Virologe erklärt Podcast-Pause

Christian Drosten legt im Streit mit Bild-Zeitung nach: „Nicht endende, aggressive Anfragen“

Virologe Christian Drosten pausiert den NDR-Podcast. Auf Twitter wettert er gegen die „Bild“. Zuvor hatte er vor einer zweiten Corona-Welle gewarnt.

  • In der Corona*-Krise ist Christian Drosten berühmt geworden.
  • Der Virologe der Berliner Charité berät unter anderem Bundeskanzlerin Angela Merkel.
  • Christian Drosten*  und Gesundheitspolitiker Karl Lauterbach (SPD) berichten von Morddrohungen.

Update, 24.06.2020, 12.02 Uhr: Virologe Christian Drosten macht mit dem NDR-Podcast Schluss: vorerst. Wie Drosten erklärt, wird es nach 50 Folgen nun eine lange Sommerpause bis Ende August geben. Schnell verbreiteten sich Mutmaßungen in den sozialen Netzwerken, warum Drosten pausiert. Der Virologe hatte beispielsweise am Mittwoch ein lückenhaftes Zitat aus seinem Podcast mit dem Kommentar retweetet: „Ich bin es auch leid.“ 

Jetzt hat Drosten via Twitter das Rätsel selbst gelüftet. Ein Podcast-Zuhörer hatte getweetet, dass er Drosten in der vorangegangenen Folge als „dünnhäutig“ erlebt habe und ihm die Pause jetzt sehr gönne. Darauf reagierte Drosten: „Das sind die nicht endenden, unterstellenden und aggressiven Anfragen der Bild-Zeitung. Fast jeden Tag kostet das mich, die Pressestelle der Charité, sowie zwei Medienanwälte Stunden unserer Arbeitszeit. Seit über einem Monat geht das so.“  

Virologe Christian Drosten warnt vor zweiter-Corona Welle: „Ich bin nicht optimistisch“

Update, 23.06.2020, 19.00 Uhr: Der Virologe Christian Drosten befürchtet nach Corona-Ausbrüchen unter anderem in Nordrhein-Westfalen eine unbemerkte Ausbreitung des Coronavirus in die Bevölkerung. Die Verbreitung über die Gegend hinaus zu verhindern, sei jetzt das Entscheidende, sagte der Charité-Wissenschaftler am Dienstag im NDR-Podcast. Generell gebe es aktuell in mehreren Orten, darunter auch in Berlin, eindeutige Anzeichen, dass Sars-CoV-2 wieder komme. 

Schon jetzt ist aus Sicht des Virologen große Vorsicht geboten, dass sich keine zweite Welle entwickelt. Er verwies auf die Lage in den Südstaaten der USA, wo sich trotz hoher Umgebungstemperaturen eine „furchtbare Situation“ entwickle. Dort sei zu früh gelockert worden. 

„Ich bin nicht optimistisch, dass wir in einem Monat noch so eine friedliche Situation haben wie jetzt, was die Epidemietätigkeit angeht“ sagte Drosten. „In zwei Monaten, denke ich, werden wir ein Problem haben, wenn wir nicht jetzt wieder alle Alarmsensoren anschalten.“ Die Bevölkerung müsse einsehen, dass die Gesundheitsbehörden Unterstützung und Konsens benötigten. 

Drosten bleibt bei These zu Corona-Verbreitung durch Kinder - Vorsicht bei Lockerungen

Update, 03.06.2020, 10.00 Uhr: In einer überarbeiteten Fassung seiner Studie zur Infektiosität von Kindern während der Corona-Krise hält das Forscherteam um den Berliner Virologen Christian Drosten an seiner grundlegenden Aussage fest. Es gebe keine Hinweise darauf, dass Kinder im Bezug aufSars-CoV-2 nicht genauso ansteckend seien wie Erwachsene, heißt es in der aktualisierten Version der Studie. In der Publikation heißt es, es würden „Vorsicht und sorgfältige Überwachung“ bei der Aufhebung der derzeitigen Einschränkungen empfohlen.

