Haus ist bald unbewohnbar

Landet das Tierheim Pürten auf der Straße?

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Manuela Gyimes, Vorsitzende des Tierschutzvereins Waldkraiburg, mit Hund Olli
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Waldkraiburg - Dem Tierheim läuft die Zeit davon. Weil das Gebäude bald unbewohnbar ist, muss ein neues her. Sponsoren gäbe es, doch ein Grundstück ist nicht in Sicht.

Das Tierheim im Waldkraiburger Ortsteil Pürten sucht händeringend nach einem neuen Zuhause. Das alte Heim ist baufällig und ein Häuschen auf dem Areal des Tierheims wird von der Stadt irgendwann im Laufe des nächsten Jahres sogar für unbewohnbar erklärt werden. In dem Haus wohnt aber ein Tierpfleger, der rund um die Uhr da sein muss, um kranke Tiere zu versorgen und Fundtiere aufzulesen, weshalb das Tierheim auf das Haus angewiesen ist. Der Tierheim-Betrieb auf dem alten Gelände ist also definitiv schon bald nicht mehr möglich - nur das genaue Ablaufdatum steht noch nicht fest.

Zu wenig Geld, zu wenig Zeit

Dieses Haus wird im Laufe des kommenden Jahres für unbewohnbar erklärt

Im Gespräch mit Manuela Gyimes vom Vorstand des Waldkraiburger Tierschutzvereins und Tierheimleiterin Gaby Irber wird schnell deutlich, wie komplex das Problem der Tierschützer ist. Die vielleicht einfachste Lösung, eine Erweiterung des Tierheims, ist nicht möglich. "Erweitern geht nicht, die Bauern wollen keinen Grund verkaufen", erzählt Gyimes. Ein groß angelegter Neuanfang auf einem neuen Grundstück aber scheitert am Geld- und Zeitmangel.

Zahlen und Fakten:

Das Tierheim beherbergt aktuell 45 Katzen, oft sind es bis zu 80. Im Schnitt sind in Pürten 15 bis 20 Kleintiere untergebracht, hinzu kommen sieben Boxen für die Hunde. Das Tierheim arbeitet zusätzlich mit privaten Pflegeplätzen. Dort werden Tiere bis zur Vermittlung betreut.

Dabei gibt es sogar schon lose Zusagen von Sponsoren. Sowohl Firmen als auch Privatleute möchten die Tierschützer dabei unterstützen, ein neues Heim für die Tiere zu finden. Feste Garantien über bestimmte Summen gibt es aber nicht. "Die Sponsoren wollen sich nicht outen, wie viel sie zahlen, sie wollen erst das Konzept sehen", sagt Irber. Doch ohne feste zusagen fällt auch die Kalkulation, und damit letztlich die Erstellung des gesamten Konzepts, schwer.

"Wir sind auf die Tierliebe der Menschen angewiesen"

Steht mal ein Objekt zum Verkauf, das sich für die Schaffung eines Tierheims eignet, müssen die Tierschützer schnell ein passendes Konzept erarbeiten, um potentielle Geldgeber zu überzeugen. "Bis das Konzept steht, ist das Objekt wieder verkauft", klagt Gyimes. Weil der gesamte Vorstand voll berufstätig ist, ist ein Konzept eben nicht von heute auf morgen ausgearbeitet. "Wir sind auf die Tierliebe der Menschen angewiesen", so Gyimes. Sie und ihre Mitstreiter hoffen, dass sich jemand findet, der ihnen ein Objekt verkaufen möchte und ihnen die nötige Zeit gibt, um die Sponsoren von dem Kauf überzeugen zu können. Ideal wäre in den Augen der Tierschützer etwa ein alter Bauernhof.

Die Tierschützer sind über Hilfe jeglicher Art froh. "Wir sind auch dankbar über Hilfe im handwerklichen Bereich", sagt Gyimes. Denkbar sei etwa, dass ein handwerklicher Betrieb unentgeltlich bei der Arbeit hilft und der Tierschutzverein das Material bezahlt.

