„Go Trabi Go reloaded“ – Zwei Chiemgauer auf dem Weg durch den Osten: Epilog

2.106 Kilometer, neun Städte, drei Länder - Die Trabi-Reise in den Osten im Rückspiegel

Epilog zur Reise durch den Osten
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Epilog zur Reise mit dem Trabi durch den Osten.

2.106 Kilometer, neun Städte, drei Länder, zwei Liter Addinol, zwei ausgelöste Radarfallen, eine versuchte räuberische Erpressung, unzählige Fluchereien und gekostete Nerven: Das ist die Bilanz von zweieinhalb Wochen Trabitour.

Und dabei war es im Vorfeld gar nicht sicher, ob sie stattfinden kann: Kommen die Ersatzteile zur rechten Zeit? Kommt das Auto durch den TÜV? Verhindert ein zweiter Lockdown unser Ausrücken? Schlaflose Nächte lagen vor Reiseantritt. Und dennoch dachte ich mir: Wenn nicht jetzt, wann dann? Vor zwei Jahren war ich das letzte Mal auf großer Fahrt, damals durch das landschaftlich wunderschöne Slowenien. Allerdings auch mit einem leistungsstärkeren Auto. Außerdem gab es einen weiteren Grund, warum ich mich ausgerechnet in diesem Jahr auf den Weg machen wollte: Unser wiedervereintes Deutschland feiert heuer 30. Geburtstag. Damit ist die Bundesrepublik in seiner heutigen Form um fünf Jahre älter als ich selbst.

Ich wollte mich auf die Suche begeben, wo Deutschland zusammengewachsen ist und wo es noch Nachholbedarf gibt. Oder wo der europäische Geist wirkt. In schierer Neugier ab ins Ungewisse! Doch aus Ungewissheit wurde mit der Zeit immer mehr Freude, Zuversicht und Sicherheit. Und ebengleich wurde es immer kontrastreicher: Der Trubel der Großstädte. Die Einsamkeit des Hinterlands.

Die Akteure auf dem Roadtrip

Simon Schmalzgruber ist gebürtiger Chiemgauer und schreibt wöchentlich unsere Wander-Tipps. Zusammen mit seinem Kumpel Tobi fährt er im Trabi Schorsch zunächst nach Berlin und macht sich dann auf den Weg nach Dresden Prag und Wien. Uns nimmt er mit auf seinen Roadtrip der besonderen Art.

Die Trostlosigkeit Sachsens. Das Auf und Ab in den Mittelgebirgen. Die gut ausgebauten Schnellstraßen. Und die Buckelpisten in Sachsen und Tschechien. Schorsch, Tobi und ich hatten zu kämpfen, doch letztlich haben wir alles unbeschadet überstanden. Das war keine Selbstverständlichkeit, erforderten einerseits die ramponierten Straßen eine umsichtige Fahrweise, andererseits waren wir nach der ersten und zu Beginn der zweiten Corona-Welle einem gewissen Infektionsrisiko ausgesetzt. Das Timing schien genau richtig, denn am 10. September wurde auch Prag zum Risikogebiet erklärt. Wäre ziemlich blöd gewesen, hätte ich erst einmal in Quarantäne gemusst und damit die ersten Schultage verpasst!

Auch der Begriff „Freiheit“ war ein zentraler für den Trip: Die Freiheit, überall hin zu kommen, Grenzen zu überschreiten, ohne stets Dokumente parat zu haben und alle Nase lang gefilzt zu werden. Die Freiheit, sich seinen Weg selbst zu suchen und an Orten zu verweilen, ohne dass der Reiseleiter mit der Uhr daneben steht und uns zur nächsten Sehenswürdigkeit scheucht. Und Meinungs- und Redefreiheit. So hatte ich sehr viele interessante Begegnungen und Gespräche: Mit Weltenbummlern, Obdachlosen, Durchgeknallten, Corona-Rebellen, offenen und liberalen Berlinern, vorlauten, teils frechen Sachsen, herzlichen, trinkfreudigen und freiheitsliebenden Tschechen (Auch wenn sie den Begriff „Freiheit“ manchmal etwas überinterpretieren), lieben Österreichern und noch vielen mehr. Und auch gustatorisch war es ein Gewinn: Leckere Halloumi-Döner, knusprige Pizza, nahrhaftes Curry, kühles, süffiges und billiges tschechisches Bier sind nur ein kleiner Auszug von dem, was unsere Speiseröhren zu jeder Uhrzeit hinunterging. Dazu der Wechsel zwischen komfortablen Appartements, der Pension Sachsenruh irgendwo im Nirgendwo und belebten Hostels. Auch wenn ich froh bin, diese Reise gemacht zu haben, so bin ich auch froh, wieder zurück im vergleichsweise ruhigen und beschaulichen Traunreut zu sein!

Alle bisherigen Reiseberichte findet Ihr hier:

Tag eins: Erster Stopp Regensburg - Im Sog der Stadtgeländewagen

Tag zwei: Ein Vegetarier in der Metzgerei / Das Abenteuer geht los

Tag drei: Ostdeutschland!

Tag vier und fünf: Berlin, Berlin, wir fahren nach Berlin!

Tag sechs: Unterwegs im Berliner Nachtleben: Der MBTI-Archipel

Tag sieben: Kreuzberg Nights

Tag acht: Fünf Heteros in der Schwulenbar

Tag neun: Den Blaulichtern nach!

Tag zehn: Im Rausch der Raver

Tage elf und zwölf: Zum Ausdruck bringt, was Eindruck schafft

Tag dreizehn: Es gibt immer ein erstes Mal!

Tag vierzehn: Andere Länder, andere Sitten!

Tag fünfzehn: Die Magie der „goldenen Stadt“

Tag sechzehn: Die Nacht zum Tag gemacht

Tag siebzehn: Geronimo!

Tag achtzehn: Děkuji, Česká republika!

Tag neunzehn und zwanzig: Tage neunzehn und zwanzig: Hello Wien, Goodbye Wien!

Abschließend möchte ich mich noch an euch wenden: Majd und Andi, Nawal, Eva und Verena, Tobi und Miriam, Eva, Clara, Sabrina und Malina, Anderl, Nora, Michi und Anna-Lena, Vincent, Hugo, Linda und Laura, Jana, Jill, Clara, Lea und Marti, Andi, Pauli und Vinz. Ohne euch wäre dieser Trip nicht mal halb so lustig geworden! Danke, dass ihr Teil unseres Abenteuers wart! Und ein besonderer, letzter Dank gilt natürlich an meinen Kompagnon, Navigator und Adjutanten Tobi. Was haben mich deine Polt-Imitationen zum Lachen gebracht, was hat mich dein „Buffalo“ aufgeregt, was hatten wir für zweieinhalb hammergeile Wochen miteinander? Dir wünsche ich alles Gute in deinen neuen Studienfächern und wer weiß, vielleicht bist du ja nächstes Jahr wieder mit am Start?

Für mich geht es für's Erste in die Erzieher-Ausbildung. Auch hier bin ich gespannt, was mich erwarten wird.

Und was das nächste Jahr betrifft, vielleicht gibt’s ja wieder eine Trabitour? Man munkelt, es könnte in Richtung Holland oder in die Hohe Tatra gehen...

Bis dahin euch eine schöne Zeit, bleibt's gesund!

Eure Abenteurer Simon und Tobi

Musiktipp des Tages: KALEO - Automobile

Ach ja, und wer unsere Reise stimmungstechnisch nachhören will, die Playlist „Go Trabi Go Reloaded“ ist ab sofort auf Spotify online!

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