„In der neuen Version der Studie werden die Kommentare, die es zur statistischen Analyse der ersten Fassung gab, aus meiner Sicht überzeugend eingearbeitet“, urteilt Christoph Rothe, Statistiker von der Universität Mannheim auf Anfrage der Presse nach einer ersten Durchsicht der überarbeiteten Ergebnisse. Er gehörte zu den Forschern, die die statistischen Methoden in der ursprünglichen Analyse kritisiert hatten.

Der Statistiker Dominik Liebl von der Uni Bonn, der sich ebenfalls mit der ersten Version derDrosten-Studie auseinandergesetzt hatte, schreibt auf dpa-Anfrage: Der methodische Teil der statistischen Analyse in der neuen Version sei aus seiner Sicht deutlich verbessert worden. Und Liebl ergänzt: „Auch die neue Version des Preprints wird sicherlich weiterhin in der Wissenschaft diskutiert werden, und dies ist auch gut so.“

„Bild“ rechtfertigt Berichterstattung über Droste

Update, 29.05.20, 15.46 Uhr: Julian Reichelt, Chefredakteur der „Bild" hat seine Berichterstattung über die Arbeit des Virologen Christian Drosten gerechtfertigt. Drosten hatte dem Medium zuvor vorgeworfen, eine „Kampagne“ gegen ihn zu fahren. Hintergrund war die Kritik der Bild an einer seiner Studien. Die Zeitung unterstellte Drosten „fragwürdige Methoden“. Reichelt entgegnete nun, dass die „Anti-Drosten-Kampagne“ frei erfunden sei. Die Berichterstattung über Drosten sei vollkommen gerechtfertigt, wohingegen andere Medien nun eine Kampagne gegen die „Bild“ angezettelt hätten. Im Bezug auf Drostens Einfluss auf die Bundesregierung sprach Reichelt von „Heiligenverehrung“. 

In einem Interview mit dem „Spiegel“ entgegnete Christian Drosten, dass die „Bild“ in seinem Alltag nicht vorkomme. Der Wissenschaftler bekräftigte seine Kritik an der Berichterstattung der „Bild“. Die Zeitung habe von Anfang an tendenziöse Artikel geplant. Dennoch habe er von einigen Statistikern nützliche Hinweise für die Verbesserung seiner Studie bekommen. 

Drosten sieht Chance, ohne tödliche zweite Welle durch Herbst und Winter zu kommen

+++ 18.05 Uhr: Eine heftige zweite Corona-Welle könnte nach Einschätzung des Virologen Christian Drosten abgewendet werden. Er glaube so langsam, dass es eine Chance gebe, ohne Impfung glimpflich in Herbst und Winter zu kommen, „sprich: ohne eine tödliche neue zweite Welle“, sagte der Wissenschaftler von der Berliner Charité am Donnerstag (28.05.2020) im NDR-Podcast. Dafür sei es nötig, bei den jetzigen Maßnahmen nachzujustieren. Abzielen solle man dabei nach dem Vorbild Japans stark auf das frühe Erkennen sogenannter Superspreading-Events: Fälle, in denen ein Infizierter überdurchschnittlich viele weitere Menschen mit Corona ansteckt.

Kontaktpersonen sollten dann ohne vorherige Diagnostik als infiziert betrachtet und isoliert werden, um weitere Ansteckungen zu verhindern. Zeige sich zum Beispiel eine Corona-Infektion bei einem Lehrer, schaue man sich an, welche Klassen er zuletzt unterrichtete – diese Schüler müssten dann ein oder zwei Wochen zu Hause bleiben, aber man müsse nicht die ganze Schule schließen, so Christian Drosten. Japans Infektionskurve „krieche“ nach unten, lange habe man dort aber nicht offensiv die Strategie kommuniziert.

Der Virologe Christian Drosten betonte, auch viele der derzeit in Deutschland bereits geltenden Maßnahmen verhinderten mögliche Superspreading-Events. Angenommen werde inzwischen, dass der Großteil der Corona-Infizierten nur sehr wenige oder keine anderen Menschen anstecke.

