120 Menschen infiziert

Corona-Quarantäne in Göttingen: Kritik an Wohnverhältnissen in Wohnhaus-Komplex hält an

Neuer Corona-Ausbruch in einem Hochhaus in Göttingen, 120 Menschen sind infiziert.
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Nach dem erneuten Corona-Ausbruch in einem Hochhaus in Göttingen verhängte die Stadt Quarantäne für den ganzen Gebäudekomplex.

Corona-Hochhaus in Göttingen: Die Kritik an den Wohnverhältnissen im betroffenen Wohnhauskomplex hält weiter an. Außerdem sind Sozialarbeiter der Suchtberatung und des Migrationszentrums vor Ort.

  • Neuer Corona-Ausbruch in Göttingen
  • 120 Menschen in einem Hochhaus sind infiziert
  • Lockerungen wurden auch über SMS versendet 

Update vom Donnerstag, 25.06.2020, 14.28 Uhr: Die Situation der Bewohner des Hochhaus-Komplexes an der Groner Landstraße 9 in Göttingen beschäftigt auch den Superintendenten der Stadt, Friedrich Selter, denn die Diakonie leistet dort Hilfe. „So ein Haus ist eigentlich wie ein Dorf.“ Die 700 Menschen, die dort wohnten, seien alle unterschiedlich. Die Diakonie ist eine der Einrichtungen, die die Bewohnerinnen und Bewohner im Hochhaus besucht. Einige von ihnen sind drogenabhängig – während der Corona-Quarantäne durften sie nicht mehr zur Betreuung gehen. Deshalb kommen Mitarbeiter der Suchtberatungsstelle ebenso vorbei wie Sozialarbeiter des Migrationszentrums.

Die Enge in dem Gebäude wird auch an Wäscheständern deutlich, die aus den Fenstern hängen. Auch über dem Bauzaun, der das Haus jetzt abriegelt, hängt eine bunt gestreifte Decke zum Trocknen. An den Wohnverhältnissen mehrt sich Kritik. Vor dem Gebäude hat etwa die „Basisdemokratische Linke Göttingen“ ein Zelt aufgebaut. Darauf steht: „Shut down den Mietenwahnsinn.“ Jurastudentin Zoe (22) findet, dass aufgrund der Wohnbedingungen die Menschen im Hochhaus Hygiene-Regeln gar nicht einhalten konnten: „Die Gefahr, sich mit dem Virus anzustecken, ist einfach viel größer, wenn so viele Menschen auf engem Raum leben und auch denselben Fahrstuhl oder dieselben Flure nutzen, die keine Fenster zum Lüften haben.“

Auch Oberbürgermeister Rolf-Georg Köhler (SPD) hat bemängelt, man zahle in dem Hochhaus genauso viel Miete wie in hochpreisigen Wohnungen. „Unter welchen Umständen die Menschen hausen müssen, scheint den Verantwortlichen oft egal, solange das Geld für die Miete fließt.“ Auf privat abgeschlossene Mietverträge habe die Stadt aber keinen Einfluss.

Corona-Quarantäne in Göttingen: Anwalt will Familien aus Hochhaus-Komplex holen

Update vom Mittwoch, 24.06.2020, 08.02 Uhr: Die Corona-Fälle im Gebäudekomplex Groner Landstraße 9 beschäftigten seit Montag die Justiz. Ein Rechtsanwalt aus Göttingen hat für zwei Familien Eilanträge auf Unterbringung außerhalb des Geländes gestellt. Die Verfahren werden sowohl das Sozialgericht Hildesheim, das Verwaltungsgericht Göttingen und das Amtsgericht Göttingen beschäftigen, kündigte Rechtsanwalt Sven Adam an.

Ein Verfahrenskomplex betrifft ein 38 und 31 Jahres altes Ehepaar mit ihren neun und drei Jahre alten Kindern. Alle wurden laut Adam zweimal negativ auf Coronavirus getestet. Das letzte Ergebnis habe die Familie am Montag erhalten. „Wir haben für die Familie eine private Unterkunft im Landkreis gefunden und machen für die Zeit der besonderen Infektionslage in der Groner Landstraße die sofortige Unterbringung der Familie in dieser Privatwohnung mit entsprechender Kostenübernahme geltend“, sagt Adam.

Erneuter Corona-Ausbruch in Göttingen: Situation im Hochhaus-Komplex untragbar

Ein Verbleib der Familie in dem Gebäudekomplex ist aus seiner Sicht schon aus Gesundheitsgründen unverantwortlich – ohne Kostenübernahme könne die mittellose Familie aber nicht raus, so Adam. Der zweite Fall betrifft eine Familie mit 32 und 26 Jahre alten Eltern und ihren neun und fünf Jahre alten Kindern. Zwei Familienmitglieder sind positiv auf den Coronavirus getestet. Eines der positiv getesteten Familienmitglieder leidet an einer erhebliche Vorerkrankung.

Die Situation in dem Gebäudekomplex an der Groner Landstraße 9 in Göttingen ist laut Adam auch für diese Familie untragbar. „Die Familie muss schon aus Gründen der nun erforderlichen Genesung und zum Schutz der negativ getesteten weiteren Familienangehörigen in eine andere Unterkunft verbracht werden, um dort unter ärztlicher und psychosozialer Betreuung die weiterhin erforderlich Quarantäne zu verbringen“, sagt der Rechtsanwalt.

Adam ergänzt: „Uns ist bewusst, dass die Situation in dem Gebäudekomplex die gesamte Stadt vor Herausforderungen stellt.“ Es sei jetzt erforderlich, dass alle helfen. „Auch wir setzen uns daher dafür ein, den Menschen, die ohnehin am Rand der Gesellschaft leben, hinsichtlich ihrer aktuellen Situation Gehör zu verschaffen und ihnen zu ihrem Recht zu verhelfen. Bei den beiden genannten Familien kann es daher aber nicht aufhören“, so Adam abschließend.

Corona-Hochhaus in Göttingen: Demo gegen die Quarantäne-Lebensverhältnisse

Update vom Dienstag, 23.06.2020, 19.06 Uhr: Etwa 500 – meist jüngere Menschen – haben am Dienstagabend (23.06.2020) vor dem Hotel Freigeist und dem gegenüberliegenden Wohnkomplex „Groner Landstraße 9“ in Göttingen (Niedersachsen) demonstriert und einen humaneren Umgang und bessere Versorgung für die dort lebenden mehr als 700 Bewohnerinnen und Bewohner, die teilweise unter Corona-Quarantäne stehen, gefordert.

Corona-Hochhaus in Göttingen: Demo gegen die Lebensverhältnisse im Wohnkomplex

Sicherheitskräfte von einem privaten Unternehmen befürchteten kurz vor Beginn der Demonstration zu dem mehrere linkspolitische Gruppen aufgerufen hatten, ähnliche Gewaltausbrüche wie am Samstagnachmittag, als etwa 80 Bewohenr versucht hatten die Zäune und somit die Quarantäneregelungen zu durchbrechen. Dabei hatte es acht verletzte Polizisten gegeben.

Diesmal blieb es – bis Redaktionschluss – ruhig, obwohl sich die Demonstranten mit Transparenten den Polizisten, die quer über die Straße eine Sperre bildeten, damit es zu keinem Kontakt mit den Hausbewohnern kommen sollte, bis auf zwei Meter näherten. 

Corona-Hochhaus in Göttingen: Kritik an Stadt und Polizei

Zunächst kritisierten die Demonstranten per Lautsprecheransage, dass die Polizei sie daran hindere, zum Platz vor der Sparkassen-Verwaltungszentrale zu kommen. Dann kam der Aufruf, dass es „größere Gewaltanwendungen“ vermieden werden sollten, da die Bewohnerinnen und Bewohner der „Groner 9“ verängstigt seien. Einige aus dem großen Wohnkomplex verfolgten die Demo aus den Fenstern. Manche applaudierten, als per Durchsage ein bessere Ernährung, vor allem für die vielen Kinder, gefordert wurde. 

