Weitere Millionen in den Sand gesetzt

Rosenheim/Kufstein - Ungebrochen war auch gestern die Abenteuerlust der Schatzsucher in Ebbs, die sich auf die Spuren der Millionenbeute des ehemaligen Vermögensberaters Albert H. (Name geändert) machten. 

Indes erweitert sich der Kreis der Geschädigten: H. soll auch durch riskante Aktiengeschäfte Millionen in den Sand gesetzt haben.

"Er konnte unheimlich schnell das Vertrauen anderer Menschen gewinnen", bestätigte der Rosenheimer Rechtsanwalt Peter Astner gestern im Gespräch mit unserer Zeitung. Erfahrung hat er mit dem ehemaligen Anlageberater mehr als genug: Der Rechtsanwalt vertrat eine ganze Reihe Geschädigter aus dem Raum Rosenheim und München, die durch Albert H. ein Vermögen verloren hat.

In seinen Geschäftspraktiken zeigte sich Albert H. (50) einfallsreich: Zum einen räumte er die Konten einiger Kunden bei der DAB-Bank in München mittels gefälschter Überweisungsträger leer (1,65 Millionen Euro, wir berichteten), zum anderen zog er unzähligen Privatanlegern ihr Schwarzgeld aus der Tasche, um es vermeintlich gewinnbringend anzulegen. Dabei war er offenbar auch auf dem Börsenparkett aktiv. Durch riskante Aktiengeschäfte brachte er zahlreiche Rosenheimer und Münchner Anleger um ihr Geld.

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Rechtsanwalt Astner zum Vorgehen des verurteilten Millionenbetrügers bei seinen Börsengeschäften: "Er hatte mit seinen Kunden Vermögensverwaltungsverträge abgeschlossen und anstatt, wie vereinbart, das Geld konservativ anzulegen, tätigte er nicht genehmigte Derivatgeschäfte." Die Folge: Albert H. verspekulierte sich bei seinen Börsengeschäften, die Astner zufolge "hoch riskant" waren. Das Geld war in vielen Fällen weg. Falls doch mal Gewinne abfielen, habe sich der Anlageberater auch daran bedient: Die Geschäfte habe er über eine Sammelorder getätigt und diese nachträglich wieder aufgeteilt - "die Gewinne gingen dabei an einen Strohmann", weiß der Anwalt.

Bei den Aktienspekulationen ging es offenbar um Millionensummen: Allein Astner vertrat zwölf Mandanten, die hohe Summen verloren haben. "Die meisten zwischen 100.000 und 500.000 Euro, ein Mandant sogar 2,1 Millionen Euro", erinnert sich der Jurist. Die Gelder müssen die Geschädigten mittlerweile abschreiben: Sie hatten nach der strafrechtlichen Verurteilung von Albert H. im Jahr 2002 erst einmal auf weitere Unternehmungen verzichtet - "gegen meinen Rat", so Astner.

Das Problem: In der Zwischenzeit sind die Ansprüche verjährt. Denn: Laut Gesetzeslage können Forderungen nur bis drei Jahre nach Kenntnis angebracht werden - "und spätestens mit der Verurteilung muss man davon ausgehen, dass der Sachverhalt bekannt war."

Glücklicher ging es indes für die Geschädigten aus, die ihr Geld durch den Überweisungsbetrug verloren hatten: Sie, ebenfalls Mandanten von Rechtsanwalt Astner, erhielten von der DAB-Bank die insgesamt 1,65 Millionen Euro zurück. Die Bank wiederum "jagt" seitdem Albert H. hinterher, der in diesem Zusammenhang im September 2009 einen Offenbarungseid abgelegt hatte.

Aktuell beschäftigt sich auch die Staatsanwaltschaft Rosenheim wieder mit dem Thema Albert H.: Privatermittler Erich S. hatte den 50-Jährigen, wie berichtet, wegen Geldwäsche angezeigt. Denn: Albert H. hatte offenbar an ein ebenfalls geschädigtes Ehepaar, Kurt und Maria Heinle aus Bruckmühl, per Mittelsmann 100.000 Euro übergeben lassen - das Geld könnte aus den Betrugsfällen stammen, vermutet S. "Die Meldung ist bei uns eingegangen und wird auf ihren strafrechtlichen Gehalt geprüft", erklärte hierzu Oberstaatsanwalt Jürgen Branz gegenüber unserer Zeitung. Dann wird auch entschieden, ob ein Strafverfahren gegen Albert H. eingeleitet wird.

Falls weitere Beute entdeckt wird, beispielsweise in dem Wald bei Ebbs, sieht sich die Staatsanwaltschaft allerdings nicht betroffen: "Die schiere Tatsache, dass Beute aufgefunden wird, zieht kein Strafverfahren nach sich", so Branz. Dies könnte einzig für die Gläubiger von Interesse sein.

In Eichelwang zwischen Ebbs und Kufstein geht indes die Suche nach dem vermeintlichen Schatz weiter. Immer wieder machen sich mit Spaten "bewaffnete" Wanderer auf den Weg in das Waldgebiet zwischen Landstraße und dem Kaisergebirge. Geschäftstüchtig erweist sich die dort ansässige Gärtnerei: Sie wirbt bereits mit Schaufeln zum Sonderpreis.

Rosi Gantner (Oberbayerisches Volksblatt)

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