"Was wir heizen, geht gleich wieder raus"

Tierheimleiterin Gaby Irber mit Kater Jason

Ein neues Tierheim würde dem Verein letztlich auch in finanzieller Hinsicht helfen. Alleine die Heizkosten im alten Heim sind für den Verein eine große Belastung. "Das sind Fertiggaragen, die sind nicht isoliert. Was wir Heizen, geht gleich wieder raus", so Gyimes. Auch durch Veranstaltungen könnte der Verein zusätzliche Einnahmen generieren. Dafür müsste das Heim aber weit mehr Räumlichkeiten bieten. Alle drei Termine des Ferienprogramms für Kinder mussten die Tierschützer aufgrund von strömendem Regen absagen. Schließlich hätte man nur im Freien ausreichend Platz für die Kinder gehabt.

In erster Linie wird die Situation aber für die Tiere zur Belastung. Die Hunde sind alle in einem Raum in offenen Boxen untergebracht. Kommt ein Besucher, fangen sofort alle Hunde zu bellen an. Dabei seien das alles ganz liebe Tiere, wie Gyimes und Irber gleichermaßen betonen. In der Gruppe fängt aber einfach immer einer zu bellen an und steckt die anderen damit an. Auf Besucher, die sich für einen Hund interessieren würden, machen die Tiere so unter Umständen einen schlechten Eindruck.

Ein neues Zuhause für das Tierheim, mit mehr Platz für Tiere und Besucher, scheint die einzige tragfähige Lösung zu sein. Die Tierschützer hoffen auf tatkräftige und finanzielle Unterstützung von Firmen und Privatpersonen, aber auch die Hilfe der Gemeinden, für die das Tierheim zuständig ist, wäre freilich willkommen. Grundsätzlich lobt Gyimes die Stadt Waldkraiburg: "Die Stadt ist uns wohlgesonnen."

Kommt das Landkreistierheim?

Fundtiere:

Das Tierheim in Waldkraiburg nimmt Fundtiere aus den Gemeinden Waldkraiburg, Aschau, Kraiburg, Jettenbach, Taufkirchen, Reichertsheim, Gars und Unterreit auf. Für viele der anderen Gemeinden im Landkreis Mühldorf ist das Tierheim in Winhöring zuständig. Für Menschen, die Tiere auflesen und abgeben möchten, ist dies nicht selten verwirrend.

Waldkraiburgs Bürgermeister Robert Pötzsch kennt die Sorgen der Tierschützer. Zusammen mit dem zweiten Bürgermeister Richard Fischer hat sich Pötzsch bereits vor einigen Wochen vor Ort ein Bild von der Situation gemacht. Pötzsch ist genau wie die Tierschützer davon überzeugt, dass sich etwas tun muss. "Das Tierheim platzt aus allen Nähten", so der Bürgermeister. Eine Chance, das Tierheim vor Ort zu erweitern, sieht Pötzsch nicht. Andererseits sei ein neues Tierheim für den Tierschutzverein und die Stadt Waldkraiburg nicht zu stemmen. "Wir haben ein Schreiben aufgesetzt an alle Bürgermeister im Landkreis, ob ein gemeinsames Projekt gestartet wird", erklärt Pötzsch.

Für welche Gemeinden das Tierheim Winhöring zuständig ist, sehen Sie hier

Dem Waldkraiburger Bürgermeister schwebt vor, gemeinsam mit den Tierschützern und allen Mühldorfer Gemeinden ein Landkreistierheim zu realisieren. Bei der nächsten Bürgermeisterbesprechung werde man das Thema auf den Tisch legen, so Pötzsch. Gegenwärtig wartet der Bürgermeister aber noch auf eine Rückmeldung des Tierschutzvereins. Dort ist man grundsätzlich von der Notwendigkeit eines Landkreistierheims überzeugt. Im Moment sind die Waldkraiburger nur für acht Gemeinden im Landkreis zuständig. Die Fundtiere vieler Mühldorfer Gemeinden müssen aktuell nach Winhöring gebracht werden. "Es gehört eigentlich ein Landkreistierheim her. So ist das verwirrend für die Bevölkerung", sagt Gyimes.

Quelle: innsalzach24.de

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