Massiv kritisiert wurde die Stadt Göttingen für die Versorgung des unter Corona-Quarantäne stehendes Hochhauses, so seien die Care-Pakete mit viel zu wenig Lebensmitteln ausgestatten, sie seien zudem anfangs verkauft worden, und Babynahrung in Gläsern sei mehrere Tage gar nicht ins Haus geliefert worden. Die Polizisten hätten Angst gehabt, dass damit hätte geworfen werden können, das sei absurd. Die Lebens- und Wohnverhältnisse in dem Komplex seien menschenunwürdig und müssten - auch mit Blick auf die Zukunft - dringend verändert werden, sagte eine Sprecherin der veranstaltenden Gruppen gegenüber unserer Zeitung.

Corona-Hochhaus in Göttingen: Über 300 Bewohner von Corona-Hochhaus dürfen wieder raus  

Update vom Dienstag, 23.06.2020, 16.27 Uhr: Für 345 Bewohner des Hochhaus-Komplexes an der Groner Landstraße 9 gibt es Erleichterungen. Sie wurden doppelt negativ auf Corona getestet und können das unter Quarantäne stehende Gelände inzwischen verlassen – allerdings unter Auflagen. Bei sechs Betroffenen gab es einen positiven zweiten Test. Sie bleiben weiter in Quarantäne. 

Am Montag lagen im Laufe des Abends die Testergebnisse vom vergangenen Wochenende vor. In dem Komplex waren in der vergangenen Woche knapp 120 der etwa 700 Bewohner positiv auf das Coronavirus getestet worden. Noch am Montag wurde eine provisorische Auslasskontrolle eingerichtet. Dort konnten sich Menschen, die doppelt negativ getestet wurden, melden. 

Corona-Hochhaus in Göttingen: SMS über Lockerungen versendet  

Sie erhielten dort die Bescheide darüber. Außerdem gab es neben den Schreiben auch SMS und eine Audionachricht an die Handys, mit der in einfacher Sprache über die Lockerungen berichtet wurde. Sie mussten dann ihre Personalien angeben und durften nur in Dreier-Gruppen mit Mund-Nasen-Schutz das Gelände verlassen. Dazu werden Masken der Schutzklasse FFP2 an diese Bewohner ausgeteilt, die die Betroffenen außerhalb des Geländes tragen müssen. 

Außerdem dürfen sie bis Ende Juni nicht in sensiblen Bereichen wie in Senioreneinrichtungen arbeiten. Einige Bewohnerinnen und Bewohner nutzten die Ausgangsmöglichkeit bereits am Montag in den Abendstunden, um spazieren zu gehen oder ein Eis zu essen. Die meisten kehrten bereits nach kurzer Zeit wieder zurück. Der Komplex „Groner Landstraße 9“, dazu gehört auch ein Hochhaus, war seit Donnerstag in die Schlagzeilen geraten. Am vergangenen Wochenende schließlich gab es Auseinandersetzungen zwischen einigen Bewohnern und Polizeieinsatzkräften. 

Dabei erlitten acht Beamte Verletzungen. Die Quarantäne für den Häuserkomplex soll bis Donnerstag gelten. Deshalb wurden die Corona-Tests am Dienstag fortgesetzt. Unterdessen hat ein Anwalt für zwei Familien aus dem Komplex die Unterbringung in anderen Wohnungen beantragt.

Nach Krawallen bei Corona-Hochhaus in Göttingen: Polizei gibt Details bekannt

Update vom Dienstag, 23.06.2020, 10.46 Uhr: Nach den Ausschreitungen und Angriffen auf Polizisten an der Groner Landstraße 9 in Göttingen haben die Beamten einen ersten Tatverdächtigen ermittelt. Es handelt sich um einen 25-jährigen Bewohner der aufgrund eines Corona-Ausbruchs isolierten Anlage. 

Beamte hatten den Mann am Sonntag gegen 16.15 Uhr im Bereich der Essensausgabe wiedererkannt. Zuvor war bereits erstes Videomaterial ausgewertet worden. Dabei ergaben sich Hinweise auf eine Beteiligung des Mannes an den Straftaten. 

Der Mann ließ sich widerstandslos festnehmen und wurde zur nahen Wache an der Groner Landstraße gebracht. Dort wurden unter anderem die Personalien festgestellt. Nach etwa einer Stunde fuhren ihn die Polizisten zur Anlage zurück und setzten ihn dort auf freien Fuß. 

Die Polizei hatte nach den Auseinandersetzungen vom Samstag, bei denen acht Beamte verletzt worden waren, Strafverfahren wegen besonders schwerem Landfriedensbruch und gefährlicher Körperverletzung eingeleitet. 

Um weitere Tatverdächtige zu ermitteln, läuft weiterhin die Auswertung von Foto- und Videomaterial auf Hochtouren, wie eine Polizeisprecherin sagte. 

Corona-Hochhaus in Göttingen: Bundestagsabgeordnete verurteilen Angriffe auf Polizisten

Update vom Dienstag, 23.06.2020, 06.22 Uhr: Mehrere Abgeordnete aus Göttingen verurteilen die Ausschreitungen und Angriffe auf Polizisten am vergangenen Samstag an der Groner Landstraße 9. Gleichzeitig gibt es Kritik an der Demonstration der „Basisdemokratischen Linken“. 

Mit Besorgnis und Unverständnis hat der Göttinger Bundestagsabgeordnete Thomas Oppermann (SPD) die Geschehnisse rund um den, unter Corona-Quarantäne stehenden, Gebäudekomplex an der Groner Landstraße am vergangenen Wochenende verfolgt und verurteilt die „lebensgefährlichen Angriffe“. 

Als besonders problematisch bezeichnet Oppermann die Rolle einzelner Demonstranten bei der Kundgebung für bezahlbaren Wohnraum. „Es ist bedauerlich, dass das legitime Anliegen der Demo, nämlich auf schwierige Wohnverhältnisse in der Stadt aufmerksam zu machen, nach den Geschehnissen nun in einem anderen Licht erscheint“, so Oppermann. 

Und weiter: Das politische Anliegen gerate vollkommen in den Hintergrund, wenn Krawallmacher die schwierige Lage bewusst für Stimmungsmache gegen die Ordnungsbehörden ausnutzten.

Corona-Hochhaus in Göttingen: Kritik an Demo-Veranstalter

Ganz ähnlich argumentiert Bundestagsabgeordneter Fritz Güntzler (CDU): Die Situation sei eskaliert, als Demonstrationsteilnehmer des „Aktionstages für bezahlbaren Wohnraum“ ihre Kundgebung vor die Groner Landstraße 9 verlegten. Das Hochhaus steht derzeit unter Corona-Quarantäne. 

Güntzler kritisiert das Vorgehen der Demonstranten: Die „Scharfmacherei“ war unverantwortlich. Dies habe die Stimmung aufgeheizt und die Situation eskalieren lassen. „Solidarität mit den Bewohner sieht meiner Meinung nach anders aus“, sagt Güntzler. 

