Hausärzte sollen ab Ostern impfen

Corona-Impfgipfel vom 19. März - Die Beschlüsse im Überblick

Die Kanzlerin und die Ministerpräsidenten der Länder haben sich zu einem „Impfgipfel“ zusammengeschaltet.
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Die Kanzlerin und die Ministerpräsidenten der Länder haben sich zu einem „Impfgipfel“ zusammengeschaltet.

Der schleppende Impffortschritt in Deutschland drückt nicht nur aufs Gemüt. Im April soll sich das hoffentlich ändern. Mehr als 15 Millionen Impfdosen sollen dann verabreicht werden. Bund und Länder sind am Freitag zu einem Impfgipfel zusammengekommen. Die Beschlüsse im Überblick:

Impfangebot für alle im Sommer

Bund und Länder halten daran fest, bis zum Sommer allen Menschen in Deutschland ein Impfangebot zu machen.

Zusätzlicher Impfstoff von Biontech

Die verfügbaren Impfstoffmengen sollen in den nächsten Wochen ansteigen. Die Firma Biontech wird weitere vier Millionen Impfdosen an die EU liefern, 580.000 davon gehen nach Deutschland. Diese sollen insbesondere für Hotspots und zur Abwehr von Virusmutanten eingesetzt werden. 250.000 Impfdosen der Zusatzlieferung gehen an die Arztpraxen in Deutschland.

Zusätzlicher Impfstoff für Grenzregionen

Um zu verhindern, dass Virusmutationen aus den Nachbarstaaten eingeschleppt werden, bekommen die Grenzregionen im Saarland 80.000 zusätzliche und die Grenzregionen in Rheinland-Pfalz 20.000 zusätzliche Dosen aus dem deutschen Anteil der EU-Zusatzlieferung des Biontech-Impfstoffs. Damit soll die Verbreitung der südafrikanischen Mutation eingedämmt werden

Auch zusätzliche Impfdosen für Bayern und Sachsen

Tschechien ist derzeit das Nachbarland mit dem höchsten Infektionsgeschehen. Die 7-Tage-Inzidenz der Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner liegt oberhalb von 700. Daher erhalten - bezogen auf die Pendlerströme in deutsche Unternehmen aus Tschechien und die Einwohnerzahl der Grenzregion - die Länder Bayern 100.000, Sachsen 100.000 und Thüringen 30.000 zusätzliche Dosen aus dem deutschen Anteil der EU-Zusatzlieferung Biontech-Impfstoff, um den Infektionseintrag aus Tschechien nach Deutschland zu begrenzen.

Impfstoff bleibt knapp im April

Der Impfstoff wird trotz der zusätzlichen Lieferungen im April voraussichtlich knapp bleiben. Daher bleibt es notwendig, zunächst die besonders gefährdeten Personen entsprechend der Empfehlung der Ständigen Impfkommission zur Impfreihenfolge zu impfen.

2,25 Millionen Impfdosen pro Woche im April

Die Anlieferungsstandorte der Länder  werden im April mit 2,25 Millionen Impfdosen pro Woche beliefert. Von dort wird der Impfstoff an die Länder ausgeliefert. Die Aufteilung dieser Impfstoffe an die Länder erfolgt weiterhin gemäß Bevölkerungsanteil.

Die Länder sollen Termine in den Impfzentren weiterhin nach geltender Priorisierung gemäß der Coronavirus-Impfverordnung vergeben und der Bund wird den Betrieb der Impfzentren bis mindestens zum 30. September 2021 finanzieren.

Zusätzlicher Impfstoff geht an die Arztpraxen

Die Menge der pro Woche verfügbaren Impfstoffe, die die wöchentliche Lieferung an die Länder übersteigt, wird ab der 14. Kalenderwoche gemäß Bevölkerungsanteil der Länder an die Arztpraxen ausgeliefert und dort routinemäßig verimpft. Für die Impfungen in Arztpraxen gilt die Priorisierung gemäß der Coronaimpfverordnung ebenfalls als Grundlage, die flexibel anzuwenden ist.

Die Hausärzte sollen wegen der geringen Liefermenge ihre besonders vulnerablen Patientinnen und Patienten zuerst impfen. Bei steigenden Impfstoffmengen werden auch die Fachärzte sowie Betriebsärzte entsprechend einbezogen.

Dokumentationsaufwand in den Arztpraxen soll gering gehalten werden

Der Bundesgesundheitsminister wird gemeinsam mit der Gesundheitsministerkonferenz gebeten, dafür Sorge zu tragen, dass der Dokumentationsaufwand in den Arztpraxen möglichst gering gehalten wird und eine gerechte Verteilung des Impfstoffs erfolgt.

