Sterblichkeitsrate bei COVID-19

Ist Corona tödlicher als die Grippe? Neue Metastudie mit eindeutigen Zahlen

Ist Corona tödlicher als Grippe? Laut einer neuen Meta-Studie gibt es maßgebliche Unterschiede bei der Sterblichkeitsrate der beiden Krankheiten.
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Ist Corona tödlicher als Grippe? Laut einer neuen Meta-Studie gibt es maßgebliche Unterschiede bei der Sterblichkeitsrate der beiden Krankheiten.

Ist Corona nun so gefährlich, dass die aktuellen Maßnahmen gerechtfertigt sind? Bei der Beantwortung dieser Frage gehen die Meinungen weit auseinander. Während die einen Corona wie die Pest der Moderne wahrnehmen, sagen die anderen, dass Corona nichts anderes als eine Grippe sei. Aus wissenschaftlicher Sicht liefert eine neue Meta-Studie klare Zahlen.

Die neu im International Journal of Infectious Diseases erschienene Studie setzt sich mit der umstrittenen Sterblichkeitsrate im Zusammenhang mit COVID-19 auseinander. Diese Meta-Studie ist kostenlos einsehbar. In der Studie werden die verschiedenen Erkenntnisse aus einer Vielzahl von separaten Studien zur „infection fatality rate“ - also der Sterblichkeitsrate bei einer Erkrankung, kurz IFR - zusammengetragen und analysiert. Schon im Abstract der Meta-Studie wird darauf hingewiesen, dass diese IFR zu Beginn der Pandemie noch schwer zu erfassen war, da die IFR auch die asymptomatischen Fälle mit einbezieht, die oft zunächst garnicht in die Statistik einfließen. Sie lässt sich erst nach einiger Zeit mittels groß angelegter Antikörpertests feststellen. Der IFR gegenüber steht die „case fatality rate“ (CFR), welche die Zahl der an COVID-19 Verstorbenen in Relation zu der Zahl der erfassten Fälle ist. Nur die CFR war zu Beginn der Pandemie verfügbar und weicht maßgeblich von der IFR ab, da bei ihr die Dunkelziffer nicht einbezogen wird. Das ist Kritikern der Infektionsschutzmaßnahmen schon längere Zeit ein Dorn im Auge.

IFR besser als CFR? Auch die „verlässlichere“ Sterblichkeitsrate gibt zu denken

Die IFR ist also die Zahl, die von Politikern und der breiten Öffentlichkeit als eigentliche Sterblichkeitsrate zur Festlegung der Maßnahmen gefordert wird, heißt es weiter. Bei der IFR wird also auch auf die unproblematischen Verläufe, die oft nicht einmal merken, dass sie Corona haben, eingegangen. Für Kritiker der bisherigen Berichterstattung und der Corona-Politik ist das das zentrale Problem gewesen, da sie in der CFR eine falsche Darstellung der Gefahrenlage sehen.

Nach der Auswahl der belastbarsten und aussagekräftigsten Studien wurden diese hinsichtlich der IFR ausgewertet. Im Abstract der Meta-Studie ist von 24 Studien, welche eingebracht wurden, die Rede. Diese wurden zwischen Februar und Juni 2020 veröffentlicht und peer reviewed (Anm. d. R. Peer Reviewing ist ein Verfahren zur Qualitätssicherung einer wissenschaftlichen Arbeit oder eines Projektes durch unabhängige Gutachter).

Als Ergebnis der Meta-Studie errechneten die beiden Verfasser eine geschätzte IFR (Sterblichkeitsrate) von 0,68% in einem Bereich von 0,53% bis hin zu 0.82%. Soweit so gut, das würde dann bedeuten, dass von 1000 erkrankten Personen im Schnitt 6,8 sterben. Weiter gerechnet stirbt demnach statistisch einer von rund 147 Erkrankten an COVID-19.

Auch Drosten spricht von der IFR nach neuer Studie - Corona 16-mal tödlicher als Grippe

Auch Prof. Dr. Christian Drosten, Leiter des Instituts für Virologie an der Charité Berlin, spricht von den Ergebnissen einer solchen Studie. Besonders das Alter soll auch die Unterschiedlichkeit der Sterblichkeit in verschiedenen Ländern erklären können. Im heute journal vom 27. September spricht der Virologe über die aktuellen Erkenntnisse bei der IFR - zu hören ab Minute Vier oder im Videoausschnitt unten.

Wieso die Sterblichkeit bei vielen Ländern so unterschiedlich ist erläutert Drosten im Interview folgendermaßen: „Wenn man da ganz genau jetzt schaut, sieht man, dass das Alter, das Durchschnittsalter in der Bevölkerung, fast komplett ausreicht, um die Unterschiedlichkeit der Sterblichkeiten in den einzelnen Ländern zu erklären.“

Später geht Drosten auf den oft bemühten Vergleich mit der Grippe ein: „Wenn man nach denselben Methoden für die Influenza die Infektionssterblichkeit berechnet, dann liegt man beispielsweise in den USA bei 0,05 Prozent, [bei Sars-CoV-2] bei 0,8 Prozent, also 16 mal höher als bei der Influenza.“

Im Vergleich mit Deutschland zieht er eine düstere Hochrechnung: „Jetzt ist unsere Bevölkerung noch älter als die der USA, und unsere Infektionssterblichkeit geht nach diesen Kriterien also dann an oder sogar über ein Prozent.“

mda

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