Unverständlich sei in diesem Zusammenhang, warum die Stadt die Verlegung der Demonstration vom Wilhelmsplatz an das Groner Tor geduldet oder sogar genehmigt habe. Gleichzeitig fordert Güntzler Konsequenzen mit Blick auf soziale Brennpunkte in Göttingen: „Es wurde jahrelang weggeschaut, zu lange weggeschaut. Auch von der Verwaltung und der Politik in der Stadt. Diese eigentlich allen bekannten sozialen Brennpunkte sind ja nicht über Nacht entstanden.“ 

Die Stadt habe ja selber in der Vergangenheit dort Wohnungen angemietet, so Güntzler. Die mittlerweile als Schrottimmobilien gehandelten Wohnungen in diesen Wohneinheiten finden laut Güntzler nur Käufer, weil die Stadt für die Mieten als Garant gilt. Das sei im Markt bekannt: „Wir brauchen jetzt eine schonungslose Analyse und ein klares Konzept.“ 

Corona-Hochhaus in Göttingen: Gewalt gegen Ordnungshüter "inakzeptabel" 

Auch für den Göttinger FDP-Bundestagsabgeordneten Konstantin Kuhle ist „Gewalt gegen die Polizei in Göttingen bei der Durchsetzung von Quarantäne-Maßnahmen ist absolut inakzeptabel“, wie er gegenüber unserer Zeitung sagte. 

Gleichwohl sei aber klar, dass die Corona-Ausbrüche an sozialen Brennpunkten, nicht nur in Göttingen, zeigten, „dass diese Wohnsituation Menschen krank macht und Sicherheit und Ordnung in der gesamten Stadt gefährden“. 

Für den Liberalen müssen nun nach der Corona-Krise alle Beteiligten – von den Sozial- und Baubehörden bis hin zur Polizei – zusammenkommen, um über das weitere Vorgehen an diesen Orten zu sprechen. „Die gesamte Stadt muss ein Interesse an der Durchsetzung des Rechtsstaats, aber auch an Aufstiegs- und Bildungsperspektiven an sozialen Brennpunkten haben. Die zunehmende Ghettoisierung mitten in der Stadt schadet uns allen.“ 

Bereits Ende vergangener Woche hatte der Göttinger Bundestagsabgeordnete Jürgen Trittin (Bündnis 90/Die Grünen) mit Blick auf die Corona-Krise auf die besonderen Probleme in vielen sozialen Brennpunkten hingewiesen. Das Göttinger Beispiel und die Tatsache, dass es Fälle gebe, die unter dem Radar der Behören blieben, ist aus seiner Sicht ein „Appell an andere Städte mit ähnlichen Wohnsituationen, rasch in Kontakt zu den Hausverwaltungen zu treten und Tests zu veranlassen.“

Corona-Hochhaus in Göttingen: Kein Lockdown 

Update vom Montag, 22.06.2020, 20.20 Uhr: In der Region Göttingen wurde am Montag (22.06.2020) erstmals die Alarmzahl von 50 Neuinfektionen pro 100 000 Einwohner innerhalb von sieben Tagen überschritten – der Wert liegt bei 50,34 (Vortag: 47,91). Trotzdem soll es keinen Lockdown für Stadt und Landkreis Göttingen geben. Das machte Landrat Bernhard Reuter deutlich. 

Mit Blick auf die Infektionen im Wohnkomplex an der Groner Landstraße in Göttingen, die zum Großteil zu der Erhöhung der Infektionszahlen geführt haben, sagt Oberbürgermeister Köhler: „Der aktuelle Corona-Ausbruch ist auf den Wohnkomplex am Rand der Innenstadt beschränkt und unter Kontrolle. Alle notwendigen Maßnahmen sind ergriffen.“ 

Corona-Hochhaus in Göttingen: Ausbruch auf ein Wohnkomplex beschränkt

Anfang Mai hatte die Bundeskanzlerin mit den Länderchefs vereinbart, dass spätestens bei 50 Neuinfektionen je 100 000 Einwohner innerhalb von sieben Tagen in einem Landkreis konsequente Maßnahmen zur Beschränkung der Corona-Pandemie zu ergreifen sind. „Der Wert ist eine statistische Größe, einen Automatismus für Maßnahmen bei Überschreiten gibt es nicht“, heißt es übereinstimmend aus dem Kreishaus und dem Neuen Rathaus in Göttingen. 

Der aktuelle Corona-Ausbruch ist laut Mitteilung auf die Stadt Göttingen, und dort auf einen Wohnkomplex, begrenzt. Die Bewohner der Gebäude stehen unter Quarantäne und werden komplett auf eine Infektion mit dem Coronavirus getestet. „Der Ausbruch ist damit örtlich begrenzt, es gibt ein klares Bild vom Infektionsgeschehen und Infektionsketten werden unterbunden“, erläutert Stadträtin Petra Broistedt. Kreisrätin Marlies Dornieden ergänzt: „Die Strategie konsequenter Maßnahmen und umfassender Tests zur Eindämmung der Pandemie hat sich bewährt.“

Corona-Hochhaus in Göttingen: Mann verstorben

Update vom Montag, 22.06.2020, 13.37 Uhr: In der Nacht zum Sonntag ist in dem unter Quarantäne stehenden Wohnkomplex an der Groner Landstraße in Göttingen ein Mann verstorben. Das ist von der Stadtverwaltung bestätigt worden. Laut Stadtverwaltung steht der Todesfall aber nicht in Zusammenhang mit dem dortigen Infektionsgeschehen oder den Tumulten vom Samstag. 

Der Mann (Jahrgang 1977) hatte laut Verwaltung Vorerkrankungen. Er war außerdem mit Blick auf das Coronavirus negativ getestet worden. Darüber hinaus gibt es laut Stadtverwaltung keinen Zusammenhang zu den Tumulten vom Samstagnachmittag.

“Der Rettungsdienst war unverzüglich nach Alarmierung und eindeutiger Benennung des Aufenthaltsorts durch eine Begleitperson vor Ort“, heißt es weiter. Wiederbelebungsversuche waren jedoch vergeblich. „Die Polizei Göttingen schließt ein Fremdverschulden aus. Die Begleitperson wurde noch am Sonnabend in einer städtischen Wohnung untergebracht“, so die Verwaltung.

Corona-Hochhaus in Göttingen: Behörden widersprechen Basisdemokratischer Linke

Die „Basisdemokratische Linke“, die am vergangenen Samstag eine Demo vor dem Gebäudekomplex organisiert hatte, stellt die Umstände des Todes in einer Mitteilung anders dar: „Laut Auskunft von Bewohner*innen hatte dessen Lebensgefährtin zuvor am von der Stadt installierten Absperrungszaun eindringlich um Hilfe gerufen, da der Mann unter schwerer Atemnot litt. Rettungskräfte trafen allerdings erst etwa eine Stunde später ein. Zu diesem Zeitpunkt zeigte der Verstorbene keine Lebenszeichen mehr.“ 

Die Gruppierung wirft der Stadt Göttingen vor, dass es für seine Lebensgefährtin in der Abschottungssituation unmöglich gewesen sei, Zugang zu dringend benötigter medizinischer Hilfe zu erlangen.

Corona-Hochaus in Göttingen: Angeblicher Todesfall

Update vom Montag, 22.06.2020, 12.36 Uhr: Nach dem Corona-Ausbruch in dem Wohnkomplex in der Groner Landstraße in Göttingen soll es dort einen ersten Corona-Todesfall geben. Das behauptet die „Basisdemokratische Linke Göttingen“ in einer Pressemitteilung. Eine Bestätigung der Behörden steht noch aus. 

Laut der Pressemitteilung soll ein Bewohner des abgeriegelten Komplexes bereits am Samstag verstorben sein. Die Basisdemokratische Linke hielt zu dem Zeitpunkt eine Kundgebung vor dem Gebäude ab. Demnach sollen sowohl Bewohner als auch Feuerwehrleute über den Tod des Mannes berichtet haben. 

