„Go Trabi Go reloaded“ – Zwei Chiemgauer auf dem Weg durch den Osten

Tage elf und zwölf: Zum Ausdruck bringt, was Eindruck schafft

Die Berliner Mauer in bunten Farben
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Berliner Mauer

Berlin - 29. August: Es ist früher Abend, Sonne und Wolken wechseln sich ab. Unzählige Menschen säumen das Ufer der Spree. Immer wieder kitzelt der Duft nach Essen unsere Nasen. Doch wir wollen uns eigentlich erst einmal sportlich betätigen. Eineinhalb Wochen unterwegs sind nicht spurlos an uns vorbeigegangen. Negative Vibrations liegen in der Luft.

Die Akteure auf dem Roadtrip

Simon Schmalzgruber ist gebürtiger Chiemgauer und schreibt wöchentlich unsere Wander-Tipps. Zusammen mit seinem Kumpel Tobi fährt er im Trabi Schorsch zunächst nach Berlin und macht sich dann auf den Weg nach Dresden Prag und Wien. Uns nimmt er mit auf seinen Roadtrip der besonderen Art.

So ist es nicht verwunderlich, dass wir uns auf dem Weg in den Treptower Park gegenseitig kleine Vorwürfe an den Kopf werfen. Da ich (und sicherlich auch er) keine Lust haben, dass wir uns weiter hochschaukeln, marschiere ich erst einmal allein Richtung sowjetisches Ehrenmal weiter.

Als ich dort angelangt bin, bin ich erst einmal beeindruckt von den Ausmaßen dieses Monuments. Über eine Rampe geht es auf eine Anhöhe, die auf der anderen Seite über eine Treppe überwunden wird und es dann zwischen 200 und 300 Meter weiter zu einer Statue geht, um die sich momentan leider ein Gerüst windet. Aber was zu sehen ist, ist auffallend genug. Auf zwei mal acht Tafeln, einmal in russisch, einmal in Deutsch, wird der Zweite Weltkrieg aus sowjetischer Sicht geschildert.

.Zurück am Eingang sind Tobi, Michi und dessen Schwester Anna-Lena bereits fleißig am Beachen. Wir bleiben, bis es dunkel wird, dann verabschieden wir uns. Anna-Lena und Michi reisen morgen zurück in die Heimat. Nach gut fünf Monaten Praktikum in der Bundeshauptstadt möchte Michi zuerst noch ein bisschen mit seiner Nora im Chiemgau rumreisen, dann geht es für ihn zurück nach Aachen, wo er Medien und Kommunikation studiert.

Reisebericht mit Trabi: Bilder von Tag elf

Tag elf Trabi-Tour
Tag elf der Trabi-Tour © Simon Schmalzgruber
Tag elf Trabi-Tour
Tag elf der Trabi-Tour © Simon Schmalzgruber
Tag elf Trabi-Tour
Tag elf der Trabi-Tour © Simon Schmalzgruber
Tag elf Trabi-Tour
Tag elf der Trabi-Tour © Simon Schmalzgruber
Tag elf Trabi-Tour
Tag elf der Trabi-Tour © Simon Schmalzgruber
Tag elf Trabi-Tour
Tag elf der Trabi-Tour © Simon Schmalzgruber
Tag elf Trabi-Tour
Tag elf der Trabi-Tour © Simon Schmalzgruber
Tag elf Trabi-Tour
Tag elf der Trabi-Tour © Simon Schmalzgruber
Tag elf Trabi-Tour
Tag elf der Trabi-Tour © Simon Schmalzgruber
Tag elf Trabi-Tour
Tag elf der Trabi-Tour © Simon Schmalzgruber
Tag elf Trabi-Tour
Tag elf der Trabi-Tour © Simon Schmalzgruber

Der nächste Tag bricht an. Tobi geht’s gar nicht gut. Er kann kaum schlucken, hat Halsweh. Ich organisiere ihm Ingwer, um dem Schlamassel wenigstens ein bisschen entgegenzuwirken. Fürs Erste ist er auf jeden Fall mal außer Gefecht. Also beschließe ich, mich allein auf den Weg zu machen. Zuerst geht’s mit der S-Bahn nach Köpenick raus.

Was machen Sachen dort? Viel hat es ja nicht zu bieten, das Dorf in der Stadt. Und dennoch, eine Sache ist erwähnenswert: Das Stadion An der Alten Försterei, Spielstätte des FC Union Berlin. Da ich seit gut eineinhalb Jahren Fan des FC Austria Salzburg bin, kann ich es mir nicht nehmen lassen, dem Ostberliner Club, mit dem die Austrianer eine innige Fanfreundschaft unterhalten, einen Besuch abzustatten. Wenn ein halbes Dutzend Unioner bei einem Testspiel der Austria aufkreuzt, kann ich das bei ihnen auch! Auch wenn die Union in dem Moment ein Testspiel bei Ajax Amsterdam bestreitet (Endstand 2:2) und somit nicht viel zu sehen ist. Dennoch bin ich von Ehrfurcht gepackt, an diesem Stadion zu sein.

