33-jährige Waldkraiburgerin vor Gericht wegen Messerattacke auf Ex

Wendung: Der Tötungsvorsatz scheint vom Tisch zu sein

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Die Angeklagte aus Waldkraiburg mit ihrem Anwalt Harald Baumgärtl
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Waldkraiburg/Traunstein - Sie will ihn mit einer anderen gesehen haben, danach entgleiste ein Streit völlig: Eine 33-jährige Waldkraiburgerin muss sich am Donnerstag vor dem Traunsteiner Landgericht verantworten, weil sie ihren Ex angeblich töten wollte.

Update, 15.45 Uhr: Ex-Freund: "Sie hat sich entschuldigt und geweint"

Auch der junge Ex-Partner der Angeklagten hat inzwischen ausgesagt. Auch hier: teils verwirrende und sich widersprechende Aussagen. Fest steht, dass er eine Woche nach der Messerattacke im Krankenhaus war. Er berichtet, wie das Blut aus der Wunde am Rücken förmlich herausspritzte.

Doch wie hat sich die Angeklagte nach der Tat verhalten? "Ich habe mich dann in die Badewanne gelegt, weil mir schwindlig geworden ist. Sie hat sich um mich gekümmert, hat sich entschuldigt und geweint." Nach einer langen, wenig ergiebigen Zeugenvernehmung ist dies ein konkreter Anhaltspunkt für Richter Erich Fuchs: "Das sieht dann nur noch nach einer gefährlichen Körperverletzung aus, aber einen Tötungsvorsatz kann ich hier nicht unbedingt erkennen."

Wird das auch die Staatsanwaltschaft so sehen, die der Angeklagten eine versuchte Tötung vorhält? Dass die Frau den Messerstich begangen hat ist aber längst geklärt, die Waldkraiburgerin hat es zugegeben. 

Am 5. April wird das Landgericht in Traunstein ein Urteil fällen.

Update 12.51 Uhr: "Ich wollte ihn nicht töten, ich liebe ihn doch"

Sie kann sich nicht mehr an alles erinnern, zum Teil sind ihre Aussagen vor Gericht etwas wirr, doch sie leugnet ihn nicht: den lebensgefährlichen Messerstich gegen ihren Partner. "Ich hatte einfach Angst, wir hatten so viel Streit, alles war zu viel. Ich wollte ihn nicht töten, ich liebe ihn doch", so die Waldkraiburgerin. Überhaupt: Bevor die Polizei in die Wohnung kam, will sie sich noch um die Stichwunden ihres Partners gekümmert haben - "und wir haben uns geküsst".

Die Beziehung zu dem jungen Mann, für den die 33-Jährige ihren Gatten verließ, war wohl ebenfalls kompliziert ("Ich hatte zwei Männer, aber keiner stand hinter mir.") Bei beiden floss regelmäßig Alkohol, es gab Streit wegen des Cannabis-Konsums des Geschädigten, manchmal gab es Schläge. Der Geschädigte soll außerdem untreu gewesen sein, "aber das habe ich ihm verziehen", so die Frau. Überhaupt habe Eifersucht an dem Abend des 28. Juni 2017 keine Rolle gespielt.

Satte 2,8 Promille hatte die 33-Jährige zur Tatzeit: "Zwei Flaschen Prosecco und drei Bier", gibt sie gegenüber Richter Erich Fuchs an, was sie getrunken hatte. Wie stark war sie den Alkohol gewöhnt? Eine Polizistin, die bei der Festnahme der Frau dabei war, äußert, dass die Waldkraiburgerin zwar eine Fahne hatte - aber weder ein Lallen noch einen unsicheren Gang habe sie festgestellt.

"Auf der Wache mussten wir uns ständig Beleidigungen und Bedrohungen von ihr anhören", so die Polizistin: "Vor allem hat mich geärgert, dass sie mir gedroht hat, sie wisse angeblich, wo meine Kinder sind." Auch ihre männlichen Kollegin bekamen von der Frau starke Sprüche zu hören: "In den Alkomaten blas' ich nicht rein. Lasst mich 20 Kilo abnehmen, dann blase ich Euch allen einen." Erinnerungen daran hat die Angeklagte aber nicht mehr.