Die Pressemitteilung beruft sich auf Bewohner, die berichteten, dass die Lebensgefährtin des Verstorbenen am Absperrzaun des isolierten Gebäudes um Hilfe rief. Sie habe berichtet, dass der Mann unter schwerer Atemnot leide.

Corona-Hochhaus in Göttingen: Angebliches Todesopfer habe wegen Isolation nicht rechtzeitig Hilfe erhalten. 

Der Rettungsdienst sei erst eine Stunde nach diesem Vorfall am Komplex eingetroffen. Zu diesem Zeitpunkt sei der Mann bereits tot gewesen. Es ist allerdings nicht geklärt, ob der Mann wirklich mit Corona infiziert war.

In der Pressemitteilung erhebt die Basisdemokratische Linke Vorwürfe gegen die Stadtverwaltung. Sie macht darin die strikte Isolierung und Abschottung des Gebäudekomplexes zu einem Teil für den Tod des Mannes verantwortlich. Durch die Absperrung sei es der Lebensgefährtin nicht möglich gewesen, rechtzeitig Rettungskräfte zu verständigen. 

Die vom Verfassungsschutz als linksextrem eingestufte Organisation forderte die Stadtverwaltung Göttingen auf, die Isolation des Gebäudekomplexes zu beenden und Bewohner auf Hotels und in leerstehende Gebäude zu verteilen. Innerhalb des Gebäudes sei das Infektionsrisiko aufgrund der beengten Verhältnisse zu groß.

Corona-Hochhaus in Göttingen: Nach Randale erste Verhaftung

Update vom Montag, 22.06.2020, 10.10 Uhr: Nach der Randale an dem Hochhaus-Komplex in Göttingen, der unter Corona-Quarantäne steht, meldet die Polizei eine Festnahme. Am Sonntag wurde offenbar ein Mann von Beamten erkannt und sofort abgeführt.

Es soll sich möglicherweise um einen Tatverdächtigen handeln, bestätigte eine Polizeisprecherin am Montag. Weitere Details sind bislang noch nicht bekannt.

Bei dem Gewaltausbruch am Samstag waren acht Beamte verletzt worden, drei von ihnen sind vorerst nicht dienstfähig. Die Beamten waren beleidigt und beschimpft, mit Flaschen, Steinen, Metallstangen, Holzlatten, Haushaltsgegenständen und Pyrotechnik beworfen worden.

Corona-Hochhaus in Göttingen: OB kritisiert Eigentümer der Hochhäuser scharf

Update vom Montag, 22.06.2020, 7.10 Uhr:  Dem Oberbürgermeister von Göttingen reichte es. Rolf-Georg Köhler, der sich lange Jahre als Geschäftsführer der Städtischen Wohnungsbaugesellschaft auch für bezahlbaren, sozialen Wohnungsbau eingesetzt hat, fasste in der Pressekonferenz am Sonntagnachmittag in der Göttinger Polizeiinspektion ein heißes Eisen an. 

Er kritisierte das Geschäftsgebahren und Verhalten von auf Profitmaximierungen ausgerichteten Unternehmen. Enge Wohnverhältnisse, steigende Mieten und Überbelegung von Wohnraum, wie im von Corona stark betroffenen Wohnkomplex Groner Landstraße 9, „zeugen von einer Profitgier derer, die mit Wohnraum spekulativ umgehen“, sagte Köhler. 

Corona-Hochhaus in Göttingen: OB sieht Profitgier als Grund für schlechte Wohnverhältnisse

Auch die derzeitige Situation in diesem Komplex in Göttingen ist für Köhler auf die „Gewinnmaximierung der Eigentümerinnen und Eigentümer sowie der Hausverwaltungen“ zurückzuführen“. 

Dort zahlten die Menschen „genau so viel an Miete wie in sogenannten hochpreisigen Wohngegenden der Stadt“, sagte Köhler. Die Preise reichen für die 17 bis 39 Quadratmeter großen Appartements an der „Groner 9“, wo viele sozial benachteiligte und finanziell schwächer gestellte Menschen leben, umgerechnet auf den Quadratmeterpreis bis zu 15 Euro. 

Für Köhler ist das unzumutbar. „Unter welchen Umständen die Menschen hausen müssen, scheint den Verantwortlichen oft egal zu sein, so lange das Geld für die Miete fließt.“ Die Stadt jedenfalls miete dort keine Wohnung direkt an. Transferleistungen, wie Wohngeld, wenn sie denn berechtigt sind, würden aber natürlich geleistet, sagte Köhler. 

Die Stadt nutze ihre ordnungs-, bau- und brandschutzrechtlichen Möglichkeiten sowie Einfluss bei Hygiene und Abfallentsorgung. Alle würden regelmäßig genutzt, könnten aber Verhältnisse insgesamt nicht ändern. „Die Stadt hat keinen Einfluss auf Mieten, auf Eigentümer.“ 

Corona-Hochhaus in Göttingen: OB sieht Gesetzgeber in der Pflicht

Der Oberbürgermeister von Göttingen ist sofort dabei, „wenn aus der Politik Verbesserungen angemahnt werden“. Die Adresse dieser Forderungen könnten aber nicht die Städte und Gemeinden sein. „Hier ist der Gesetzgeber gefordert, normativ entgegenzuwirken. Wenn die Rechtslage Profitgier und Preistreiberei mindestens duldet, sind Städte und Gemeinden in Deutschland die Hände gebunden.“ 

Köhler verwies später auch darauf, dass große Immobilienunternehmen kräftig Geschäfte mit den An- und Verkauf von Wohnungen in eben diesen Komplexen machten. So sei ein Paket von Wohnungen, die einmal etwa neun Millionen Euro gekostet hätten, für fast das Doppelte weiterverkauft worden. Die Folgen sind bekannt.

Randale in Göttingen: Mit Steinen sind Bewohner des Corona-Hochhauses auf die Polizei losgegangen.

Die Kritik des Oberbürgermeisters trifft aber auch die Hausverwaltungen, bei denen er teilweise auch infrage stellt, ob sie weiterreichende Möglichkeiten verfolgten, als nur die Interessen der Eigentümer zu verfolgen. Für den Sozialdemokraten Köhler ist längst klar: „Die Corona-Pandemie hat eine soziale Dimension erreicht, sie begann auch bei gut situierten Menschen in Tirols Party-Ski-Ort Ischgl, sei aber längst dort, wo unzumutbare, beengte Lebens- und Arbeitsverhältnisse herrschten angekommen und träfe die ohnehin benachteiligen Menschen.

Corona-Hochhaus in Göttingen: Fallzahlen steigen

Update vom Sonntag, 21.06.2020, 22.26 Uhr: Am Sonntag (21.06.2020) gab es in der Region Göttingen 241 Personen (14 weniger als am Freitag), die mit dem Coronavirus infiziert sind. Bei dieser Zahl spielt der Hochhauskomplex eine Rolle: Dort wurden knapp 120 Infektionen gemeldet – etwa 17 Prozent der Bewohner. Am Wochenende wurden dort mehr als 400 Bewohner erneut getestet, um sie bei doppelt negativem Ergebnis aus der Quarantäne entlassen zu können. Diese Tests sollen am Montag weitgehend vorliegen.

Corona-Hochhaus in Göttingen: Verletzte Beamte

Update vom Sonntag, 21.06.2020, 18.12 Uhr: Bewohner des unter Quarantäne stehenden Göttinger Hochhaus-Komplexes „Groner Landstraße 9“ haben am Samstag für Randale gesorgt und Polizisten mit Gegenständen beworfen. Die Zahl der verletzten Polizisten schockiert: Acht Beamte wurden verletzt, drei von ihnen sind vorerst nicht dienstfähig. 

