Wunschtraum: Eisprinzessin

Rosenheim - Auf dem Programm standen am Samstag auf der Eisfläche auf dem Max-Josefs-Platz Trainingsstunden mit der deutschen Eiskunstlaufmeisterin Eva-Maria Fitze.

Die unterstützte die kleinen Eisläufer fachmännisch bei ihren ersten Versuchen, sich auf den Kufen zu halten. Stürze waren aber trotzdem unvermeidbar.

Die dreijährige Anna wirkte wie ein kleines Vögelchen, das gerade flügge wird. Mit ausgestreckten Armen und weit nach vorne geneigtem Kopf und Oberkörper „tapste“ sie zuerst einmal ganz vorsichtig über die rutschige Oberfläche. Alles Rudern mit den Armen half nichts. Der erste Versuch endete bereits nach wenigen Augenblicken mit einem Plumps auf den Popo. Den anderen Drei- bis Fünfjährigen erging es da nicht viel besser. In der Anfangszeit gestaltete sich ihr Auftritt auf der Eisfläche eher in sitzender Position.

Eva-Maria Fitze in Aktion auf dem Eis

Eva-Maria Fitze hatte im wahrsten Sinne des Wortes alle Hände voll zu tun. Teilweise wurden ihre Beine gleich von drei Schülern fest umklammert. Doch die deutsche Eiskunstlaufmeisterin ließ sich nicht aus der Ruhe bringen. Fröhlich und mit viel Einfühlungsvermögen machte sie den Buben und Mädchen immer wieder Mut. Nach und nach gewöhnten sich die Fahranfänger an das rutschige Element unter ihren Füßen. Am Schluss des einstündigen Schnupperkurses konnten sich alle schon selbst auf den Kufen halten.

Der Stolz war den kleinen Eisläufern anzusehen. Was eine Eisläuferin eigentlich so macht, das konnten sich die Vorschulkinder noch nicht so recht vorstellen. Nur der vierjährige Laurin durfte schon manchmal im Fernsehen zuschauen, wenn eine Eislauf-Meisterschaft gesendet wurde. „Ihm gefallen die Eistänzer sehr gut“, erzählte seine Mutter. Auch die 13-jährige Tabea schaut sich gerne die Eistänzerinnen im Fernsehen an. In ihrem Alter kann die junge Dame im Gegensatz zu Laurin auch schon ganz gut erklären, warum das so ist.

„Die sehen so elegant aus. Wie richtige Prinzessinnen.“ Tabeas heimlicher Wunsch ist es darum, auch einmal eine berühmte Eistänzerin zu werden. Eifrig trainiert sie dafür, so oft wie sie nur kann. In einem Verein eintreten will sie aber nicht. „So viel Zeit habe ich leider nicht. Sonst würden meine schulischen Leistungen leiden“, meinte Tabea ganz realistisch am vergangenen Samstag, als sie zusammen mit Eva-Maria Fitze Pirouetten übte. Der Traum von der „Eisprinzessin“ – für Eva-Maria Fitze hat er sich tatsächlich erfüllt. Aber von einem „Traum“ spricht sie heute nicht mehr.

„Die Realität sieht leider ganz anders aus“, erzählt die 28-jährige Eiskunstläuferin, die drei deutsche Meistertitel vorweisen kann. Der Einstieg in den Leistungssport begann für sie im Alter von sieben Jahren. Heute kann sie sich gar nicht mehr klar erklären, warum sie diesen Schritt überhaupt gegangen ist. „Ich weiß nicht, wie ein Kind da denkt. Ich wollte einfach so berühmt sein, wie die Eiskunstläufer, die ich im Fernsehen sah“, erzählt die Münchnerin. Doch der Alltag einer Eiskunstläuferin sei unwahrscheinlich hart.

„Ich habe beinahe meine Gesundheit ruiniert und eigentlich mein ganzes Leben dafür geopfert“ so Eva-Maria Fitze. Gerade in dieser sportlichen Disziplin werde mit „sehr harten Bandagen“ gekämpft. „Zickenkriege“ seien bei den Damen an der Tagesordnung. Mit spätestens 35 Jahren ende die Wettkampfkarriere und danach würden Eiskunstläufer plötzlich vor dem Nichts stehen: „Viele haben keine Ausbildung und keinen Schulabschluss. So wird man schnell von der Prinzessin zur Hartz-V-Empfängerin“. Sie selbst habe sich deshalb schon früh aus dem Profisport zurückgezogen. Heute arbeitet Eva-Maria Fitze, die als eine der wenigen Profisportlerinnen ganz offen über ihre Essstörung gesprochen hatte, unter anderem als Ernährungsberaterin und Sport- und Fitnesskauffrau.

Vom Eis hat sie sich aber nie ganz verabschiedet. Sie arbeitet als Trainerin und bietet nun auch beim „Rosenheimer Eiszauber“ bis 9. Januar Schnupperkurse an. Jeden Mittwoch trainiert sie von 15 bis 15.45 Uhr mit den Drei- bis Fünfjährigen und von 16 bis 17 Uhr mit den Sechs- bis Zehnjährigen. Auch jeden Samstag finden mit ihr zusammen Trainingsstunden statt: Für die Dreibis Fünfjährigen von 10.30 bis 11.15 und für die Sechsbis Zehnjährigen von 11.30 bis 12.30 Uhr. Eines ist Eva-Maria Fitze dabei ganz wichtig. „Ich will den Kindern zeigen, dass Eislaufen Spaß macht“, sagt sie und rät allen, die auch den Traum haben, Eisprinzessin zu werden: „Macht solange weiter, wie es Euch wirklich Spaß macht. Danach hört auf, bevor es zu spät ist.“

Oberbayerisches Volksblatt

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