Großeinsatz bei Ergoldsbach im Landkreis Landshut

30 Feuerwehrler nach Einsatz kontaminiert - Staatsanwaltschaft ermittelt

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Wölfkofen/ Martinshaun - Bei einem landwirtschaftlichem Unfall stürzte eine Pflanzenschutzspritze um, wobei ca. 3000 l Spritzbrühe in einen Bach gelaufen sind. Während des Einsatzes wurden dann mehrere Feuerwehrangehörige sowie ein Polizeibeamter verletzt. 

Update, 6.45 Uhr: Staatsanwaltschaft gibt Gutachten in Auftrag

Zur genauen Klärung der Unfallursache wurde seitens der Staatsanwaltschaft Landshut ein technisches und unfallanalytisches Gutachten angeordnet. Die im Rahmen des Einsatzes verletzten Einsatzkräfte konnten nach derzeitigem Kenntnisstand bereits alle die Klinik wieder verlassen.

Hinsichtlich des Traktorfahrers wird ein mögliches Fehlverhalten geprüft.

Pressemitteilung/Nachtrag der Polizei

Update, 6.30 Uhr: Pressemeldung der Polizei

Die Pressemeldung im Wortlaut: Am Dienstag, 07.05.2019, gegen 17.30 Uhr, fuhr ein 48-jähriger Fahrer eines Traktors, an welchem eine Pflanzenschutzspritze angehängt war, auf der Gemeindeverbindungsstraße von Kläham in Richtung Martinshaun.

Hierbei brach aus bisher nicht bekannten Gründen von der Anhängespritze ein Rad ab, so dass diese umstürzte und auf der Straße zum Liegen kam. Die Anhängespritze war mit ca. 4000 Liter Wasser, versetzt mit ca. 40 Liter Pflanzenschutzmittel (Fungizid) gefüllt, wovon ca. 3000 Liter ausgelaufen und auch in einen angrenzenden Bach gelaufen sind.

Durch die verständigten Feuerwehren wurde der Bach aufgestaut und daraus ca. 4500 Liter Wasser in ein Auffangbecken gepumpt.

Während des Einsatzes verspürten sieben Angehörige der eingesetzten Feuerwehren sowie ein Polizeibeamter Augenreizungen und Atembeschwerden, so dass diese noch vor Ort ärztlich behandelt werden mussten. Die Verletzen wurden anschließend in eine Augenklinik bzw. in ein umliegendes Krankenhaus eingeliefert. Drei verletzte Einsatzkräfte konnten zwischenzeitlich wieder aus der Augenklinik bzw. aus dem Krankenhaus entlassen werden.

Ursächlich für die Augenreizungen bzw. für die Atembeschwerden waren vermutlich die Ablagerungen der Spritzbrühe auf der Straße, wodurch giftige Dämpfe entstanden sind.

Weiterhin mussten insgesamt ca. 30 eingesetzte Feuerwehrangehörige sowie zwei Polizeibeamte durch einen Dekontaminationstrupp der Feuerwehr dekontaminiert werden. Der Fahrer des Traktors wurde bei dem Unfall nicht verletzt.

Nach derzeitigen Erkenntnissen sind keine Umweltschäden zu erwarten. Mitarbeiter des Wasserwirtschaftsamtes sowie des Landratsamtes Landshut waren vor Ort und veranlassten die erforderlichen Maßnahmen.

Die Fahrbahn der Gemeindeverbindungsstraße wurde bei dem Unfall erheblich beschädigt und wurde daher bis auf weiteres gesperrt.

Bei dem Einsatz waren ein Großaufgebot der umliegenden Feuerwehren sowie des Rettungsdienstes vor Ort.

Pressemeldung Polizeipräsidium Niederbayern

Erstmeldung

Nach Informationen von vor Ort kam es Dienstagabend zu einem Großeinsatz, bei welchem acht Feuerwehrler verletzt wurden: Am frühen Abend, gegen 17.30, Uhr ahnte noch niemand, dass eine umgestürzte Anhängerspritze eines Landwirts solch einen verheerenden Großeinsatz mit zuletzt insgesamt 8 Verletzten Feuerwehrlern nach sich ziehen wird. Vorausgegangen war ein Verkehrsunfall an der Kreuzung B15/ LA9 nach Wölfkofen.

An einerAnhängerspritze, mit welcher die Landwirte derzeit das Unkraut auf Ihren Feldern bekämpfen, löste sich aus bisher unbekannten Gründen ein Rad, die Spritze kippte zur Seite und rund 3.000 Liter Fungizid sickerten in den Wölfkofener Graben. Unverzüglich löste die Integrierte Leitstelle in Landshut Alarm für die Feuerwehren aus Kläham, Rottenburg und Ergoldsbach aus.

Der Wölflkofener Graben wurde aufgestaut, dasausgetretene Gefahrgut in Sammelbecken umgepumpt. Dies geschah alles ohne Atemschutz - augenscheinlich war sich niemand der Gefahr des ausgetretenen Stoffes bewusst. Gegen 20.30 Uhr klagten die ersten Feuerwehrkräfte über Übelkeit und brennenden Augen, sodass der zuständige Kreisbrandmeister Gefahrgut an die Einsatzstelle beordert wurde und von seitens des Rettungsdiensteseine Dekontaminationsstraße im Feuerwehrhaus in Ergoldsbach errichtet wurde.

Die Feuerwehren aus Hohenthann und Neufahrn in Niederbayern wurden nachalarmiert und übernahmen unter Atemschutz die Reingung der Einsatzstelle. Mittels Saugwagen wurde das Reinigungswasser aufgenommen und entsorgt.

Im Feuerwehrgerätehaus in Ergoldsbach mussten zunächst die Schuhe dekontaminiert werden, bevor es nach einer Sichtung zum Duschen und ärtzlichem Check ging. Laut Auskunft des Leitenden Notarztes, Jürgen Königer, wurden 6 Personen in die Augenklinik nach Regensburg eingeliefert, 2 Personen kamen in Krankenhäuser nach Landshut. Insgesamt wurden rund 30-35 Feuerwehrdienstleistende durchgecheckt welche mit den giftigen Dämpfen in Berührung kamen. Vor Ort waren rund ein dutzend Rettungswägen, zahlreiche Krankentransportwägen und Notärzte aus den Landkreisen Landshut, Dingolfing, Straubing-Bogen, Regensburg, Freising und Kelheim.

Die Aufarbeitung des Schadenshergangs hat die Polizeiinspektion Rottenburg übernommen.

Acht Feuerwehrler nach Unfall an der B15 verletzt

fib/DG

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