Wild und Pilze: Radioaktiv verstrahlt?

Landkreis - Zum 25. Jahrestag von Tschernobyl antwortete die Staatsregierung auf eine Anfrage der Grünen Landtagsfraktion zum Thema „Radioaktive Belastung von Wild und Pilzen in Bayern“:

Darin finden sich auch Informationen zur Situation im Landkreis Mühldorf. Im Jahr 2009/2010 wurden im Landkreis drei Radiocäsium-Untersuchungen bei Wildtieren durchgeführt, zwei Proben Rehwild und eine Probe Schwarzwild. Dabei wurde keine Überschreitung der Grenzwerte gemessen. Die Messungen bei Pilzen ergab im Landkreis ebenfalls keine Überschreitung des Grenzwertes. Ausgegangen wird allerdings davon, dass Pilze nur in geringen Mengen verzehrt werden.

Dennoch gibt es Anlass zur Besorgnis: Eine verpflichtende Messung der Strahlenbelastung bei allen erlegten Tieren erachtet die Staatsregierung als nicht notwendig. Das Fleisch muss also nicht untersucht werden, bevor es verkauft werden darf. Nur 10 % der 2009/2010 in Bayern erlegten Wildschweine wurden überhaupt getestet. 25 Prozent der bayernweit tatsächlich untersuchten Sauen lagen jedoch über dem zugelassenen Grenzwert.

Die Betreuungsabgeordnete für den Landkreis Mühldorf Anne Franke meint dazu: „Die Häufigkeit, mit der die Grenzwerte überschritten werden, ist in den vergangenen fünf Jahren insgesamt gestiegen.“ Wie das Landwirtschaftsministerium in seiner Antwort mitteilt, lagen im Jagdjahr 2009/2010 rund 25 Prozent der untersuchten Wildschweine über der Belastungsgrenze von 600 Bequerel pro Kilogramm. Im Jahr 2006 waren es noch knapp 20 Prozent. Anne Franke erklärt: „Wir fordern eine dringende Überprüfung, ob die von den Jägern freiwillig durchgeführten Untersuchungen tatsächlich ausreichend sind.“

Lediglich für die Forstbetriebe Bad Tölz, Berchtesgaden, Bodenmais, Fichtelberg, Flossenbürg, Landsberg, München, Neureichenau, Nordhalben, Nürnberg, Oberammergau, Ottobeuren, Pegnitz, Roding, Ruhpolding, Schliersee, Schnaittenbach, Selb, Sonthofen, Waldsassen, Wasserburg und Zusmarshausen ist die Beprobung aller in der Regiejagd erlegten und zum Verzehr vorgesehenen Stücke Schwarzwild vorgeschrieben. In den anderen Forstbetrieben ist eine vollständige Beprobung lediglich bei dem Schwarzwild vorgesehen, das in Forstdistrikten erlegt wurde, in denen bereits Stücke mit Messwertüberschreitungen angefallen sind. Nach der gegenwärtigen Rechtslage hat jeder Anbieter von Wildbret im Rahmen seiner Sorgfaltspflicht dafür zu sorgen, dass kein Wildbret mit einer Radiocäsiumbelastung über 600 Bq/kg in den Verkehr gebracht wird. Der Verantwortliche hat durch eigene Messungen sicherzustellen, dass sein Produkt die gesetzlichen Anforderungen erfüllt.

In Bezug auf Radioaktivitätsmessungen für Pilze können sich Pilzsammler an ihre jeweilige Kreisverwaltungsbehörde wenden. Die Proben werden bei der Kreisverwaltungsbe- hörde entgegengenommen und über das Bayerische Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit zur Messung an das LfU weitergeleitet.

Pressemitteilung Landtagsbüro Anne Franke, MdL

Rubriklistenbild: © dpa (Symbolfoto)

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