Täter war aus Sicht des Amtsgerichts Würzburg schuldunfähig

20-Jähriger fährt mit 2,9 Promille Frau (20) tot - Geldstrafe

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Würzburg - Ein damals 18-Jähriger fuhr nach einem Weinfest mit knapp drei Promille mit dem Auto und erfasste dabei eine 20-Jährige, die wenig später verstarb. Das Amtsgericht entschied nun, dass der Täter schuldunfähig war.

Ein 20-Jähriger wurde vom Amtsgericht Würzburg wegen "fahrlässigen Vollrauschs" und unterlassener Hilfeleistung zu einer Geldstrafe von 5.000 Euro verurteilt, obwohl er eine junge Frau (20) totgefahren hatte.

Würzburg: Im Auto befanden sich beim Unfall vier Personen

Der tödliche Unfall ereignete sich im April 2017. Der damals 18-Jährige fuhr nach einem Weinfest mit 2,9 Promille mit dem Auto, als er bei Untereisenheim im Landkreis Würzburg eine 20-jährige Fußgängerin erfasste. Die junge Frau, die mit ihrem Freund auf dem Heimweg war, wurde in ein Feld geschleudert und erlag wenige Tage später im Krankenhaus ihren schweren Verletzungen, wie der Bayerische Rundfunk berichtet.

Im Auto befanden sich zur Tatzeit neben dem Fahrer auch drei Beifahrer. Der Unfallverursacher flüchtete anschließend und keiner der vier Männer kam der jungen Frau zur Hilfe.

Amtsgericht Würzburg: Fahrer war zum Unfallzeitpunkt schuldunfähig

Die drei Beifahrer wurden wegen unterlassener Hilfeleistung zu Geldstrafen von 1.000 bis 2.000 Euro verurteilt. Die Staatsanwaltschaft forderte für den mittlerweile 20-Jährigen Täter zweieinhalb Jahre Jugendhaft wegen fahrlässiger Tötung, wie weiter berichtet wird Der junge Mann wurde vom Gericht dagegen nach Jugendstrafrecht zu 5.000 Euro Geldstrafe verurteilt, weil er zum Unfallzeitpunkt stark alkoholisiert und deshalb schuldunfähig war. Der Angeklagte sagte vor Gericht aus, dass er sich an den Unfall nicht mehr erinnern könne.

Fast drei Jahre ist es her, dass bei einem Unfall in der Miesbacher Straße zwei junge Frauen getötet wurden. Drei Männer mussten sich vor Gericht verantworten, alle drei wurden verurteilt. Zwei von ihnen gingen in Berufung, der Prozess läuft derzeit.

Fachanwalt kritisiert das Urteil am Amtsgericht Würzburg

„Die Ausführungen des Gerichts sind nur schwer nachzuvollziehen", sagt Arnd Kempgens, Fachanwalt für Verkehrsrecht gegenüber Bild. „Das wird angenommen, wenn der Täter bei der Wahnsinnsfahrt so betrunken war, dass er quasi gar nicht mehr wusste, was er tat. Ob das bei jemandem der Fall ist, der in der Lage ist, ein Auto zu fahren, halte ich trotz der hohen Alkoholisierung für umstritten.“

Während die Staatsanwältin in Berufung gehen will, nahmen die Angeklagten das Urteil an.

ma

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa (Symbolbild)

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