Ziel: Alpenraum ohne Wolf

+
Von Garmisch-Partenkirchen bis Berchtesgaden reicht das Gebiet des Almwirtschaftlichen Vereins Oberbayern. 30 Gemeinden (grün) haben den Antrag auf wolfsfreies Gebiet unterstützt, nur Waakirchen (rot) abglehnt. Zahlreiche Gemeinden im Landkreis Rosenheim solidarisieren sich mit den Almbauern.

Bad Feilnbach - Wolf und Almwirtschaft - das passt nicht zusammen. Diese Meinung vertritt der Almwirtschaftliche Verein Oberbayern (AVO). Er erhält dabei Schützenhilfe von zahlreichen Gemeinden.

Karte in größerer Auflösung

30 Kommunen - von Garmisch-Partenkirchen bis Berchtesgaden - unterstützen den Antrag des Vereins zur Ausweisung eines "wolfsfreien Gebietes" in den bayerischen Alpen. Durch den Wolf werden massive Folgen für die Weidewirtschaft und damit für die gesamte Berglandschaft befürchtet. Auch wird eine unverzügliche "Entnahme" des Wolfes im Wendelsteingebirge gefordert.

Die Rückkehr des Wolfes in den deutschen Alpenraum bringe gravierende Konsequenzen für die Weidewirtschaft mit sich, einhergehend mit einer Verdrängung der Almwirtschaft. "Denn durchführbare Maßnahmen zum Herdenschutz sind unter den gegebenen Bedingungen nicht möglich", erklärte Vorstandsmitglied Stefan Kloo gegenüber unserer Zeitung.

Bilder: Leben im Wolfsrudel

Leben im Wolfsrudel

Deshalb ist es für den AVO unumgänglich, dass die Regierung den bayerischen Alpenraum als wolfsfreies Gebiet ausweist. Dass dies möglich ist, würden Beispiele von so genannten No-Go-Areas (wolfsfrei Gebiete) in Spanien, Finnland und Schweden beweisen. Gleichzeitig soll der Wolf gemäß §45 des Bundnaturschutzgesetzes aus dem Mangfallgebirge unverzüglich entnommen werden.

Lesen Sie auch:

Der AVO betreut 710 Almen zwischen Berchtesgaden und Garmisch und freut sich über die breite Unterstützung der Kommunen. Lediglich die Gemeinde Waakirchen (nahe dem Tegernsee) habe bis dato eine Unterstützung verweigert. Dort hätten die Ratsmitglieder die Thematik zwar kontrovers diskutiert, aber mit einem Abstimmungsergebnis von 9:9 gelte der Antrag als abgelehnt. Vom Werdenfelser Land übers Oberland, Mangfalltal, Inntal und Chiemgau bis ins Berchtesgadener Land reicht die Solidarität der Kommunen mit den Almbauern und für den Erhalt der Bergstruktur.

Irschenbergs Gemeinderat kann auf den vierbeinigen Gast im Bereich des Jenbachtales verzichten. Man ist der Auffassung, dass "die Region aufgrund der dichten Besiedlung sowie der starken landwirtschaftlichen und touristischen Nutzung keinen geeigneten Lebensraum für den Wolf darstellt", so Bürgermeister Hans Schönauer. Eine Umsiedlung in ein artgerechtes Revier durch die zuständigen Behörden werde als angebracht erachtet.

Ähnlich sahen es auch die anderen Gemeinderäte. Fischbachaus Bürgermeister Josef Lechner zufolge wurde dort eine Grundsatzentscheidung getroffen. "Einen Lebensraum für das Raubtier in unserer Gegend sehen wir nicht", erklärte Lechner, der selbst auf einer Alm aufgewachsen ist. Mit deutlicher Mehrheit sprach sich auch Bad Feilnbach für eine Unterstützung des Almwirtschaftlichen Vereins aus. "Dabei ist entscheidend, dass der Wolf geschützt ist, und nur in Ausnahmefällen entnommen werden kann", so Bürgermeister Hans Hofer.

"Für eine rein politische Frage hält Helmut Limbrunner, Bürgermeister von Bayrischzell, die Thematik um den Wolf. "Hier muss für die Almbauern Stellung bezogen werden", betonte er. Auf Landkreisebenen müsse an einem Strang gezogen und Daten gesammelt werden. Eine Ausweisung des wolfsfreien Gebietes müsse großflächig und in Kooperation mit Österreich erfolgen.