Länder müssen Impfstofflieferungen für Arztpraxen nicht annehmen

Einzelne Bundesländer können gegenüber dem Bundesministerium für Gesundheit bis zum 22. März 2021 ein „Opt-out“ erklären. Die Apotheken dieser Bundesländer werden im April dann nicht vom pharmazeutischen Großhandel mit Impfstoffen für die Arztpraxen beliefert. Diese Länder erhalten im April wie bisher ihren jeweiligen bevölkerungsbezogenen Anteil an Impfstoffen.

Der Beschluss vom Impfgipfel am 19. März im Wortlaut zum Nachlesen.

Erstmeldung, 18.54 Uhr - Erster Entwurf der Beschlüsse vom Impfgipfel aufgetaucht

Ab der Woche nach Ostern sollen nach den Plänen des Bundeskanzleramts immer mehr Corona-Schutzimpfungen in Hausarztpraxen möglich sein. Für die Woche ab dem 5. April sind demnach aber zunächst nur rund eine Million Impfdosen für die Arztpraxen vorgesehen, für die letzte Aprilwoche werden mehr als 3,1 Millionen angestrebt. Dies geht aus einem Entwurfpapier des Kanzleramts für den Impfgipfel von Bund und Ländern an diesem Freitag hervor. Das Papier, das auch unserer Redaktion vorliegt, hatte den Stand 11 Uhr. Das Papier ist dem Vernehmen nach mit den Ländern Bayern und Berlin vorabgestimmt.

„Aufgrund der zunächst noch sehr geringen Liefermengen pro Woche in der Größenordnung von 20 Impfdosen pro Praxis für ca. 50.000 Hausarztpraxen (1 Mio. Dosen insgesamt) wird zunächst etwa eine Impfsprechstunde pro Woche ermöglicht“, heißt es weiter im Papier. Daher erscheine es sinnvoll, dass zunächst die jeweiligen Ärztinnen und Ärzte die besonders vulnerablen Patientinnen und Patienten hierzu gezielt einladen. In einigen Bundesländern sind bereits jetzt in ausgewählten Arztpraxen Impfungen möglich. Hier werden etwa Krebspatienten versorgt.

Im April rund 15,4 Millionen Impfdosen in Deutschland

Die bestehenden Impfzentren der Länder sollen den Plänen zufolge im April weiter vorrangig mit verfügbarem Impfstoff beliefert werden - mit 2,25 Millionen Dosen pro Woche. Im April stünden damit in Summe rund 15,4 Millionen Impfdosen in Deutschland zur Verfügung, davon gingen den Plänen zufolge circa 6,4 Millionen an die Arztpraxen.

Um bereits in der Woche nach Ostern eine Mindestmenge von einer Million Impfdosen für die Arztpraxen sicherstellen zu können, sollen den Plänen zufolge auch 270.000 Biontech/Pfizer-Impfdosen einer 580.000 Dosen umfassenden Zusatzlieferung genutzt werden.

Mehr Impfdosen in Grenzgebieten

Die restlichen 310.000 Impfdosen wären dann für den Einsatz in besonders betroffenen Grenzgebieten. Konkret benennt das Papier das Saarland wegen seiner Nähe zum französischen Département Moselle sowie die Bundesländer Bayern, Sachsen und Thüringen wegen der kritischen Lage an der Grenze zu Tschechien. Wie viele Impfdosen konkret an welches Bundesland gehen sollen, ist aber im Entwurf noch nicht beziffert.

Ab 15 Uhr wollen Kanzlerin Angela Merkel (CDU) und die Ministerpräsidenten in einer Telefonschalte das Vorgehen beraten. Die Konferenz hatte ursprünglich am Mittwoch stattfinden sollen, war dann aber wegen der zwischenzeitlichen Aussetzung von Impfungen mit dem Präparat von Astrazeneca auf Freitag verschoben worden. Die Gesundheitsminister von Bund und Ländern haben den Übergang zu breit angelegten Impfungen in Praxen bisher spätestens für die Woche vom 19. April angepeilt.

„Dokumentationsaufwand in den Arztpraxen möglichst gering halten“

Offen ist dem Entwurf zufolge noch, ob einzelne Bundesländer gegenüber dem Bundesgesundheitsministerium bis Montag (22. März) erklären können, ob sie „im April noch nicht an der routinemäßigen Impfung in den Arztpraxen teilnehmen wollen“, wie es heißt. Allerdings steht der Punkt noch in eckigen Klammern, das bedeutet, dass es hier noch erheblichen Diskussionsbedarf geben dürfte.

Um mehr Tempo in die Impfungen zu bekommen, soll zudem die Bürokratie reduziert werden. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) werde gemeinsam mit der Gesundheitsministerkonferenz gebeten, den „Dokumentationsaufwand in den Arztpraxen möglichst gering“ zu halten, heißt es dazu im Entwurf.

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