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Mit Heimatforscher Ferdinand Steffan auf „Kripperlroas“

Weihnachtliche Szenen dargestellt in Kirchen im Landkreis Rosenheim, Traunstein und Erding

Die Filialkirche Berg bei Schnaitsee hat sechs Einzelscheiben, auf denen biblische Szenen zu sehen sind.
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Die Filialkirche Berg bei Schnaitsee hat sechs Einzelscheiben, auf denen biblische Szenen zu sehen sind.

Eine „Kripperlroas“ - der Besuch von Weihnachtskrippen - gehört bei vielen Bürgern zur Tradition während der Weihnachtszeit. Der ehemalige Kreisheimatpfleger im Altlandkreis Wasserburg, Ferdinand Steffan, war unterwegs in Greimharting, St. Wolfgang, Amerang, St. Leonhard und Schnaitsee, um sich Darstellungen des Weihnachtsgeschehens in anderer Form anzuschauen. Dabei hat er Spannendes entdeckt.

Von Ferdinand Steffan

Wasserburg - Krippen sind nicht die einzigen Darstellungsformen von weihnachtlichen Szenen. Auch auf Fresken, Ölgemälden, Reliefs und Buntglasfenstern sind viele Malereien und Kunsterzeugnisse zu finden.

Jedoch gestaltete sich die Suche in der Region schwieriger als gedacht, da es einerseits nicht so viele Kirchen mit gotischer Ausmalung oder Flügelaltären gibt, wo man diese Szenen erwarten könnte, und andererseits viele Objekte nur schwer zugänglich sind, da sie sich in privaten Kapellen, Heimen oder meist verschlossenen Gotteshäusern befinden. Wir haben uns trotzdem auf die Suche gemacht.

Josef wie ein Zaungast hinter einer halbhohen Mauer

Greimharting (Rimsting): Die Altarflügel, die mit einer Schreinfigur des Heiligen Leonhard zu einem Ensemble verbunden wurden, sind ein Geschenk der Prinzessin Hildegard von Bayern (1881-1948) aus dem nahen Schloss Wildenwart. Die Tafeln wurden um 1500 im Allgäu geschnitzt, befanden sich zunächst auf Schloss Hohenschwangau und später in Leutstetten. Natürlich schaut man zunächst immer auf die „Assistenzfiguren“ und das Gebäude, wobei der Stall nur durch ein paar Stützen angedeutet ist. Maria kniet außerhalb des Stalls, das völlig nackte Kind liegt weder in einer Krippe noch in einem Körbchen, sondern lediglich auf einem Zipfel ihres weit ausgebreiteten Mantels. Und Josef? Er steht wie ein Zaungast hinter einer halbhohen Mauer und verweist auf das Geschehen. Hinter ihm wird durch Bäume und ein Gebäude in der Ferne die Landschaft angedeutet. Die unverzichtbaren Tiere schauen, völlig verkleinert, durch ein rundbogiges Fenster der Mauer.

Die Altarflügel in Greimharting waren ein Geschenk der Prinzessin Hildegard von Bayern aus dem nahen Schloss Wildenwart.

St. Wolfgang (bei Erding): In der Stiftskirche hängen an der Nordwand des Chores vier Tafeln von 138 x 111 Zentimetern, die einst die Werktagsseite des spätgotischen Hochaltares bildeten. Die Rückseite besitzt im oberen Teil noch einen Goldgrund mit Brokatprägung auf dem die Schnitzreliefs mit Szenen aus dem Leben des Heiligen Wolfgang angebracht waren. Die Sequenz aus dem Marienleben beginnt mit dem Besuch bei Elisabeth und führt über die Geburt Jesu zur Darstellung im Tempel und der Beschneidung des Herrn. Die Figurenkomposition ist einfach und übersichtlich aufgebaut: Maria, in einen hellen Umhang gekleidet, steht als Hauptfigur repräsentativ vor einem Gebäude, das wie ein Fertigbauelement hingestellt ist. Der Umhang fällt glatt in wenige geradförmige Falten gebrochen zu Boden und bildet erst dort komplizierte, aber übersichtliche Geschiebe.

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In St. Wolfgang zeigen sie Szenen aus dem Marienleben

Auf einem dieser Bauschen liegt ausgestreckt das Kind mit gefalteten Händen – keinesfalls ein wohlproportionierter Säugling. Und Josef? In ein rotes Gewand gehüllt, stützt er sich auf einen Krückstock und hat den Blick nicht auf Maria oder das Kind gerichtet, sondern schaut in Richtung des Betrachters. Zwei anbetende Engel im Hintergrund zwischen Maria und Josef unterstreichen das überirdische Geschehen, während Ochs und Esel aus einem separat stehenden Stall, der wie ein Modell aus einem Baukasten aussieht, hervorschauen. Ein dunkler, sternenloser Nachthimmel (möglicherweise später einmal übermalt) spannt sich über der Szene und verleiht ihr bei aller Schlichtheit der Ausstattung eine düstere Stimmung. Eine überlieferte, aber nicht mehr vorhandene Signatur I B verweist möglicherweise auf den Maler Jörg Breu, der in Landshut zwischen 1480 und 1496 nachweisbar ist.

St. Leonhard am Buchat (Babensham): Die ehemalige Wallfahrtskirche ist durch einen spätgotischen Kreuzaltar bekannt, dessen Mittelbild an der Nordwand und die vier Felder der zugehörigen Flügel gegenüber an der Südwand hängen. Da die Tafeln nicht beweglich montiert sind, kann man deren Rückseite nicht betrachten, sodass sie, abgesehen von ihrem fragmentarischen Zustand, nahezu unbekannt sind. Wie in St. Wolfgang zeigen sie Szenen aus dem Marienleben, wobei die Anbetung durch die Könige und der Tod Mariens am stärksten zerstört sind. Bei der Zerlegung des Altares wurden die Felder beschnitten und auf einen fast quadratischen Zustand von 92 x 90 Zentimeter reduziert, sodass von den Szenen vor allem im unteren Bereich etwa ein Drittel fehlt. Die Szene der Geburt Jesu weist Besonderheiten hinsichtlich der Konstruktion des Stalles auf. Eine unverschallte Giebelfront in Zimmermannstechnik ist auf den Betrachter ausgerichtet.