Flintsbachs Bürgermeister Wolfgang Berthaler versteht die Sorgen der Almbauern: "Hier geht es um deren Existenzen." Er befürchtet aber, dass die Erfolgsaussichten für ein wolfsfreies Gebiet eher gering sind.

Meldungen auf rosenheim24.de:

Per Resolution will sich hier der AVO beim bayerischen Umweltministerium Gehör verschaffen. Dort gehen seit einigen Wochen gebündelt Anträge von den zahlreichen Gemeinden aus dem Alpenraum ein, die alle die Ziele des Vereins unterstützen. Bereits im Januar hat der Almwirtschaftliche Verein an den bayerischen Umweltminister Dr. Markus Söder von 28 Schafhaltervereinigungen, 45 Jagdgenossenschaften, 38 Ortsverbänden des Bauernverbandes (BBV) und 23 landwirtschaftlichen sowie 39 weiteren Vereinen Petitionen gegen den Wolf im Alpenraum übergeben.

"Geschehen ist seither nichts, aber und die Zeit drängt. Denn im Mai werden die Tiere normalerweise auf die Alm getrieben", erläuterte Kloo. Er weiß von Bedenken mancher Almbauern, die wegen des Wolfes ihre Tiere nicht auf die Almen treiben wollen. "Schließlich sind im vergangenen Jahr 40 Schafe im bayerischen Raum gerissen worden."

Der AVO hat überdies seine Almbauern aufgerufen, Herdenschutz beim Landesamt für Umwelt in Augsburg zu beantragen. "Die Verantwortlichen müssen sehen, dass wir hier nicht von fünf bis zehn Herden sprechen, sondern von einer Vielzahl", so Kloo. Diese alle mit Hütehunden oder Schutzzäunen vor dem Wolf zu bewahren, sei "weder realistisch noch finanziell umsetzbar." Denn sonst müssten die Almen, die jetzt auch gerne von den Urlaubern zum Wandern genutzt werden, vollständig abgeriegelt werden.

Zudem sei nicht davon auszugehen, dass die Hütehunde den Unterschied zwischen Artgenossen und Wölfen kennen würden oder ungefährlich gegenüber Fremden sind. "Überhaupt muss bei einem Hütehund der Almbauer täglich zu seiner Herde, um den Hund zu füttern, anstatt nur in regelmäßigen Abständen nach den Schafen oder Rindern zu sehen", so Kloo. Die Anstellung eines Almhirten, wie schon diesbezüglich angedacht, würde sich bei den in der Region typischen Kleinherden nicht lohnen.

Das Landesamt für Umwelt in Augsburg beantwortet deren Pressesprecherin zufolge die Anträge der Almbauern in den nächsten Tagen. Ihr zufolge arbeite man im Hinblick auf die bevorstehende Almsaison auf Hochtouren an Lösungsmöglichkeiten.

Wo der Wolf sich momentan aufhält, ist nach Angaben des Vereins unbekannt. Da ohne Schnee dessen Spuren nur schwer zu erkennen seien und Rotwildrisse - je nach Gebiet - nur schwer entdeckt würden, gibt es aktuell kaum Anzeichen für das Raubtier. "Dass er weitergezogen ist, ist aber eher unwahrscheinlich", so Kloo.

Ausnahmen im Gesetz

Gemäß dem Artenschutz ist der Wolf in Europa durch vier Richtlinien geschützt. Zum einen durch das Washingtoner Artenschutzabkommen und zum anderen durch die Berner Konvention. In letzterer haben sich 45 Staaten auf die Erhaltung und den Schutz wild lebender Tiere und Pflanzen sowie deren Lebensräume geeinigt.

Außerdem wird der Wolf durch die FFH-Richtlinien (Flora-Fauna-Habitat) und das Bundesnaturschutzgesetz besonders geschont.

Ausnahmen sind aber in besonderen Fällen laut §45 möglich. Unter anderem dann, wenn es sich um einen "Problemwolf" handelt oder durch eine Entnahme des Tieres aus dem betroffenen Gebiet erheblicher land-, forst-, fischerei-, wasser- oder sonstiger erheblicher wirtschaftlicher Schäden abgewendet werden kann. Weiterer Grund für eine Entnahme wäre, wenn die natürlich vorkommende Tier- und Pflanzenwelt dadurch geschützt wird.

Silvia Mischi (Oberbayerisches Volksblatt)

Zurück zur Übersicht: Bayern

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Live: Top-Artikel unserer Leser