Wie die Polizei am Sonntag bei einer Pressekonferenz mitteilte, hatten 80 bis 100 Bewohner am Nachmittag versucht, die Absperrungen zu durchbrechen und den Corona-Quarantäne-Bereich zu verlassen. Die Polizisten verhinderten dies und setzten dabei massiv Pfefferspray und auch körperliche Gewalt ein. „Die Beamten wurden beleidigt und beschimpft, mit Flaschen, Steinen, Metallstangen, Holzlatten, Haushaltsgegenständen und Pyrotechnik beworfen“, sagte Göttingens Polizeipräsident Uwe Lührig. Um den Einsatz bewältigen zu können, hatte die Polizei kurzfristig zusätzliche Beamte nach Göttingen beordert, die zuvor in Einbeck und Braunschweig eingesetzt waren. In der Spitze waren knapp 300 Beamte vor Ort. 

Corona-Hochhaus in Göttingen: Frage nach dem Warum

Die Frage, warum sich die Corona-Lage am Samstag an dem Hochhaus-Komplex so zuspitzte, konnte die Polizei auch am Sonntag nicht klar beantworten. Nach ihren Angaben habe möglicherweise ein Rädelsführer zur Eskalation beigetragen. Zeitgleich gab es 50 Meter entfernt eine zunächst für den Wilhelmsplatz angemeldete Demo der „Basisdemokratische Linke“ gegen hohe Mieten. Die Stadt hatte der Verlegung zugestimmt. Aus dem Demo-Zug waren auffordernde Rufe an die emotionalisierten Bewohner des Hochhauskomplexes zu hören, aus dem Haus zu kommen. 

Oberbürgermeister Rolf-Georg Köhler (SPD) betonte: 500 der etwas 700 Bewohner hätten sich ruhig verhalten. Zeitgleich liefen die Corona-Tests vor Ort weiter. Die Polizei leitete „eine höhere Anzahl“ von Verfahren wegen schweren Landfriedensbruchs, gefährlicher Körperverletzung und Sachbeschädigung ein. Die Auswertung von Beweismaterial der Beamten sowie von Videos und Fotos aus dem Internet läuft noch. Nach der Randale blieb es am Abend und am Sonntag bis zum Nachmittag ruhig.

Bewohner des Corona-Hochhauses randalieren

Update vom Sonntag, 21.06.2020, 07.21 Uhr: Die Situation rund um das unter Corona-Quarantäne gestellte Hochhaus „Groner Landstraße 9“ in Göttingen eskalierte am gestrigen Samstagnachmittag (20.06.20). Steine wurden auf die Beamten der Polizei vor Ort geworfen und auch Schüsse sollen gefallen sein. Polizisten wurden dabei verletzt. Nun haben sich die Stadt Göttingen und die Polizei Göttingen dafür entschieden, eine Pressekonferenz zu geben. Die HNA* berichtet weiter.

Am frühen Samstagabend hatte sich die Lage laut Polizei wieder beruhigt. Göttingens Oberbürgermeister Rolf-Georg-Köhler (SPD) war noch am Samstag vor Ort und suchte mit den Bewohnern des Hauses, das bis zum 25. Juni unter Quarantäne steht, das Gespräch.

Ursprünglich sollten am Samstagnachmittag die Bewohner des Gebäudekomplexes erneut untersucht werden, die bei einer ersten großen Testaktion ein negatives Ergebnis hatten. In der Wohnanlage leben nach Angaben der Stadt mehr als 200 Kinder und Jugendliche in prekären Wohnverhältnissen.

Corona in Göttingen: Situation um Corona-Hochhaus eskaliert

Update vom Samstag, 20.06.2020, 16.45 Uhr: Randale in Göttingen: Bewohner des Wohnkomplexes Groner Landstraße 9, in dem es einen Corona-Massenausbruch gab, wollen sich offenbar nicht mit der Quarantäne abfinden. Am Samstag kam es in den Nachmittagsstunden zu einer Auseinandersetzung zwischen den Bewohnern und der Polizei.

Die Beamten wurden offenbar mit verschiedenen Gegenständen – darunter Reifen, Steine und Computer - aus den Fenstern des Wohnkomplexes beworfen. Dabei erlitten einige Beamte auch Verletzungen. Außerdem versuchten Bewohner, die Corona-Absperrungen in Göttingen zu durchbrechen. Die Polizei setzte nach ersten Beobachtungen Tränengas ein und drängte die Bewohner zurück.

Corona-Hochhaus in Göttingen: Steine fliegen

Wahrzunehmen ist eine gereizte und aggressive Stimmung unter den Bewohnern. Es soll zudem mit Schreckschusspistole aus dem Wohnkomplex geschossen werden. Außerdem wurden Gegenstände in Brand gesetzt. Der genaue Anlass für die Corona-Randale ist bislang noch unklar. Zuvor gab es eine Demonstration von linken Gruppierungen.

Die Polizei ist mit einem großen Aufgebot vor Ort und fordert weitere Kräfte nach. Es kommt zu Behinderungen im Bereich der Groner Landstraße. Die Beamten hatten schon am Donnerstag zahlreiche Kräfte in Göttingen zusammengezogen.

Zuvor hatte die Stadt am Donnerstag eine Quarantäne-Auflage für sämtliche Bewohner des Hauses verfügt, die bis Donnerstag, 25. Juni, gilt. Darin war festgelegt worden, dass die Bewohner im Komplex bleiben müssen. Damit soll die weitere Ausbreitung des Coronavirus in Göttingen verhindert werden.

Heftig: Über der Stadt Göttingen kreiste zeitweise ein Polizei-Hubschrauber. Die Beamten sperrten mehrere Straßen rund um das Corona-Hochhaus weiträumig ab. Autofahrer und Passanten mussten längere Umwege in Kauf nehmen.

Nach Corona-Ausbruch in Hochhaus in Göttingen: Aufforderung an Vermieter sorgt für Verwunderung

Update vom Samstag, 20.06.2020, 13.49 Uhr: Verwundert über die Aufforderung der Stadt an Vermieter, Hygienekonzepte für Wohnblocks aufzustellen, zeigt sich Armin Ede von der Frankfurter Coreo AG. Das Unternehmen hat vor zwei Jahren 430 Appartements in Göttingen gekauft, darunter „eine niedrig dreistellige Anzahl von Wohnungen“ an der Groner Landstraße.

Eigentümer, so der Leiter der Coreo-Vermögensverwaltung, könnten Mieter nicht zur Einhaltung der Konzepte zwingen. Er sieht das Ordnungs- und das Gesundheitsamt am Zug. „Dass nicht alle Bewohner der Groner Landstraße die Corona-Hygienevorschriften akkurat eingehalten haben, überrascht mich nicht“, meint Ede.

Sein Unternehmen habe zum 31. März alle Wohnungen dort wieder verkauft. Der Grund: Die große Zahl an Eigentümern erschwere das gemeinsame Handeln. Der Aufwand, dort eine Mehrheit zu bekommen, sei Coreo zu groß gewesen.

Corona in Göttingen: Grüne sprechen von „widrigsten Umständen“ in Hochhaus

Zum Corona-Ausbruch in dem Wohnkomplex an der Groner Landstraße 9 melden sich die Grünen aus Göttingen zu Wort. In einer Pressemitteilung schreibt Thomas Harms: „In diesem Haus leben Menschen unter den widrigsten Umständen. Die Zustände in der Behausung sind seit Jahren bekannt.“ Der Stadtrat weist darauf hin, dass „85 Prozent der Bewohner nachweislich nicht infiziert" sind. „Wir fragen uns, ob die Stadtverwaltung die gleichen Maßnahmen in einem großen Wohnkomplex mit gut situierten Eigentümern und Mietern so umsetzen würde?“ 

Corona in Göttingen: Zweiter Ausbruch in Hochhaus innerhalb von 14 Tagen

Regina Meyer dagegen hält die Verfügung der Corona-Quarantäne für wichtig, um Neuinfektionen zu verhindern, was aktuell das vordringlichste Ziel sei. Meyer sitzt für die Göttinger Grünen im Sozialausschuss. Diese „unwürdige Wohnsituation haben die Eigentümer zu verantworten“. Für Thomas Harms geht es auch darum, grundsätzliche Probleme wie eine Überbelegung der Wohnungen „in einer Architektur des Brutalismus“ zu verändern. Für ihn reiche es nicht aus, wenn die Stadtverwaltung darauf verweise, dass es sich um privatrechtliche Mietverhältnisse handele, auf die sie keinen Einfluss habe. 