Anbetung der Drei Heiligen Könige

Der Giebel lehnt sich links an ein Stück kaputtes Mauerwerk an, hat aber keine Stütze zum Boden, sodass der Bau in dieser Form nie stehen könnte. Quer dazu steht auf roh belassenen Stämmen eine einfache strohgedeckte Dachkonstruktion, die sich wie ein Tor /eine Hofeinfahrt ausnimmt. Abgeschlossen wird dieser offene Bau durch einen Flechtwerkzaun, der einen schmalen Blick auf die Landschaft dahinter freigibt. Zeittypisch sind die beiden Engel, die einen Vorhang halten, um das Geschehen gleichsam vor unliebsamen Zaungästen abzuschirmen. Josef kocht ausnahmsweise nicht auf einer offenen Feuerstelle, sondern hält eine Pater-Noster-Schnur in Händen. Der Zeitraum der Entstehung wird unterschiedlich zwischen 1440/50 und 1480 angesetzt, wobei der unbekannte Künstler aus einer Werkstatt stammt, die sowohl durch münchnerische, als auch durch salzburgische Einflüsse geprägt ist.

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Meilham (Amerang): Erst 1898 ist die gotische Ausmalung des Presbyteriums der Filialkirche von Meilham durch subtiles Abklopfen doppelter Tüncheschichten freigelegt worden. Das Generalkonservatorium in München war zwar der Meinung, dass die ornamentalen und figürlichen Malereien keinen hervorragenden Kunstwert hätten, aber dennoch sollten sie als Beispiel spätmittelalterlicher Ausmalung des Chores erhalten werden. Als nicht mehr restaurationsfähig eingestuft wurde die Darstellung der Anbetung der Drei Heiligen Könige. Ihr Zustand sollte durch Überspannung mit Papier oder Leinwand lediglich konserviert werden. Ein mutiger Maler wagte sich dennoch an die Restaurierung, die zwar mehr einer Neuerfindung gleichkommt, aber bei den Besuchern mehr Aufmerksamkeit findet als die Fresken an der Nordseite des Chores. In einem der Joche finden sich unter einem Bild der Auferstehung Jesu die Darstellung der Heimsuchung Mariens und der Geburt Jesu.

Die Darstellung von Jesu Geburt entspricht in der Filialkirche Meilham den spätmittelalterlichen Vorlagen: Ein offener Stall vor einer Mauer, davor betend Maria, während das Jesuskind in einem geflochtenen Korb liegt.

Der Schnaitseer Maler Sebastian Ametsberger (1821 – 1901) übernahm die Restaurierung der Ornamente im Gewölbe, wobei die Ausführung den Fachleuten nicht gefiel. Die Darstellung der Geburt Jesu entspricht den spätmittelalterlichen Vorlagen mit einem offenen Stall vor einer (Stadt-)mauer, davor betend Maria, während das Kind in einem ovalen geflochtenen Korb liegt. Josef macht sich im Hintergrund nützlich, indem er auf einem Herdblock über einer kleinen Flamme etwas in einem Pfännchen kocht – eine typische Szene für die Tätigkeit des Heiligen Josef. Ochs und Esel liegen zwischen ihm und dem Kind, wobei die Beinhaltung des Ochsen eher der eines Osterlammes gleicht. Auch wenn in der Wiedergabe der Gesichter der Stil um 1900 durchschlägt, bleiben diese Fresken ein seltenes Beispiel für die spätgotische Ausschmückung selbst kleiner Landkirchen.

Zwei Szenen aus dem Neuen Testament, darunter die Geburt Christi

Filialkirche Berg bei Schnaitsee: Nach der Darstellung der Geburt Christi auf spätgotischen Reliefs, Tafelbildern und Fresken sei noch auf ein viertes Medium verwiesen, mit dem den Gläubigen das Heilsgeschehen vermittelt werden konnte. In die Fenster ließen sich einzelne bemalte Scheiben einsetzen oder sie konnten in ihrer gesamten Größe Szenen zeigen, die im Licht wunderschön leuchteten.

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Die Filialkirche Berg bei Schnaitsee hat noch sechs solcher Einzelscheiben, neben vier Darstellungen von Heiligen auch zwei Szenen aus dem Neuen Testament, darunter die Geburt Christi. Vier Scheiben lassen sich genauer datieren und gehören in das Ende des 15. Jahrhunderts bzw. in die ersten beiden Jahrzehnte des 16. Jahrhunderts. Somit dürfte auch die Geburt Christi in jener Zeit entstanden sein. Die Heilige Familie kniet in einem baufälligen gotischen Gewölbe, das einen Blick in die Landschaft freigibt. Zwischen den Säulen machen Hirten ihre Aufwartung. Obwohl die Szene nicht in der Nacht spielt, hält Josef eine Laterne in der Hand – eine Tätigkeit, die für spätere Darstellungen prägend wird. Die Auswahl dieser spätgotischen Kunstwerke erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit, sondern will exemplarisch aufzeigen, wie Maler und Bildhauer vor 500 Jahren versucht haben, das Geheimnis der Menschwerdung Gottes zu interpretieren und den Gläubigen, die häufig noch des Lesens unkundig waren, zu vermitteln.

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