"Es werden noch mehr Wölfe kommen"

Wolf im Anmarsch: Im Bereich Thiersee wurde er erstmals fotografiert (unser Bild), jetzt wurde er südlich der Autobahn bei Bad Feilnbach zweimal gesehen.

Oberaudorf/Thiersee – Der Wolf sorgt immer noch für viel Wirbel. Und jetzt meldet sich auch noch Professor Albert Göttle vom Landesamtes für Umwelt zu Wort und meint: "Es werden noch mehr Tiere kommen".

Herr Professor Göttle, nun gibt es tatsächlich ein Bild vom ersten bayerischen Wolf. Göttle: Das auf dem Bild ist vielleicht ein Wolf. Einiges spricht dafür, dass es sich um das Tier handelt, das sich in Bayern bewegt.

Haben Sie sich nun schon einen Namen für das Tier überlegt?

Nein – und das werden wir auch nicht tun. Dieser Wolf ist ein Wildtier.

Wie schätzen Sie die Gefahr für die Bevölkerung ein?

In Bayern gibt es keinen dokumentierten Fall, bei dem ein Mensch durch einen Wolf getötet wurde. Auch vor 250 Jahren nicht. Jedenfalls ist mir keiner bekannt. Das Tier ist von Natur aus sehr scheu.

Ist es denkbar, dass sich bald ein Rudel bildet?

Es kann auch sein, dass der Wolf noch länger als Einzelgänger unterwegs ist. So einen Fall gibt es beispielsweise in Hessen seit fünf Jahren.

Der Wolf reißt Schafe, die Bauern schimpfen. Wie hoch ist eigentlich der Schaden durch das Tier für die Almbauern bisher?

Bei sieben Ereignissen wurden bisher etwa 2500 Euro bezahlt – und zwar für 19 gerissene und verletzte Schafe. Dazu kommt, dass der Wolf noch neunmal Rotwild gerissen hat.

Manchmal stellte sich bei toten Schafen aber auch heraus, dass eben nicht der Wolf zugeschlagen hatte.

Das stimmt. Wir dürfen daher nicht anfangen, dem Wolf ganz generell alle Taten zuzuschieben. Bei einem Fall im Loisachgebiet stellte sich später heraus, dass zwei Füchse mehrere Lämmer gerissen hatten und nicht der Wolf. Auch hat der Wolf noch keine Rinder getötet, wie es manchmal heißt.

Verstehen Sie die Angst der Landwirte vor dem Wolf?

Wir werden den Winter nutzen, um Lösungsmöglichkeiten zu entwickeln. Die hierfür vor allem zuständige Landesanstalt für Landwirtschaft hat mit den Betroffenen ein Beweidungskonzept entwickelt, das mit dem Auftrieb der Tiere im nächsten Jahr schrittweise umgesetzt werden soll. Eine Möglichkeit ist zum Beispiel, dass ein Hirte die Schafe nachts einpfercht. Dabei helfen Hütehunde, die Herden zusammenzutreiben.

Ist mit weiteren Zuzügen von Wölfen bei uns im Freistaat zu rechnen?

Bayern ist Wolferwartungsland, wie wir das nennen. Das heißt einfach nur, dass davon auszugehen ist, dass in den nächsten Jahren noch mehr Tiere kommen können, um hier zu jagen und sich anzusiedeln. Aus Österreich, aus Tschechien, aus Italien und so weiter. All diese Länder haben schon viel mehr Tiere als wir.

ls/age/Mühldorfer-Anzeiger

Zurück zur Übersicht: Bayern

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Live: Top-Artikel unserer Leser