"Man stelle sich den schlimmsten Porno mit Kindern vor"

Opfer trugen Windeln: Kinderschänder aus Bayern muss jahrelang ins Gefängnis

Pl‰doyers im Prozess wegen Kindesmissbrauch
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Ein wegen Missbrauchs von Kindern angeklagter Logopäde (M) sitzt zum Prozessbeginn im Sitzungssaal im Landgericht zwischen seinen Verteidigern. Der 38-Jährige soll sich in 66 Fällen schwer an zumeist körperlich oder geistig behinderten Kindern vergangen haben. Die mutmaßlichen Opfer sollen bei den Übergriffen zwischen zwei und sechs Jahre alt gewesen sein

Würzburg - Der Fall gilt als einer der größten Missbrauchsprozesse in Bayern: Im März 2019 stürmte das SEK ein Haus in Würzburg. Ein damals 37 Jahre alter Logopäde war im sogenannten Darknet auf kinderpornografischen Seiten unterwegs. Im Laufe der Ermittlungen stellte sich heraus, dass der Tatverdächtige über mehrere Jahre hinweg behinderte Jungen missbrauchte. Am Montags, 25. Mai, fiel am Würzburger Landgericht das Urteil. 

Update, 16 Uhr - Fast elfeinhalb Jahre Haft

Wegen des schweren sexuellen Missbrauchs von behinderten Jungen hat das Landgericht Würzburg am Montag den Angeklagten zu elf Jahren und vier Monaten Haft verurteilt. Zudem verhängte das Gericht ein lebenslanges Berufsverbot. Der Fall zählt zu den schlimmsten bekannten Missbrauchsdelikten in Bayern.

Die Staatsanwaltschaft hatte zuvor für den 38-Jährigen 13 Jahre und 9 Monate Freiheitsstrafe verlangt.

Erstmeldung:

Staatsanwaltschaft und Nebenkläger wollen den Deutschen für 13 Jahre und 9 Monate im Gefängnis sehen. Zudem sollte der 38-Jährige ein Berufsverbot erhalten, hatte Staatsanwältin Manuela Teubel von der Generalstaatsanwaltschaft Bamberg in ihrem Plädoyer gesagt. Einige Nebenklagevertreter verlangten darüber hinaus Sicherungsverwahrung für den Logopäden. 

Die Anklage wirft ihm vor, sich in über 60 Fällen des schweren sexuellen Missbrauchs von Kindern strafbar gemacht zu haben. Außerdem soll er Kinderpornografie angefertigt haben. Der Angeklagte soll von 2008 an bis zu seiner Festnahme im März 2019 sieben Jungen in seinen Praxen und bei Therapiestunden in zwei Kindergärten sexuell missbraucht haben, in 66 Fällen davon schwer. Der Angeklagte lebte laut Medienberichten in einer eingetragenen Lebenspartnerschaft mit dem Leiter einer der betroffenen Kindertagesstätten. Nach Darstellung der Ermittler fotografierte und filmte der Mann die Übergriffe und stellte sie in einschlägige Foren im Darknet.

„Man stelle sich den schlimmsten Porno vor, den man im Internet finden kann. Genau das hat er mit den Kindern gemacht und damit Geld verdient“, klagte Prof. Bo­ris Zimmermann (44, Vater eines mutmaßlichen Opfers) zu Prozessbeginn. Die betroffenen Kinder sind körperlich und/oder geistig behindert, können gar nicht oder nur wenig sprechen. Manche von ihnen waren laut Staatsanwaltschaft erst zwei Jahre alt, als sich der Angeklagte an ihnen vergriff. Viele trugen damals noch Windeln.

Beim nicht-öffentlichen Prozessauftakt - zum Schutz der mutmaßlichen Opfer und des Angeklagten - im März hatte der Logopäde seine Taten gestanden. "Er hat unter Tränen gesagt, dass er versteht, wie viel Vertrauen er missbraucht hat", sagte ein Gerichtssprecher. 

Der psychiatrische Gutachter des Verfahrens hält den pädophilen Angeklagten für therapierbar, aber nicht für vermindert schuldfähig.

Die Schlussworte und das Urteil werden aufgrund gesetzlicher Vorgaben ohne Öffentlichkeit gehalten.

dpa/mz

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