Zwei Haken als Lebensretter

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So kann sich ein Verunglückter retten: Walter Huber demonstriert die "Eiskralle" am Chiemsee. Ludwig Höllenreiner (kleines Bild) trägt den "Eisretter" um den Hals.

Babensham/Fraueninsel (OVB) - Auf den Seen und Weihern im Landkreis eroberten in den vergangenen zwei Wochen Schlittschuhfahrer, Hockeyspieler, Stockschützen und Eiswanderer die geschlossenen Eisdecken.

Doch mit den wieder ansteigenden Temperaturen steigt das Risiko, einzubrechen. Leben retten kann ein einfach zu handhabendes Sicherheitsset, das um den Hals getragen wird.

Der Tod des Raublingers, der letztes Jahr beim Schlittschuhlaufen auf dem Simssee einbrach und ertrank, hat auch Kirsten und Ludwig Höllenreiner schwer getroffen: Das Opfer war ein langjähriger Kunde und guter Bekannter des Unternehmerpaares. Als Skandinavienfans wussten die Babenshamer, dass sich dort kein Wintersportler ohne Selbstrettungsausrüstung auf die vereisten Fjorde wagt. Rettungsleine, Luftsack, Wechselkleidung: All dies muss in Bayern, wo vor allem kleine Weiher und Seen zufrieren, nicht zur Standardausrüstung eines Schlittschuhläufers oder Eisstockschützen gehören. Doch mit einem kleinen, nur 88 Gramm schweren "Eisretter", der um den Hals getragen wird, können sich Eingebrochene selbst auf das Eis ziehen, sind die Babenshamer überzeugt. Sie haben das Hilfsmittel in das Repertoire ihres Sportgerätevertriebes aufgenommen.

Wie gut es funktioniert, hat Walter Huber von der Fraueninsel am eigenen Leib erfahren. Der Eissegler zieht in der Regel bei Sonnenaufgang allein auf noch jungfräulichem Spiegeleis seine Runden. Schon fünfmal ist er dabei eingebrochen - und hat sich mit den um den Hals getragenen Krallen auf sicheres Eis gezogen. Auf dem Neusiedler See retteten sie im vergangenen Jahr auch das Leben seiner Frau. Seit vielen Jahren verkauft der Insulaner das Hilfsmittel in seinem Geschäft für Eisrettungsbedarf.

Freddy Eisner, stellvertretender Vorsitzender der Kreiswasserwacht Rosenheim, spricht ebenfalls "von einer sinnvollen Ausrüstung". Schließlich entscheide die Frage, ob es gelinge, sich nach einem Einbruch schnell wieder auf stabiles Eis zu ziehen, über das Schicksal des Verunglückten. Ihm drohe ansonsten eine Unterkühlung und damit die Gefahr, das Bewusstsein zu verlieren.

Trägt ein Verunglückter den "Eisretter" oder die "Eiskralle" um den Hals, kann er sich mit den schnell herausgezogenen Haken jeweils links und rechts im Eis verankern und daran robbend herausziehen oder so lange festhalten, bis Hilfe naht. Mit einer Trillerpfeife kann der Verunglückte außerdem auf sich aufmerksam machen.

"Der Eisretter ist einfach zu handhaben - auch im ersten Schock, weil nichts falsch gemacht werden kann", berichtet Kirsten Höllenreiner. Nur einen wichtigen Ratschlag müssen die Betroffenen beachten: "Der Verunglückte muss sich nach dem Eisbruch im Wasser umdrehen und an der Stelle einhaken, wo er einbrach. Schließlich ist dort das Eis am dicksten, sonst hätte es ihn nicht so weit getragen."

Bei der Ausbildung der bayerischen Wasserwacht, von Rettungsdiensten wie Feuerwehr und Polizei, wird das Gerät nach Informationen von Huber zunehmend bekannt gemacht. Doch das Ehepaar Höllenreiner sieht noch viel Aufklärungsbedarf: Denn die kostengünstige Möglichkeit ("Eisretter" und "Eiskrallen" sind für zehn bis gut 20 Euro erhältlich), sich vor den tödlichen Folgen eines Eisunfalls zu schützen, sei beim Gelegenheitssportler noch nicht ausreichend bekannt. "Eigentlich müsste das Rettungskit in jedem Sportgeschäft beim Schlittschuhkauf gleich mit angeboten werden", finden Kirsten und Ludwig Höllenreiner.

Informationen gibt es bei den beiden Anbietern in der Region, dem Ehepaar Höllenreiner (www.eisretter.com) sowie bei Walter Huber (www.eiskrallen.de).

Heike Duczek/Oberbayerisches Volksblatt

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