Nach zweiten Corona-Ausbruch in Göttingen: Knapp 120 Infektionsfälle in Hochhaus

Update vom Freitag, 19.06.2020, 18.49 Uhr: In dem Hochhaus-Komplex in Göttingen an der Groner Landstraße wurden am Freitag knapp 120 bestätigte Corona-Fälle registriert. Am Donnerstag lag die Zahl noch bei 102. Das sagte ein Sprecher der Stadtverwaltung. 

Zudem bleibt es bis zum 25. Juni bei der Quarantäne-Anordnung für den Wohnkomplex. Der Wert der Neuinfektionen je 100.000 Einwohner innerhalb von 7 Tage ist am Freitag nochmals angestiegen und liegt jetzt bei 47,91. Am Donnerstag lag dieser Wert noch bei 44,86. 

Trotz dieser Entwicklung will die Stadt an den ab Montag in Niedersachsen geltenden Lockerungen in Kultur, Sport und Gastronomie festhalten. Allerdings könne sich die Situation je nach Entwicklung auch am Wochenende noch ändern, so die Stadtverwaltung. 

Nach Corona-Ausbruch in Hochhaus in Göttingen: Maskenpflicht an Schulen verlängert

Das Gesundheitsamt für Stadt und Landkreis Göttingen hat die Pflicht zum Tragen einer Mund-Nasen-Bedeckung an Schulen wegen des erneuten Corona-Ausbruchs nochmals verlängert. Diese gilt nun bis einschließlich Dienstag, 30. Juni.

An dem Wohnkomplex an der Groner Landstraße hat noch am Freitag ein mobiles medizinisches Versorgungszentrum seine Arbeit aufgenommen. Außerdem gibt es einen Info-Punkt für Fragen der Bewohner. 

Vor Ort sind mehr als 60 Mitarbeiter von Stadt (Fachbereiche Ordnung und Berufsfeuerwehr), verschiedenen Hilfsdiensten (Deutsches Rotes Kreuz, Johanniter Unfallhilfe und Technisches Hilfswerk) und Polizei im Einsatz. Alle Einsatzkräfte werden fortlaufend auf eine Infektion mit dem Coronavirus getestet. 

Corona-Ausbrüche in Göttingen: Viele beengte Wohnorte wie Hochhäuser gefährdet

Update vom Freitag, 19.06.2020, 18.05 Uhr: Nach den Corona-Massenausbrüchen in zwei Hochhaus-Komplexen in Göttingen will die Stadt auch an andere Wohnkomplexe näher zusammenarbeiten. Denn in Göttingen gibt es viele gefährdete Orte. 

Groner Landstaße 9, Machmühlenweg 4-6, Hagenwerg 20. Drei Adressen, die in der mit einer hohen Wohnqualität gesegneten Stadt Göttingen für das Gegenteil stehen: hier leben auch benachteiligte, suchtkranke, sozialschwache Menschen, viele stammen nicht aus Deutschland, finden hier eine scheinbar günstige Unterkunft in Häusern, die früher gute Verhältnisse boten, die über die Jahrzehnte eine Ghettoisierung erfahren haben. 

Abgesperrter Bereich an einem der betroffenen Wohnkomplexe

Nach Corona-Ausbrüchen in Göttingen: Beengte Lebensverhältnisse in Hochhaus

Die Lebens- und Wohnverhältnisse sind so heute teilweise unzumutbar. Vermieter, Eigentümer wissen darum. Auch die Stadtverwaltung kennt die Verhältnisse. Eine Handhabe dagegen – außer in Form finanzieller Unterstützung und sozialer Betreuung wie durch Sozialarbeit und Jugendhilfe, gibt es kaum. 

Auch suchtkranke Menschen werden betreut, zum Teil medizinisch, denn, in den Wohnkomplexen wohnen Drogenabhängige, die wiederum Kontakt untereinander über Wohnkomplexe hinweg haben. Im Zuge der Corona-Tests hatten sich Bewohner, auch aus der Weststadt, gemeldet und sich ebenfalls testen lassen. 

Corona in Hochhaus in Göttingen: Viele Personen auf kleinem Raum

 „Unser Schwert ist stumpf“, beschreibt Oberbürgermeister Rolf-Georg Köhler (SPD) die Situation. Worte, aus denen Resignation klingt. Worte, die auch Sozialdezernentin Petra Broistedt so oder ähnlich häufig gesagt hat. Die Stadtverantwortlichen könnten auch sagen: Wir haben keine Möglichkeiten, die Verhältnisse grundlegend zu ändern.

Beengte Verhältnisse wie in dem Block Groner Landstraße 9 in Göttingen mit Wohnungsgrößen zwischen 17 und 39 Quadratmeter, in denen Familien mit mehreren Personen leben, die – das zeigt die zweite hohe Zahl von Corona-Infektionen in Göttingen – werden so zum Risiko für diese Bewohner. Broistedt sagt, dass durch die Enge die Zahl der Kontaktpersonen von Infizierten hoch ist. 

Nach Corona-Ausbrüchen in Göttingen: Hygienekonzepte in Hochhäusern

Die Stadt Göttingen steuert jetzt gegen, verlangt von Hausverwaltung und Eigentümern Hygienekonzepte und deren Umsetzung – dazu häufigere Reinigungen der Gemeinschaftsflächen und Hinweise einen Mund-Nase-Schutz zu tragen, Abstandregeln einzuhalten. 

Gründe für die Wohnverhältnisse sind aufgesplitterte Eigentumsverhältnisse oder Mehrheitseigentümer – wie noch dazu wechselnde, renditengetriebene Investmentgesellschaften – auf die man keinen Zugriff hat. 

„Wir suchen den direkten Kontakt zu den Hausverwaltungen“, sagt Köhler. Seine Sozialdezernentin Broistedt ergänzt: Wir haben sie eindringlich sensibilisiert, weil in allen Komplexen eine ähnliche räumliche Nähe herrscht.“ 

Hochhauskomplex in Göttingen

Nach Corona-Ausbrüchen in Göttingen: Dritter Gebäudekomplex betroffen

Der dritte Gebäudekomplex, von dem Köhler und Broistedt sprechen, liegt in der Weststadt. „In der Pflicht sind die Hausverwaltungen sowie auch die Eigentümer“, betont Köhler, der auch klarstellt: „Die Vermietung erfolgt durch Private“, was seine Sozialdezernentin untermauert – mit Blick auf immer wiederkehrende Kritik: „Wir als Stadt mieten in den genannten Wohnkomplexen nicht an.“ Gleichwohl leiste man natürlich Transferleistungen und Wohngeld, wenn die Menschen, die dort leben, einen Anspruch darauf haben. 