Update 10.50 Uhr: Anzügliche Bemerkungen gegenüber Polizisten geäußert?

Es ist ein wilder Abend, den der Staatsanwalt in seiner Anklageschrift schildert: Ein Streit zwischen der 33-Jährigen und ihrem acht Jahre jüngeren Freund eskalierte, "mit großer Wucht" soll sie ihm ein Messer (Klingenlänge 17 Zentimeter) tief in den Rücken gerammt haben. "Ich schneid' Dir den Kopf ab", soll sie ihrem Partner gedroht haben, als der sich im Badezimmer einsperrte. Wäre kein Notarzt gekommen, der junge Mann wäre verstorben, ist sich die Staatsanwaltschaft sicher.

Als die Frau nach der Tat auf der Wache vernommen wurde, soll sie gegenüber den Polizisten auch noch anzügliche Bemerkungen gemacht haben, von Oralsex war die Rede. Auch eine weibliche Polizistin bekam laut Staatsanwaltschaft was zu hören: Sie könne deren Kindern etwas antun, soll die Waldkraiburgerin gedroht haben. 2,8 Promille hatte die 33-jährige Waldkraiburgerin zur Tatzeit.

Die Frau ist eigentlich mit einem anderen Mann verheiratet, schon seit 2006. Ihren jüngeren Partner, den sie laut Staatsanwaltschaft töten wollte, hat sie erst vor drei Jahren kennengelernt. Die Beziehung zum Ehemann ging zuvor schon auseinander. Sie wollte Kinder, er nicht. Trotzdem hatte die Angeklagte noch ein gutes Verhältnis zu ihrem Ehemann. Auch er ist heute im Gerichtssaal, wäre als Zeuge geladen, wird seine Aussage aber verweigern.

Wie konnte es zu dieser Tat kommen? Was war der Auslöser? Sowohl die Angeklagte, als auch ihr jüngerer Partner werden sich nun den Fragen des Richters stellen.

Vorbericht:

"Ich bring' Dich um", soll die 33-Jährige mit dem Messer in der Hand geschrien haben - dann ein tiefer Stich in den Rücken ihres Partners, wie es die Staatsanwaltschaft formuliert. Das Messer soll sich durch den Rücken ihres damaligen Freundes bis in die Brusthöhle gebohrt haben, so dass sogar Lungengewebe beschädigt wurde. Der damals 25-Jährige schwebte in Lebensgefahr. Die angeklagte Tat spielte sich am 28. Juni 2017 in der gemeinsamen Wohnung in Waldkraiburg ab

Sie will ihn mit einer anderen Frau gesehen haben

Das Motiv laut Staatsanwaltschaft: Rasende Eifersucht. Kurz vor der Tat will die Angeklagte ihren damaligen Partner mit einer anderen Frau gesehen haben. Kurz nach dem Messerstich soll die Angeklagte außerdem versucht haben, ihren Ex daran zu hindern, den Notarzt zu alarmieren. Auch einen Bleistift wollte sie dem 25-Jährigen laut Staatsanwaltschaft in den Hals rammen. Der Mann flüchtete schließlich ins Badezimmer und schloss sich ein. Zum Tatzeitpunkt hatte die 33-Jährige rund zwei Promille Alkohol im Blut.

Am Donnerstag beginnt der Prozess vor dem Landgericht in Traunstein. Die Frau ist angeklagt wegen versuchten Mordes und gefährlicher Körperverletzung. Seit 29. Juni 2017 sitzt sie bereits in Untersuchungshaft. Ein Urteil wird für den 5. April erwartet. Beide Prozesstage beginnen um 9 Uhr. 

innsalzach24.de wird am Donnerstag aktuell aus dem Gerichtssaal berichten.

xe

Quelle: chiemgau24.de

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