„A bisserl Hoffnung“ für's Bairisch

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Diezel (= Schnuller) und Tracht: Immerhin der Heimat- und Volkstrachtenverein Goldachtaler Eicherloh hat Nachwuchs, wie man beim Wiesnumzug 2009 sah.

Rosenheim - In Rosenheim spreche die Bevölkerung mehrheitlich so wie in München vor 20 Jahren. Es steht generell nicht gut um unseren Dialekt...

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Eine Lederhose macht noch keinen Bayern, warnt Martin Bauer, Vorsitzender des Fördervereins Bairische Sprache und Dialekte, mit kritischem Seitenhieb auf die Landhausmoden-Unkultur bei der Wiesn. Wie aber kann der von der UNESCO schon als bedrohte Sprache eingestufte Heimatdialekt gerettet werden? Im Münchner Presseclub herrschte unter den Vereinsbossen eine gewisse Ratlosigkeit. Sicher, es gibt hie und da Hoffnungszeichen. „Es tuat se wos“, sagt Vereinsvize Horst Munzinger. Er habe „a bisserl Hoffnung“: Der Förderverein etwa wächst – auf jetzt 3100 Mitglieder, am Freitag soll sogar ein Ableger im Tölzer Land reaktiviert werden.

Der Münchner Gerhard Holz hat an der Ernst-Reuter-Grundschule in München ein Mundart-Projekt aufgezogen, das Nachahmung findet: Bairisch für Grundschüler in der (weitgehend) dialektfreien Landeshauptstadt. Ein schwieriges Unterfangen, denn nur 1,8 Prozent der Schüler spricht noch bairisch eingefärbt, ergab 1998 eine Untersuchung. Und in den Schulbüchern sei „der Junge unausrottbar drin“ (Bauer), während der Bub verschwinde.

Diezel (= Schnuller) und Tracht: Immerhin der Heimat- und Volkstrachtenverein Goldachtaler Eicherloh hat Nachwuchs, wie man beim Wiesnumzug 2009 sah.

Das akzentfreie Hochdeutsch kommt mit Wucht daher. Im Bayerischen Rundfunk vermisst Vereinschef Bauer schmerzlich Sprecher mit „südlichem Hochdeutsch“, obwohl er nicht zu dem beliebten Rundumschlag gegen den BR ausholen wollte. Gesetze zum Bairisch-sprechen etwa in der Schule „kann man vergessen“, sagt Bauer. Zwang habe bei diesem Thema keinen Sinn. So bleibt nur eine vage Hoffnung: Dass Bairisch als „erotischer“ Akzent auch außerhalb Bayerns attraktiv ist und sich so erhält – weil die Betonungen „so weich“ sind, wie Munzinger sagt. Und weil bairische Gedichte gut klingen – „I mog di, Maus“ sei doch was anderes als „Ich liebe Dich“.

Der Sprachforscher Bernhard Stör konterte mit harten Fakten: Ballungszentren bestimmten alles und strahlten mit zeitlicher Verzögerung aus. In Rosenheim spreche die Bevölkerung mehrheitlich so wie in München vor 20 Jahren. Und in Garmisch-Partenkirchen mache sich schon „Münchner Dialekt“ breit.

Stör war es auch, der mit einem Kollegen bei der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) ein Projekt zur Bestandsaufnahme eingereicht hatte. In 140 Orten sollte die „Dialektkompetenz bei Schülern“ untersucht werden. Sollte – denn das Projekt wurde „mit einer fadenscheinigen Begründung“ (Stör) abgelehnt.

Dirk Walter/Münchner Merkur

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