Debatte zwischen Kultusministerium und angehenden Lehrern

Student Bastian hat keine Lust auf Staatsexamen light: "Seid ihr nicht belastbar?"

Die Gruppierung "dontforgetyourfutureteachers" hat sich mit einem geharnischten öffentlichen Brief an das Ministerium für Unterricht und Kultus gewandt. Kultusminister Michael Piazolo reagierte mit einem Lösungsvorschlag. Doch ist die Aufregung wirklich gerechtfertigt? Angehender Lehrer Bastian W. hat dazu eine klare Meinung. 

Mittlerweile über 1350 angehende Lehrer in Bayern haben in einem offenen Brief unter anderem die "mangelnde Transparenz" von Seiten des Ministeriums scharf kritisiert. 

Durch die momentane Pandemiesituation, argumentieren die angehenden Lehrer, sei keine angemessene Prüfungsvorbereitung möglich.Die Lösung bestünde darin, die Prüfungen zwar abzuhalten, den Prüflingen aber zumindest jene Note zu geben, die zum Bestehen des ersten Staatsexamens notwendig sei.

Kultusminister Michael Piazolo reagierte Anfang der Woche mit einem Lösungsvorschlag auf den Brief. Er geht zwar nicht auf die Forderung der Lehramtsstudierenden ein, schlägt aber vor, einen "Freiversuch" zu ermöglichen. Die Studierenden hätten dann die Möglichkeit, die abgelegten Prüfungen bei Scheitern einmal öfter zu wiederholen als eigentlich vorgesehen.

Keine Lust auf "Staatsexamen light"

Aufgrund der Berichterstattung von innsalzach24.de hat sich ein weiterer angehender Lehrer gemeldet und seine Sicht der Dinge geschildert. So sei es lange nicht der Wunsch aller Lehramtsstudierenden, "ein Staatsexamen light zu absolvieren".

Bastian W., der selbst Gymnasiallehramt studiert, hat "nach 11 Semestern Studienzeit sehr wohl das Gefühl, gut vorbereitet zu sein". 

"Ob die Prüfung nun im März oder im Mai stattfindet, macht keinen großen Unterschied", stellt Bastian fest. Natürlich hätten ihn die Umstände, das Warten und die mangelhafte Informationspolitik des Kultusministeriums genervt und ein wenig wütend gemacht, aber die Ansichten der Initiative „dontforgetyourfutureteachers“ könne er keinesfalls unterstützen. 

Angehende Lehrer nicht belastbar und nicht flexibel?

"Denn würden wir jetzt durchsetzen, dass jede/r das Examen besteht, so würde unser Examen zwar nicht auf dem Papier, aber in der Realität enorm an Wert verlieren – wir wären diejenigen, die ein 'Examen ohne Abschluss' haben. Darüber hinaus sehe ich kritisch, dass angehende Lehrkräfte mit einem solchen Wunsch quasi zugeben würden, dass sie nicht belastbar, nicht flexibel, und außerdem nicht gut vorbereitet sind", erklärt Bastian. 

Hatte jeder Student nicht eigentlich genug Zeit?

Die Nachricht, dass das Examen ausgesetzt wird, wurde etwa drei bis vier Wochen vor dem schriftlichen Prüfungszeitraum verkündet. "Was ich bis zu diesem Zeitpunkt in einem ohnehin langen Studium noch nicht gelernt habe, das hätte ich auch in dieser Zeit nicht mehr aufgeholt. Meiner Ansicht nach schieben sich die Studierenden der Initiative durch ihr Vorgehen selbst auf das Abstellgleis und geben eine für sie unvorteilhafte Schwäche zu, wenn sie jetzt die Umstände für ein möglicherweise schlechtes Examen verantwortlich machen."

Bastian fordert von seinen Kommilitonen Selbstbewusstsein ein. "Die Lernerei ist doch schon am Ende. Da kann man das Examen auch noch durchziehen und froh sein, dass es dann vorbei ist."

mz

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