In schwindelerregenden Höhen am Wendelstein

„Die eigene Angst überwinden“ - Inntal-Slackliner mit längster Highline Deutschlands

Slackliner auf Highline am Wendelstein
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Hoch über dem Boden balancieren die Slackliner auf dem Seil.

Wendelstein - Gemeinsam wagten sich der Brannenburger Valentin Rapp und seine Freunde auf eine Slackline in schwindelerregender Höhe. Auf Deutschlands längster Highline bewiesen sie starke Nerven.

500 Meter lang ist sie - die längste Highline Deutschlands. In schwindelerregender Höhe balancieren Slackliner Valentin Rapp, Julian Mittermaier (beide aus Brannenburg), Lukas Irmler aus dem Landkreis Freising und Friedi Kühne aus Bad Aibling auf einer Slackline am Wendelstein entlang. Was viele nur im Park zwischen zwei Bäumen aufgespannt kennen, wird hier im Extremen praktiziert. Die Inntal-Slackliner stellen dabei nicht nur ihr Können, sondern vor allem auch starke Nerven unter Beweis. Im Gespräch mit rosenheim24.de verrät der Brannenburger Valentin Rapp, was den besonderen Reiz an diesem Nervenkitzel ausmacht und wie das mit dem Highlinen überhaupt funktioniert.

Rapp selbst ist auch Slackliner, außerdem produziert er Filme und Fotos (Valentin Rapp Film). So auch von der Highline am Wendelstein. Seine Filmkarriere begann mit dem Slacklinen. „Ich war immer derjenige, der Fotos gemacht hat. Mit der Zeit habe ich mich mehr und mehr eingearbeitet und auch gefilmt", verrät er. Heute produziert Rapp Werbefilme und -bilder für Outdoorsportmarken.

Im September wagten er und seine Kumpel sich an eine ganz besondere Aktion: Deutschlands längste Highline am Wendelstein. Der Berg hat eine nostalgische Bedeutung für die Gruppe, denn bereits vor acht Jahren trauten sie sich hier auf die Slackline in schwindelerregender Höhe - die damals noch etwas kürzer war. Neben Irmler, Kühne, Mittermaier und Rapp selbst waren diesmal noch weitere Slackliner mit von der Partie.

So wurde Deutschlands längste Highline am Wendelstein geplant

Nichts für schwache Nerven: So hoch ist Deutschlands längste Highline.

„Als ich vor acht oder neun Jahren mit dem Slacklinen angefangen habe, war der Sport noch sehr jung, damals haben wir schon mit die weltweit längsten Lines gehabt“, erinnert sich Rapp im Gespräch. Ganz so einfach wie bei einer normalen Slackline, ist die Wendelstein-Highline nicht entstanden. Denn allein die Genehmigungen seien ein Riesen-Act gewesen, so Rapp. „Weil sie sehr hoch und sehr lang ist, ist der eine Fixpunkt der Slackline auf dem Grundstück eines anderen Inhabers, als der zweite Fixpunkt.“ Auch das Luftamt, die zuständige Forstverwaltung, entsprechende Flugplätze und so weiter habe man informieren müssen, um beispielsweise die Luftsicherheit zu gewähren. Organisiert wurde das Ganze von Lukas Irmler.

Der Aufbau der Slackline sei dafür reibungslos verlaufen. Die große Frage bei so hohen Lines sei immer, wie man das Equipment von A nach B bekomme. Am Wendelstein habe man es einfach in der Mitte zwischen den Fixpunkten auf dem Boden platziert, und dann von beiden Seiten ein Seil von oben nach unten geworfen, an dem man das Material dann hochziehen konnte. Gespannt habe man es dann wie jede andere Slackline auch.

Sicherheit geht vor

Als Fixpunkte dienten Felsbrocken und Latschen zur Absicherung. Wichtig sei für viele Redundanzen zu sorgen und alles mehrfach zu sichern, damit das Seil nicht abstürze, wenn eine Sicherung nachgebe.

Zur Sicherheit spanne man auch zwei Slacklines, falls eine reißt. „Das ist uns aber noch nie passiert“, versichert Rapp. Grundsätzlich könne natürlich jeder Highlinen, aber es sei Rapp und seinen Freunden wichtig, dass der Sport nachhaltig betrieben wird. So versuche man keine Hinterlassenschaften liegen zu lassen und keine Bohrhaken in Felsen zu schlagen.

Schwindelfrei sollte man in so luftiger Höhe sein.

Für alle, die sich an den Sport heranwagen wollen, sei es wichtig, anfänglich mit anderen Leuten mitzugehen, die sich mit der Materie auskennen. Wie bei jedem Sport sei auch hier die Devise: Klein anfangen!

Ob das Ganze gefährlich sei oder nicht, sei natürlich ansichtssache, aber seiner Meinung nach, liege das größte Risiko beim Aufstieg im alpinen Gelände, so Rapp. Denn auf der Slackline selber gehen die Athleten/innen, von wenigen Freesolo-Slacklinern abgesehen, immer selber mit einer sogenannten Leash gesichert, fallen bei einem Sturz in die Line und hangeln sich einfach wieder rauf.

Wegen der redundant aufgebauten Line selbst könne einem dabei nicht mehr viel passieren. Die größte Herausforderung sei daher auch gar nicht so sehr das Können und die Fähigkeiten als Slackliner, sondern vielmehr die mentale Power. Denn die stehe bei solchen Aktionen ganz klar im Vordergrund. Besonders die Höhe mache vielen Leuten dabei Schwierigkeiten.

Der Reiz der Gefahr - Warum es so hoch hinaus geht

Genau darin liege aber auch der Reiz des Highlinens. „Es ist eine Kombination daraus, sich in eine Situation zu begeben, in der man sich gestresst und unwohl fühlt und dann Körper und Kopf dazu zu bringen, sich zu entspannen. Sobald man verkrampft, schwingt die Linie und man fällt runter. Wenn der Körper vor Anspannung schreit, muss man in sich kehren und den Körper beruhigen. beruhigen. Schafft man das, gibt es als Belohnung neben viel Adrenalin auch jede Menge Glückshormone“, schwärmt Rapp.

Klar sei es aber auch wichtig, seine Fähigkeiten zu trainieren und gerade am Anfang regelmäßig zu üben. „Wir haben früher viel in der Wolfsschlucht in Neubeuern auf niedrigeren, kürzeren Slacklines geübt“, so Rapp. Besonders wichtig sei vor allem zu beachten, dass Highlinen kein Einzelsport, sondern echte Teamarbeit sei. Am Wendelstein seien sieben bis acht Leute dabei gewesen, haben zusammen geplant, zusammen den Berg erklommen, das Ganze gemeinsam erlebt.

jv

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