Der Oberbürgermeister sagt auch nachdenklich: „Corona trifft scheinbar sozial schwächere Menschen anders als die normale Gesellschaft.“ Deshalb sei es richtig, zu fragen, was machen Staat und Stadt, um zu helfen. Das seien jetzt Hygieneverfügungen und Auflagen, das seien immer schon bau-, brandschutz- und ordnungsrechtliche Maßnahmen

Corona in Hochhaus in Göttingen: Gefährdete Wohnanlagen gibt es viele

„Das ist unser Schwert, aber es ist stumpf.“ Göttingen ist so ein Muster für Deutschland, wo es laut Köhler überall solche Wohnanlagen gibt. In Berlin war es ähnlich. Weitere Beispiele könnten folgen. 

So sieht es auch der Grünen-Bundestagsabgeordnete Jürgen Trittin aus Göttingen. Das Göttinger Beispiel und die Tatsache, dass es Fälle gebe, die unter dem Radar der Behören blieben, sei ein „Appell an andere Städte mit ähnlichen Wohnsituationen, rasch in Kontakt zu den Hausverwaltungen zu treten und Tests zu veranlassen.“ 

Trittin betont auch: „Die Corona-Pandemie ist nicht vorbei.“ Bitter sei es, dass „ausgerechnet diejenigen, die in prekären Wohnsituationen leben, besonders von der Krise betroffen sind.“ „Das Virus ist noch da“, konstatiert schließlich auch Rolf-Georg Köhler, der Kämpfer mit dem stumpfen Schwert in der Hand. 

Nach Corona-Ausbruch in Göttingen: Zahl der Durchschnittlichen Infektionen gestiegen

Update vom Freitag, 19.06.2020, 13.05 Uhr: Ende Mai 2020 gab es in einem Hochhaus, dem Iduna-Zentrum am Maschmühlenweg in Göttingen, einen ersten größeren Corona-Ausbruch. Etwa 60 Infektionen wurden dort registriert. Dort gab es bereits einen ersten Massentest in der Uni-Stadt.

Durch den neuen Ausbruch in dem Hochhaus an der Groner Landstraße ist Zahl der Coronavirus-Neuinfektionen je 100.000 Einwohner der letzten sieben Tage drastisch nach oben geschnellt: Von 17,09 am Mittwoch (17.06.2020) auf 44,86 am Donnerstag (18.06.2020). Als kritisch gilt der Wert 50.

Nach Corona-Ausbruch in Hochhaus: „Dorf“ in Göttingen unter Quarantäne

Die Betroffenheit ist Oberbürgermeister Rolf-Georg Köhler, Sozialdezernentin Petra Broistedt und Ordnungsdezernent Christian Schmetz deutlich anzumerken – die drei Verantwortlichen der Stadt Göttingen mussten am Donnerstagmittag (18.06.2020) erneut zu einer Pressekonferenz mit starker Medienpräsenz einladen: „Wir wollen sie so schnell aus diesem Anlass eigentlich nicht wieder sehen“, sagte Broistedt. Hinter den Dreien und vieler weiterer Beteiligter aus dem Göttinger Corona-Krisenstab lagen schon wieder lange Sitzungen - seit Freitag (12.06.2020).

Da war bei einer Routinekontrolle im Uni-Klinikum, wo alle Patienten zur Behandlung vorab auf eine Coronavirus-Infektion getestet werden, bei zwei junge Frauen, die im Hochhaus in der Groner Landstraße 9 wohnen, das Coronavirus festgestellt worden. Deren Familien wurden daraufhin unter Quarantäne gestellt. Bei der Befragung nach Kontaktpersonen hätten die Frauen gar nicht alle nennen können, wie Broistedt sagt.

Vor dem Hochhaus in Göttingen wurden Hilfszelte aufgebaut. Hier gab es einen erneuten Corona-Massenausbruch.

Corona-Ausbruch in Göttingen: 700 Menschen müssen im Hochhaus versorgt werden

Kleine Wohnungen, in dem Hochhaus gibt es 400 Appartements in der Größe von 17 bis 39 Quadratmeter, schmale Flure und einen Innenhof, wo sich ständig Menschen begegnen. Folglich startete die Stadt den Massentest, es war der zweite innerhalb von zwei Wochen, nach dem im Iduna-Komplex in Göttingen.

Nun also wird erstmals ein Wohnkomplex gesperrt, alle Bewohner sind bis zum 25. Juni unter Corona-Quarantäne. Dort leben offiziell 700 Menschen, nach inoffiziellen, unbestätigten Angaben sind es deutlich mehr, bis zu 850. Allein das Erreichen aller Bewohner und die Feststellung des Aufenthaltsortes stellt die Stadt Göttingen vor Probleme, wie Christian Schmetz bestätigt.

Einen solchen Fall hat es noch nicht gegeben, so greife man auf bewährte Strukturen zurück. Im Einsatz sind viele Mitarbeiter des Ordnungsamtes, der Polizei, der Feuerwehr und aus einem Sicherheitsdienst. Man wolle so auch verhindern, das Bewohner aus dem Gebäude entweichen könnten. „Das wäre ein Quarantäneverstoß.“

Corona-Ausbruch in einem Hochhaus in Göttingen: Suche nach Kontaktpersonen

Man müsse sich nun einen Überblick verschaffen und das wichtigste sei das Nachvollziehen der Kontaktpersonen. „Da hängt es immer von der Kooperation der einzelnen Menschen ab. Auch die Corona-App kann da helfen.“

„Wir lernen dazu, werden schneller und noch effizienter“, zeigt sich Oberbürgermeister Rolf-Georg Köhler zuversichtlich, für den die Quarantäne-Maßnahme unverzichtbar war – aufgrund der hohen Infiziertenzahl von 102 plus Dunkelziffer.

In dem Hochhaus, der seit langem als sozialer Brennpunkt gilt, wohnen allein 200 Kinder und Jugendliche. Auch darunter könnte es Infizierte geben, hieß es. Positiv: Die Schulen öffneten in Göttingen erst am vergangenen Mittwoch. Kinder aus dem Wohnkomplex waren drei Wochen nicht in der Schule, teilte Broistedt mit. Eine erneute Schließung sei daher nicht zu erwarten.

Nach Corona-Ausbruch in einem Hochhaus: Suchkranke werden unterstützt

Bezüglich vier Kita-Kindern prüfe man nun zügig, ob diese mit Corona infiziert seien, dann würden Maßnahmen für die Kitas folgen. Ein weiteres Problem in dem Hochhaus in der Groner Landstraße 9 ist, dass dort einige suchtkranke Menschen leben.

„Wir und die Mediziner wissen darum, sie werden diese Menschen im dort errichteten medizinischen Versorgungszentrum betreuen, gegebenenfalls auch substituieren“, sagte Petra Broistedt. Ob für die Stadt Göttingen generell neue Schutzregelungen und -maßnahmen folgen werden, wollte Oberbürgermeister Rolf-Georg Köhler nicht ausschließen.

Nach Corona-Ausbruch in Hochhaus: Mitarbeiter des Ordnungsamtes, der Polizei, der Feuerwehr und aus einem Sicherheitsdienst sind vor Ort

Nach Corona-Ausbruch in einem Hochhaus: Göttingen lässt Lockerungen offen

Am Freitag (19.06.2020) werde man entscheiden, ob Göttingen die vom Land dann per Erlass genannten Corona-Lockerungen mitgehen wolle oder nicht. „Es kann sein, dass wir zurückhaltender sein müssen, als der 5-Stufen-Plan des Landes vorsieht.“ Köhler appellierte erneut an die Eigenverantwortlichkeit und das Solidarverhalten aller Menschen in der Stadt: Das Tragen des Mund-Nase-Schutzes und Einhalten der Abstandsregeln helfe, die Pandemie einzugrenzen.