Ich fühle mich erinnert an die Bilder der letzten Bundesliga-Spieltage: Es war schon längst klar, dass Union die Klasse halten wird und dennoch versammelten sich dutzende Fans vor dem Stadion, um die Mannschaft von außen anzufeuern. Bedingungslose Liebe zum Verein, egal, wie es ihm gerade geht oder wo er steht, das haben die „Eisernen“ und die Austrianer gemeinsam.

Und vielleicht ist es auch gerade das, was diese Fanfreundschaft so besonders macht? Das Stadion fast umrundet, beschließe ich, wieder zurück in die Stadt zu fahren. Da Köpenick relativ weit draußen liegt, muss ich erst ein paar Stationen mit der Trambahn fahren, dann rein in die S-Bahn, umsteigen, wieder S-Bahn und nur eineinhalb Stunden später bin ich am Potsdamer Platz. Als ich aussteige, grüßen mich die drei Wolkenkratzer, die spitz auf den Platz zulaufen. Und einsetzender Regen.

Bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs war dies einer der verkehrsreichsten Plätze Europas (mit einer der ersten Ampeln Europas!), dann trafen sich hier der britische, der amerikanische und der sowjetische Sektor. Heißt: Ab 1961 verlief auch hier die Berliner Mauer und der Platz war dem Verfall preisgegeben. Nach dem Mauerfall wurde dieser zur größten Baustelle Europas und Stars wie mein Lieblingsarchitekt Renzo Piano oder Richard Rogers gaben ihm das Gesicht, das er heute hat.

Alle bisherigen Reiseberichte findet Ihr hier:

Tag eins: Erster Stopp Regensburg - Im Sog der Stadtgeländewagen

Tag zwei: Ein Vegetarier in der Metzgerei / Das Abenteuer geht los

Tag drei: Ostdeutschland!

Tage vier und fünf: Berlin, Berlin, wir fahren nach Berlin!

Tag sechs: Unterwegs im Berliner Nachtleben: Der MBTI-Archipel

Tag sieben: Kreuzberg Nights

Tag acht: Fünf Heteros in der Schwulenbar

Tag neun: Den Blaulichtern nach!

Tag zehn: Im Rausch der Raver

Ein Katzensprung später und ich bin bei der Dalí-Ausstellung gelandet. Genau, der mit den Uhren. Über 450 Exponate sind hier ausgestellt und jedes hat seinen eigenen Reiz. Ich tauche ein in die Welt des Exzentrikers, der sich auch nicht davor scheute, ein Gemälde mit dem Titel „Der große Masturbator“ an den spanischen Staat zu schenken. Mal bunt, mal schwarzweiß, dann realistischer und darauf wieder vollkommen abstrakt. Ich gewinne Dalí mit jedem Bild mehr lieb. Leider ist die Zeit schon fortgeschritten, sodass ich mit schnellerem Schritt durch die Ausstellung gehen muss. Dennoch überzeugt sie mich, sodass ich diese jedem kunstaffinen Berlinreisenden wärmstens empfehlen kann!

Vom Potsdamer Platz geht es erst wieder in die U-Bahn. Von dort zum Ostbahnhof, wo die letzte größere Unternehmung auf mich wartet: die East Side Gallery. 118 Künstler aus 21 Ländern haben sich hier auf 1316 Metern kurz nach dem Mauerfall verewigt. Heutzutage ist sie nicht mehr ganz so lang, da städtebauliche Maßnahmen immer wieder die Länge der Mauer verkürzten.

Dennoch ist die East Side Gallery, die zum letzten Mal 2009 saniert wurde, eindrucksvoll. Die Bilder erzählen von Zivilcourage, von Flucht, von Zeitenwende, von Liebe. Nicht nur ein Regenschauer erfässt mich, sondern ein weiterer Schauer von Ehrfurcht. War die Mauer früher das Symbol von Trennung, so ist sie heute das von globaler Vernetzung: Wurden Menschen früher gewaltsam daran gehindert, diese zu überwinden, so stehen heute Mauerteile in jeder größeren Stadt der Welt und mahnen zum Frieden.

Vor 75 Jahren gab es die letzte größere bewaffnete Auseinandersetzung auf deutschem Boden, die letztlich zur Teilung dieser schönen Stadt geführt hat. Ein derartiges Leid darf sich nicht wiederholen. Darum lasst uns auf die demokratischen Werte und Normen dieses Landes und dieser Gesellschaft besinnen, damit wir auch in Zukunft sagen können: Nie wieder!

Morgen geht es wieder aus Berlin raus. Darum beschließen wir, früh ins Bett zu gehen, um fit für unser nächstes Abenteuer zu sein..

Musiktipp des Tages: Ludwig van Beethoven - Mondscheinsonate

Simon Schmalzgruber

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