Bayerischer Mysterythriller "Schattenwald"

Chiemgau-Mystery kommt nach Waldkraiburg

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Der im Chiemgau gedrehte Mysterythriller "Schattenwald" wird am Wochenende im Waldkraiburger Cinewood gezeigt
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Waldkraiburg - Es ist fast ein kleines Filmmärchen: Die gebürtige Chiemingerin Laura Thies und ihre Mitstreiter finanzieren über Crowdfunding einen umjubelten Mysterythriller.

Der Weg bis zur Premiere war weit und er war ungewöhnlich. Allzu steinig war er allerdings nicht, denn bei der Finanzierung und Produktion des Mysterythrillers "Schattenwald" fügte sich irgendwie von Anfang an ein Rädchen ins andere. Das Ergebnis ist ein von den Kritikern gelobter Low-Budget-Film, dem man sein schmales Budget nicht ansieht, wie etwa das Trostberger Tagblatt schrieb. Und vielleicht ist das das größte Lob überhaupt.

Grimmepreisträger war früh mit im Boot

Regisseurin und Co-Produzentin Laura Thies kommt ursprünglich aus Chieming, hat aber neun Jahre in New York gelebt und gearbeitet. In den USA ist das Crowdfunding gang und gäbe. "Dort wird Crowdfunding in viel größerem Rahmen genutzt als in Deutschland", erzählt die 31-Jährige, die mittlerweile in München lebt, im Gespräch mit innsalzach24.de. Für Thies war die Idee, einen Kinofilm über Crowdfunding zu finanzieren, also über viele, viele Geldgeber, die zu einem großen Teil nur kleine Beträge zahlen, gar nicht abwegig. In 33 Tagen sammelten Thies und Josephine Ehlert, Drehbuchautorin, Darstellerin und ebenfalls Co-Produzentin des Films, 30.000 Euro für ihr Projekt - ein für Deutschland sehr hoher Crowdfunding-Erlös.

Ein Pluspunkt war sicher, dass Thies und Ehlert schon zum Start ihrer Crowdfunding-Kampagne namhafte Leute mit im Boot hatten, wie die beiden Schauspieler Jule Ronstedt und Tim Bergmann sowie Komponist und Grimmepreisträger Dieter Schleip, der die Musik zum Film beisteuerte. Auch hier fügte sich wieder ein Rädchen ins andere: "Josefine war zwei Jahre lang fest in der Schauburg. Da hat sie zum Beispiel den Tim Bergmann kennengelernt und auch Dieter Schleip. Denen hat sie dann einfach das Drehbuch geschickt. Die fanden die Geschichten super und haben dann gesagt, dass sie uns unterstützten."

Thies nahm den Verleih selbst in die Hand

Finanziell stand das Projekt bald auf einer soliden Basis, nicht nur dank einer 10.000 Euro-Investition von Veronica Ferres und einer Förderung des FFF Bayern in Höhe von 230.000 Euro. Auch die Bevölkerung am Drehort im Chiemgau hat die Filmcrew sehr unterstützt, wie Thies erzählt. "Wir haben vielen Sachspenden bekommen. Der Bäcker hat jeder morgen Brot und Semmeln gemacht und wir haben 1000 Eier bekommen." Auch darüber hinaus haben Thies und Ehlert, zum Teil schon während des Crowdfundings, eine ganze Reihe Sponsoren ins Boot geholt.

Regisseurin Laura Thies während der Dreharbeiten (mit Kameramann Markus Ilschner)

Den Film letztlich auf die Leinwand zu bringen stellte sich im Nachhinein als viel schwieriger heraus als die Produktion des Films. "Wir haben keinen Verleiher bekommen, weil alle Verleiher sagen, Mystery verkauft sich nicht in Deutschland", erzählt Thies. Bei den deutschen Festivals war es das selbe. Auch dort hagelte es nur Absagen. Kurzerhand entschied sich die 31-Jährige dazu, den Film selbst in die Kinos zu bringen, arbeitete sich in die Materie ein, telefonierte mit Kinobetreibern - ein in Deutschland absolut ungewöhnlicher Schritt. "Wir haben sämtliche Regeln gebrochen, die es in der Branche gibt", sagt Thies.

Für die 31-Jährige ist deshalb jeder Besucher des Films ein Erfolg, insgesamt sind die Besucherzahlen für einen Film ohne Verleiher sogar recht gut. Bislang wurde "Schattenwald" in Bayern und am Bodensee gezeigt. Ihr Wunsch sei aber, auf jeden Fall in jede größere Stadt in Deutschland zu kommen, sagt Thies. Außerdem sei man in Verhandlungen mit einem Weltvertreib, damit der Film in anderen Ländern auf DVD komme. Drei Preise hat der Film auch schon abgeräumt - in den USA, wo "Schattenwald" (mit englischen Untertiteln) bald zum ersten Mal auf einem Publikumsfestival laufen wird.

Sondervorstellung am Samstag mit Laura Thies

Am Wochenende kommt "Schattenwald" mit vier Vorstellungen ins Waldkraiburger Kino "Cinewood". Bei einer Sondervorstellung am Samstag, 18. April, um 22.15 Ihr sind Regisseurin Laura Thies und Cutter Artjom König aus Kraiburg zu Gast. Zuerst wird ein Kurzfilm über das Crowdfunding und die Dreharbeiten gezeigt, anschließend läuft dann "Schattenwald". Danach haben Thies und König Zeit für Autogramme, Fotos oder auch einfach nur Fragen zum Film.

In "Schattenwald" geht es um die junge Songtexterin Julika Stetten (gespielt von Josephine Ehlert), die nach einem Burnout in ein altes Landhaus fährt. Dort wird sie in ihren Träumen von Katharina heimgesucht, einer Frau, die dort vor vielen Jahren ihr Leben verloren hat. Im Laufe des Films dringt Julika immer tiefer in ein scheinbar undurchsichtiges Geschehen ein, begegnet mysteriösen Gestalten - und muss sich den traumatischen Erinnerungen an den Tod ihrer Mutter stellen.

"Es waren alle Emotionen dabei"

"Es ist kein klassischer Mystery, den wir so aus Amerika kennen", erklärt Thies. "Er ist sehr tiefgründig, hat sehr viele Schichten. Wir fordern den Zuschauer aktiv auf, mitzudenken, den Fall zu lösen." Die meisten Menschen, die aus dem Kino kommen, seien beeindruckt, dass der Film so vielschichtig ist. "Bis jetzt waren von Gruseln, über Nachdenken, Lachen, bis hin zum Weinen alle Emotionen dabei."

"Schattenwald" ist ab 12 Jahren freigegeben und läuft im Cinewood in Waldkraiburg am Freitag, 17. April, um 22.15 Uhr, am Samstag, 18. April, um 15 Uhr und um 22.15 Uhr, und am Sonntag, 19. April, um 15 Uhr.

Der offizielle Trailer zum Film:

Quelle: innsalzach24.de

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