Redaktion. Es fielen auch kritische Töne in Richtung München. Manch einer fühlte sich von der Landespolitik alleine gelassen - die Klage, es fehle an Ansprechpartnern in der Region, war zu vernehmen. rosenheim24.de hat nun bei Simon Springer, Pressesprecher des Bayerischen Staatsministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten nachgefragt, wie man sich auf die kommende Almsaison vorbereitet hat.

Die Almsaison steht wieder vor der Türe. Inwiefern wurden für die südöstlichen Landkreise Oberbayerns besondere Vorkehrungen getroffen, um die Zahl der Risse durch Wölfe zu reduzieren? 

Simon Springer: Im Falle eines Risses oder bei Wolfsnachweisen über einen längeren Zeitraum wird ad hoc vom Landesamt für Umwelt in den betreffenden Gemeinden eine sogenannte Förderkulisse ausgewiesen. Tierhalter können dann Förderanträge über Investitionen in Herdenschutzmaßnahmen beim vor Ort zuständigen Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten stellen.
Über das staatliche Förderprogramm „Investition Herdenschutz Wolf“ werden Investitionen in Herdenschutzmaßnahmen nur in Förderkulissen gefördert. In den Landkreisen Mühldorf, Altötting und Berchtesgadener Land war es bislang noch nicht notwendig, eine Förderkulisse auszuweisen, da keine akute Gefahr für die Weidetiere durch den Wolf besteht. Im Landkreis Traunstein liegen folgende Gemeinden im Fördergebiet: Bergen, Marquartstein, Reit im Winkl, Ruhpolding, Schleching, Staudach-Egerndach, Unterwössen, Grabenstätt, Siegsdorf, Surberg, Traunstein, Vachendorf und Grassau.

Im Landkreis Rosenheim liegen folgende Gemeinden im Fördergebiet: Aschau i. Chiemgau, Frasdorf und Samerberg.

In den genannten Gemeinden im Fördergebiet wurden bei der ersten Auszahlung im Dezember 2020 insgesamt 88.587 Euro an Fördermitteln an 13 Antragsteller ausbezahlt. Seit Jahresbeginn wurden bis heute in diesen Gemeinden insgesamt 12 Anträge auf Herdenschutzmaßnahmen gestellt. Die Ämter vor Ort beraten die Landwirte und Hobbytierhalter über die Herdenschutzmaßnahmen und zu Fördermöglichkeiten. Es werden bis zu 100 Prozent der zuwendungsfähigen Ausgaben gefördert.

>>>Hier nachlesen: Wolf zwischen Irschenberg und Weyarn unterwegs: Ungewöhnliches Verhalten gefilmt<<<

Welche spezifischen Maßnahmen für den Herdenschutz auf den Almen wurden getroffen?

Simon Springer: Um einen Zaun wolfsabweisend zu gestalten, müssen bestimmte Mindestanforderungen eingehalten werden. Unter anderem müssen vier Elektrolitzen vorhanden sein, wobei sich die unterste Litze maximal 20 Zentimeter vom Boden entfernt befinden darf und die oberste maximal 90 Zentimeter über dem Boden befindlich sein muss. Es muss eine ausreichende Stromspannung von mindestens 4.000 Volt gewährleistet sein. Der Zaun muss vollständig geschlossen sein, sowie die Tore elektrifiziert. Und es darf keine Durchschlupfmöglichkeit geben.

Almen zeichnen sich aber meist durch hügeliges, unebenes oder steiles Gelände, mit steinig-felsigem Untergrund, vielen Einsprungmöglichkeiten durch Geländeerhebungen oder Waldrandlagen aus. Immer wieder werden die Almen durch Bachläufe oder Wanderwege durchschnitten. All diese Kriterien machen es daher schwierig bis unmöglich, eine Herde mit einem wolfsabweisenden Zaun zu schützen.
Deshalb hat die Weideschutzkommission begonnen, im Alpenraum die Flächen nach zumutbar zäunbar oder nicht zumutbar zäunbar einzustufen. Für alle oben genannten Gemeinden steht den Landwirten seit Mitte April die Einstufung ihrer Flächen in iBalis zur Einsicht zur Verfügung.
Rechtzeitig vor Beginn der Almsaison haben nun die Landwirte eine zusätzliche Information zur Zäunbarkeit ihrer Flächen vorliegen.

Neben einer 100 Prozent geförderten Zäunung steht den Schaf- und Ziegenhaltern auch die Möglichkeit der Förderung eines Mobilstalles zur Verfügung. Der Beginn der Förderung von Herdenschutzhunden ist wiederum noch für die erste Jahreshälfte 2021 angedacht.

>>>Auch interessant: Rückkehr des Wolfs: Besorgnis in der Region Rosenheim ist groß<<<

Befindet man sich diesbezüglich mit den Landwirten in Kontakt?

Simon Springer: Die Beratung der Almbauern zum Herdenschutz ist Aufgabe der Ämter für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF) vor Ort. Es wird seit Jahren eine breite Palette von Informationsmöglichkeiten wie Vorträge, Seminare, Broschüren oder Einzelberatung angeboten. Seit 2019 sind an allen ÄELF Ansprechpartner für das Thema Herdenschutz benannt. Zusätzlich beraten die Almfachberater des Fachzentrums für Almwirtschaft die Almbauern und stehen als Multiplikatoren für Spezialfragen und als Referent bei Gruppenberatungen zur Verfügung.

Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber forderte angesichts der Wolfsrisse in Bayern, dass Tiere schneller entnommen werden sollen. Sollte aus sich des Ministeriums eher auf Entnahmen denn auf Herdenschutz gesetzt werden? Oder handelt es sich um ein „sowohl - als auch“?

Simon Springer: Ganz klar, die Staatsregierung setzt auf zumutbare Präventionsmaßnahmen. Dies zeigt sich an der vollumfänglichen staatlichen Förderung von Herdenschutzmaßnahmen, insbesondere von wolfsabweisenden Zäunen und das breite Beratungs- und Informationsangebot der Landwirtschaftsverwaltung.

Allerdings müssen die Anforderungen an den Herdenschutz praktikabel und zumutbar bleiben.
Deshalb untersuchen aktuell Experten der Umwelt- und Landwirtschaftsverwaltung in der sog. Weideschutzkommission gemeinsam Weideflächen in Bayern und entscheiden, in welchen Herdenschutzzonen Präventionsmaßnahmen funktionieren können und wo Herdenschutz nicht zumutbar möglich ist.
Bei letzteren kann wiederum kein Herdenschutz von den Tierhaltern verlangt werden. In diesen Bereichen erhalten Tierhalter für durch den Wolf verursachte Schäden auch ohne Präventionsmaßnahmen staatliche Ausgleichszahlungen. Außerdem kommt in diesen Gebieten eine ggf. unumgängliche Entnahme eines Wolfs nach Auffassung der Staatsregierung auch ohne vorangegangene Herdenschutzmaßnahmen in Betracht, wenn nur so erhebliche Schäden für die Weidewirtschaft vermieden werden können.

Herr Springer, wir bedanken uns für das Gespräch!

dp

Rubriklistenbild: © Boris Roessler/dpa/Symbolbild

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