Hintergründe zum WM-Mord von Bad Reichenhall:

Phantombild: Hinweise auf 140 Personen

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Der 20-jährige Christoph R. rückte vergangenen Freitag ins Visier der Ermittler.
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Bad Reichenhall - Elf Tage saß ein 21-Jähriger nach dem brutalen WM-Mord unschuldig in Untersuchungshaft. Aufgrund eines Phantombildes. Steht ihm nun eine Entschädigung zu?

Damit die Polizei nach einem Täter fahnden kann, bedient sie sich oft einem Phantombild. Wie auch in den Ermittlungen zum WM-Mord in Bad Reichenhall, bei dem der 72-jährige Rentner Alfons S. sein Leben verlor und die 17-jährige Sarah F. schwer verletzt wurde. Dass ein Phantombild aber auch zu falschen Verdächtigen führen kann, zeigt gerade dieser Fall.

Mithilfe der tapferen jungen Frau konnte die SOKO "14. Juli", die eigens zur Klärung der Bluttat gegründet wurde, ein Phantombild erstellen.

Wie aussagekräftig ist ein Phantombild?

Mit diesem Phantombild lief die Fahndung nach dem Täter von Bad Reichenhall.

Ein Phantombild entsteht immer aufgrund von subjektiven Erinnerungen, denen Opfer in Extremsituationen ausgesetzt waren. Und die sie mithilfe von Phantombild-Zeichnern des Landeskriminalamtes zu Papier bringen. Dem Phantombild, das Sarah F. und die Zeichner vom LKA erstellt haben, sahen wahnsinnig viele Bürger ähnlich.

Auf Nachfrage von bgland24.de bestätigte Franz Sommerauer, Sprecher des Polizeipräsidiums Oberbayern Süd, dass nach Veröffentlichung des Phantombildes Hinweise auf 140 Personen eingingen. Rund 50 von ihnen wurden genauer unter die Lupe genommen. "Es war durchaus eine Ähnlichkeit da" erzählt der Pressesprecher. Die sukzessive Überprüfung wurde jedoch unterbrochen, als der Tatverdächtige Christoph R. ins Visier der Beamten rückte. In den Datenbanken bleiben die Hinweise auf andere Bürger jedoch vorhanden, falls vor Gericht nach ihnen verlangt wird.

Wie rückten die Tatverdächtigen 1 und 2 ins Visier der Ermittler?

Ein erster Tatverdächtiger erweckte bereits kurz nach den grausamen Taten die Aufmerksamkeit der Ermittler. Der junge Mann wurde in Polizeigewahrsam genommen, die Untersuchungshaft wurde vorbereitet. Der ohnehin recht dünne Tatverdacht konnte sich aber nicht bestätigen, nach zwei Tagen war der Mann wieder auf freiem Fuß.

Länger war ein 21-jähriger Bad Reichenhaller in U-Haft, insgesamt konzentrierten sich die Beamten knapp zwei Wochen auf ihn. Aufgrund einer Öffentlichkeitsfahndung mit dem Phantombild gingen mehrere Hinweise bei der SOKO "14. Juli" ein, die auf ihn als möglichen Täter schließen ließen. "Es gab mehrere Verdachtsmomente und auch Indizien" erklärt Franz Sommerauer die Festnahme des 21-Jährigen und zeigt Gründe für die Haft-Entlassung auf: "Im Zuge der Ermittlungen müssen weitere belastende Momente oder entlastende Momente gefunden werden. In dem Fall des 21-jährigen Verdächtigen waren die entlastenden Momente deutlich stärker, als die Indizien, die zur Haft geführt haben."

Hat der 21-jährige, ursprünglich Verdächtige Anspruch auf Entschädigung?

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Elf Tage saß der Bad Reichenhaller in Untersuchungshaft. Elf Tage in denen er seiner Arbeit nicht nachgehen konnte und elfTage, die sicherlich auch eine psychische Belastung für den Betroffenen dargestellt haben. Prinzipiell steht ihm eine Entschädigung zu. Dazu muss er einen Antrag auf Haftentschädigung bei der Staatsanwaltschaft stellen, wie der Münchner Rechtsanwalt Christof Herold auf Nachfrage von bgland24.de erklärt. Sollten die Verdachtsmomente jedoch sehr groß gewesen sein und die Ermittler können dies belegen, wird er kaum eine Entschädigung bekommen.

Tatverdächtiger Nummer 3: Welche Spur führte zu ihm?

Am Dienstag wurde dann bekannt, dass sich die Ermittlungen auf eine andere Person konzentrieren: Keinen anderen Tatverdächtigen haben soviele Indizien belastet, wie den 20-jährigen Christoph R, der in Bad Reichenhall bei den Gebirgsjägern stationiert ist.

In der Stube des Soldaten wurde am Sonntag die Kleidung der Tatnacht sichergestellt. Mit Blutspuren beider Opfer, wie eine kriminaltechnische Untersuchung ergab. Seit Freitagmittag ist klar: Das Tatmesser und eine Messerscheide, die ebenfalls im Schrank von Christoph R. gefunden wurde, passen zusammen.

Das Messer, mit dem beide Gewaltverbrechen begangen wurden, sollte dem jungen Soldaten zum Verhängnis werden. Es gibt zwei Möglichkeiten, an solch ein Messer zu kommen: Bei Soldaten gehört es zur Ausrüstung und über 18-Jährige können es auf dem freien Markt kaufen. "Nachdem man ausschließen konnte, dass es irgendwo gekauft wurde, konzentrierten sich die Ermittlungen auf die Bundeswehr" erklärt Franz Sommerauer und gibt gegenüber bgland24.de an: "Freitag vor einer Woche fiel sein Name das erste Mal."

Die gemeinsame Pressekonferenz von Staatsanwaltschaft und Polizei am Mittwoch

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Bilder von der Suchaktion in Bad Reichenhall

Quelle: BGland24.de

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