Damit nicht weitere größere Wohnblöcke und Hochhäuser in Göttingen von derartigen Ausbrüchen heimgesucht werden, kontaktierte die Stadt Hausverwaltungen und Eigentümer, forderte Hygienekonzepte ein. „Hausverwalter und Eigentümer, die vermieten lassen, sind in der Verantwortung“, machte Köhler klar.

Die Stadt habe da nur einen geringen Einfluss – auch auf die Standards der Gestaltung des Wohnumfeldes. „Unser Schwert als Stadt ist diesbezüglich stumpf“, sagt Köhler und weist darauf hin. Diese Wohnblöcke und Hochhäuser gibt es in vielen Städten.

Corona in Göttingen: Neuer Ausbruch mit 102 Infizierten - Hochhaus abgeriegelt

Update vom Donnerstag, 18.06.2020, 20.54 Uhr: Drastische Maßnahme der Stadt Göttingen: Sie sperrte am Donnerstagmorgen einem Hochhaus an der Groner Landstraße am Rande der Innenstadt und stellte mehr als 700 Bewohnerinnen und Bewohner unter Quarantäne. Zuvor waren alle Bewohner auf das Coronavirus getestet worden: 102 waren bis Mittwochabend positiv. 60 Testergebnissen standen am Donnerstagmittag noch aus.

Die Betroffenen, von denen bisher keiner ernsthaft erkrankt ist und nur wenige leichte Covid-19-Symptome zeigen, dürfen nun den Komplex, zu dem auch ein Hochhaus gehört, nicht mehr verlassen. Sozialdezernentin Petra Broistedt sagte auch, dass es zahlreiche Kontaktpersonen und Querkontakte in dem Gebäude mit kleinen Wohnungen und engen Gängen, aber auch in andere große Wohnblöcke gebe. 

Zweiter Corona-Ausbruch in Hochhaus in Göttingen: Infektionsketten unterbrechen

Die Maßnahme sei allen Beteiligten nicht leicht gefallen, greife man damit doch stark in die Grundrechte der Menschen ein. Wie Oberbürgermeister Rolf-Georg Köhler sagte, gehe es aber darum, die Infektionskette zu brechen, die Betroffenen selbst und die Menschen in Göttingen zu schützen.

Außerdem gewinnt der Krisenstab von Stadt und Landkreis durch die Corona-Quarantäne Zeit, um die Infektionswege nachverfolgen zu können, was ein schwieriges Unterfangen sei. Am Donnerstag lief um 11 Uhr die Abriegelung des Gebäudes an: Sichtschutzwände und Sperrgitter wurden aufgebaut, eine Zufahrtsstraße gesperrt. 

Zweiter Corona-Ausbruch in Hochhaus in Göttingen: Info-Mobil der Feuerwehr

Polizei, Ordnungsamt, Feuerwehr und ein Sicherheitsdienst werden weiter mit einem Großaufgebot vor Ort sein. Die Feuerwehr stellte ein Info-Mobil auf, das als an Anlaufpunkt für die Bewohner dient. Auch stehen dort und am Bürgertelefon Dolmetscher bereit. 

In dem Hochhaus wohnen Menschen aus verschiedenen Nationalitäten. Um die Versorgung der Bewohner sicherzustellen, gibt die Stadt Lebensmittel sowie Dinge des täglichen Bedarfs wie Hygieneartikel aus. Für die medizinische Hilfe richten Universitätsmedizin und Kassenärztliche Vereinigung ein Zentrum ein. Dort sollen auch suchtkranke Bewohner versorgt werden.

In diesem Hochhaus in Göttingen hat es einen neuerlichen Corona-Ausbruch gegeben.

Zweiter Corona-Ausbruch in Hochhaus in Göttingen: Bewohner unter Quarantäne

Update vom Donnerstag, 18.06.2020, 14.42 Uhr: Die Stadt Göttingen hat eine Vielzahl von Maßnahmen beschlossen, um mit der Corona-Masseninfektion in einem Göttinger Hochhaus umzugehen. Unter anderem muss die Hausverwaltung Flure, Treppenhäuser und Fahrstühle ab sofort täglich reinigen und Informationen zu Corona aufstellen. Die etwa 700 Bewohner des Hochhauses stehen unter Quarantäne

Im gesamten Hochhaus gilt jetzt eine Masken-Pflicht. Vor Ort hat die Stadt Göttingen ein mobiles medizinisches Versorgungszentrum eingerichtet, das die hausärztliche Versorgung der Bewohner während der Quarantäne sicherstellen soll. Alle getesteten Bewohner können sich mit einem Nachtest erneut auf eine Corona-Infektion testen lassen.

Corona-Masseninfektion in Hochhaus: 700 Bewohner unter Quarantäne

Mit den Maßnahmen soll der Übertragungsweg des Coronavirus unterbrochen werden. Die Stadt Göttingen behält es sich vor gegebenenfalls weitere Maßnahmen zu treffen.

Erstmeldung vom Donnerstag, 18.06.2020, 12.10 Uhr: Göttingen – Neuerlicher Corona-Ausbruch in Göttingen. 102 Menschen sind infiziert, eine Pressekonferenz läuft. Die Stadt greift jetzt zu einer drastischen Maßnahme, wie hna.de* berichtet.

Neuer Corona-Ausbruch: 102 Menschen in Hochhaus infiziert 

Die Stadt Göttingen wird einen gesamten Wohnkomplex am Rande der Innenstadt ab sofort unter Quarantäne stellen. Der Grund: Corona. Der Massentest am Montag und Dienstag auf Basis von zwei Zufallsbefunden hat 102 positive Infektionen ergeben, wie die Sozialdezernentin der Stadt, Petra Broistedt, am Donnerstagmorgen bekannt gab. Insgesamt waren 700 Bewohnerinnen und Bewohner der Anlage Groner Landstraße 9 getestet worden. Es handelt sich um einen Hochhaus-Komplex, wie Bilder bei Google Maps zeigen.

Neuer Corona-Ausbruch in Hochhaus: Dolmetscher vermittelt

„Die Maßnahme ist alternativlos, es geht darum, weitere Infektionen zu verhindern. Zumal die Anzahl der Kontaktpersonen - vor allem in dem Wohngebäude - hoch ist“, sagte Broistedt auf Anfrage noch vor der offiziellen Bekanntgabe der Quarantäne-Auflage, die über eine Allgemeinverfügung rechtskräftig wird. Die Stadt Göttingen steht nun vor einer Mammut-Aufgabe, denn es gilt zunächst alle Bewohner des Hochhauses zum Thema Corona zu informieren, dafür wird ein Info-Mobil aufgestellt. Dabei sein wird auch ein Dolmetscher, denn viele Menschen in dem Hochhaus sprechen kein Deutsch. 

Neuer Corona-Ausbruch: Hochhaus gilt als sozialer Brennpunkt

„Es werden Ansprechpartner vor Ort sein, auch ist das Info-Telefon mit einem Dolmetscher besetzt“, schilderte Broistedt. Zudem muss auch die Versorgung der Bewohner mit Lebensmitteln und Waren für den häuslichen Gebrauch gesichert werden.

Ordnungskräfte sichern das betroffene Corona-Hochhaus.

„Wir arbeiten mit Ordnungsdienst, Feuerwehr, Polizei und städtischen Einrichtungen zusammen.“ Nach zahlreichen Corona-Infizierten in einem anderen Hochhaus, dem Iduna-Zentrum sind nun zahlreiche Menschen in einem weiteren Wohnblock in Göttingen betroffen. Der Hochhaus-Komplex Groner Landstraße 9 gilt als sozialer Brennpunkt. 

Einen Corona-Ausbruch hat es im Grenzdurchgangslager Friedland bei Göttingen gegeben. Die Bewohner befinden sich nun in häuslicher Quarantäne.

Von Thomas Kopietz und Bernd Schlegel

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