Projekt Naturerlebnispfad in Ebing geplant

46 Jahre nach Sensationsfund: Dem Urelefant auf der Spur 

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Der Fundort des Urelefanten in Ebing soll zu einem Naturerlebnispfad umgestaltet werden. 
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Waldkraiburg - Das "Bayerische Urvieh" aus Ebing, skelettiert und erhalten, ist im Münchner Museum zuhause. Die Innauen in Ebing sollen nun 46 Jahre nach dem Sensationsfund wieder ins rechte Licht gerückt werden.  

1971 wurde am Ufer des Inns in Ebing bei Waldkraiburg ein vollständig erhaltenes Skelett eines Urelefanten gefunden. Anders als bei einem Mammut handelt es sich um ein Rüsseltier mit vier Stoßzähnen, das laut Hinweisschild am Fundort vor etwa 10 bis 12 Millionen Jahren lebte. Das Skelett steht restauriert im Paläontologischen Museum in München

Von der Ebinger Alm aus führt ein Rundwanderweg zum Fundort des Urelefanten. Die Stelle ist ausschließlich zu Fuß zu erreichen, der 30 Meter lange Abstieg durch ein Seil gesichert. Das Gelände ist wahrhaftig "urzeitliches Terrain" und verbesserungswürdig. Im Moment seien der unsichere Weg und die marode Beschilderung in einem sehr schlechten Zustand, wie es Stefan Süße von der Waldkraiburger Stadtverwaltung in der jüngsten Stadtratssitzung am 17. Oktober offenbarte. 

Der Weg zum Fundort des Urelefanten ist in einen erbärmlichen Zustand. 

Bürgermeister Robert Pötzsch möchte die Geschichte vor Ort erlebbar machen. "Die Idee ist den Fundort zu erschließen und als Ausflugsziel in Form eines Naturerlebnispfads für Einheimische, Touristen und Schulklassen zu vermarkten." Die Stadt Mühldorf. das Mühldorfer Netz und der Tourismusverband der Region Inn-Salzach haben für das Projekt schon die Weichen gestellt. Lediglich das Votum des Waldkraiburger Stadtrates fehlt noch. 

Pötzsch betonte, man wolle keinen "Massentourismus" generieren. "Wir haben gezielt die Ebinger mit ins Boot geholt, um ihren Standpunkt zu hören. Sie stehen einer Erschließung prinzipiell offen gegenüber, legen aber Wert auf einen sanften Ausbau der Strukturen." 

Demnach gehe es statt dem viel befürchteten Busverkehr vielmehr in Richtung Radverkehr. Pötzsch will in dem Zusammenhang über die geplante Verlegung des Inntalradweges diskutieren, der künftig vor der Ebinger Alm und damit auch vor dem Einstieg in den Erlebnispfad in Richtung Innkanal geführt werden soll. 

Ideen zur Gestaltung des "Naturerlebnispfads Urelefant":

  • Zielgruppe: Einheimische, Radtouristen, Touristen der Region und Schulklassen 
  • Erweiterung des bestehenden Wegs am Fundort mit einzelnen interaktiven Stationen 
  • Erlebnis für alle Sinne, spielerische Vermittlung der Themen
  • Aufwertung der Region als attraktives Ausflugsziel sowie Urlaubs- und Erlebnisregion Inn-Salzach
  • Steigerung des Bekanntheitsgrads der Region 
  • Aktives Wandererlebnis für die ganze Familie 
  • Kooperationsprojekte mit Schulen aus der Region
  • Stärkung der Gastronomie der Ebinger Alm, Bewirtung der Besucher gesichert
  • Betonen der Einzigartigkeit der Innlandschaft mit Flora und Fauna 
  • Interaktive Touren per App und Führungen durch den Bund Naturschutz

Stimmen aus dem Stadtrat: 

Done Brunnhuber (UWG) sprach als erstes Bürgermeister Pötzsch seine Anerkennung aus, dass er die Ebinger in die Planungen miteinbeziehe, betonte jedoch in einem zweiten Punkt die hohe Bedeutung des gesamten Areals als Rückzugsgebiet für Wildtiere. "Ich möchte keinen Ausbau über die Grenzen hinaus. Einen sanften Ausbau können wir uns wie die Ebinger sehr gut vorstellen." Brunnhuber warnte auch in punkto Kosten: "Wir sollten vorher klären, ob sich die Stadt Mühldorf zum Beispiel auch an den Kosten für die neue Parkplatzsituation beteiligt. In Bezug auf die brisante Haushaltslage darf sich Waldkraiburg nicht verkalkulieren."

UWG-Kollege Franz Belkot wohnt in Ebing und sieht das Ganze äußerst skeptisch. Er findet die Idee, auf dem Erlebnispfad Sinnes- und Spielstationen zu errichten, für übertrieben. "Der sanfte Ausbau und der Erhalt der Natur muss im Vordergrund stehen. Spielgeräte will hier keiner!" Die Fundstelle am Inn sei des Weiteren "sehr schwer zugänglich und zugewuchert", was sich auch nicht ändern werde. "Direkt am Inn neben dem Hang sieht man nicht viel, da ist kein Stoßzahn mehr! Wieso muss man für eine leere Fläche Geld investieren?"

Gerd Ruchlinski (SPD) bestätigte, dass die Naturfläche dort nicht für den Massentourismus geeignet sei und betonte darüber hinaus: "Der wichtigste Teil des Sensationsfunds steht im Lichthof des Paläontologischen Museums in München als herausragendes Ausstellungsstück, gewichtig für Wissenschaft und Fachwelt. Die Bedeutung des Funds in Ebing liegt in seiner Kompaktheit, das Skelett ist schließlich vollständig erhalten." Für Ruchlinski steht im Vordergrund, die Menschen mitzunehmen in die Welt, in der der Urelefent gelebt habe und sie in die Landschaft eintauchen zu lassen. Sie sollen herausfinden, wie der Inn die Landschaft über Jahrhunderte geprägt habe. "Die Konzeptstudie mit Alternativen ist ein wichtiger Schritt, die 25.000 Euro brauchen wir nicht, da bin ich überzeugt", ist sich Ruchlinski sicher.   

Schilder wie diese weisen auf den Fundort des "Bayerischen Urviehs" hin. 

Der Beschluss der Stadträte: 

Waldkraiburg übernimmt die Trägerschaft für das Leader-Projekt und gibt zusammen mit Mühldorf eine Konzeptstudie in Auftrag. Das beschlossen die Räte mit klarer Mehrheit und nur einer Gegenstimme von Ulli Maier (UWG)

Das Projekt wird nun in zwei Phasen aufgeteilt: Die erste Phase beinhaltet die Konzeptstudie, in der erste Ideen gesammelt und offene Fragen beantwortet werden. Für die Kosten in Höhe von maximal 25.000 Euro, die sich Waldkraiburg mit Mühldorf teilt, kann die Stadt mit einer Förderung von 60 Prozent rechnen, was einer Summe von jeweils 6.200 Euro entspricht. Die zweite Phase ist dann die zielgerichtete und strategische Umsetzung des Konzepts, ein genauer Finanzierungsplan und erstmalige Öffentlichkeitsarbeit. 

mb

Quelle: innsalzach24.de

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