Streit unter Virologen: Drosten wehrt sich gegen Kekulé

Update vom Donnerstag, 28.05.2020, 09.05 Uhr: Im Streit um die Studie, die sich mit der Ansteckung von Kindern mit dem neuartigen Coronavirus befasst, hat sich der Virologe Christian Drosten gegen die Vorwürfen seines Kollegen Alexander Kekulé gewehrt. Die Aussagen von Kekulé, die dieser im „Tagesspiegel“ tätigte, bezeichnete Drosten als „tendenziös“, da Kekulé die in der Studie verwendeten Daten nicht kenne und demnach falsch zitiere. Kekulé hatte seinerseits kritisiert, dass die Studie von Drosten der wissenschaftlichen Grundlage entbehre. 

Virologe Drosten erklärt, wie wir im Sommer trotz Corona fast zur Normalität zurückkehren können

Update vom Mittwoch, 27.05.2020, 12.54 Uhr: Kann (oder darf) Deutschland schon jetzt im Sommer trotz der Corona-Krise weitestgehend zur Normalität zurückkehren? Virologe Christian Drosten hält das tatsächlich für machbar – sogar ohne Impfung

Zuletzt hatte Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linke) für Aufsehen gesorgt. Sein Plan für den Juni: Die allgemeinen Corona-Beschränkungen in Thüringen aufheben. Dafür erntete der Politiker viel Kritik, auch aus den eigenen Reihen. 

Auch Drosten hält es für möglich, dass die Menschen im Sommer in ihrem Alltag von der Corona-Pandemie nicht mehr allzu viel zu spüren bekommen. „Das ist vielleicht sogar das Wichtigste, was wir hier heute besprechen“, betonte der Virologe im NDR-Podcast

Virologe Christian Drosten erklärt: So kriegen wir die Corona-Krise im Sommer in den Griff - auch ohne Impfung

Mehr noch, es bestehe die Hoffnung, dass man durch „diese jetzt bekannt werdende schiefe Verteilung der Infektionshäufigkeiten vielleicht einen so großen Lerneffekt hat, dass man in bestimmte Risikogruppen in der Bevölkerung ganz besonders investiert, was die Verfolgung und das Isolieren von Kontaktpatienten angeht. Wenn man sich klarmacht, dass vielleicht 20 Prozent der Infizierten 80 Prozent der Sekundärfälle infizieren, dann muss man ja nur in diesem Bereich besonders intervenieren“.  

So müsse man „in diese Risikobereiche investieren“. Denn dann habe man es „viel einfacher, die Gesamt-Epidemie in den Griff zu kriegen – sogar ohne Impfung.“ 

Corona: Christian Drosten und Karl Lauterbach (SPD) erhalten Morddrohungen 

Update vom Dienstag, 26.05.2020, 18.50 Uhr: Der Virologe Christian Drosten und der Gesundheitspolitiker Karl Lauterbach (SPD) haben Drohpakete erhalten. Lauterbach teilte einen Beitrag auf Twitter, der ein Foto eines an ihn versendeten Päckchens zeigte. Das Foto zeigt auch einen Behälter, auf dem vermeintlich das positive Ergebnis eines Corona-Tests vermerkt ist. „Trink das, dann wirst du immun“, schrieb der unbekannte Absender.

Karl Lauterbach schreibt dazu: „Morddrohungen bis zu Beleidigungen aller Art, einige von uns müssen viel hinnehmen. Daher sollte jeder mit Restbestand von Charakter die Hetze im Netz gegen Virologen, Epidemiologen oder Politiker einstellen. Es animiert Leute, die unberechenbar sind. Denkt an unsere Familien.“ Anschließend teilte Christian Drosten den Beitrag und kommentierte, dass er dasselbe Paket auch bekommen habe.

Karl Lauterbach bezog sich nochmals auf den Retweet von Drosten. „Lieber Christian Drosten, es ist traurig, dass es Hetzer gibt, die so etwas verantworten. Aber die überwältigende Mehrheit der Bevölkerung weiß Ihre Arbeit zu schätzen. Mit mir angefangen“.

Virologe Christian Drosten warnt: Lockerungen in Corona-Krise wie „Tanz mit einem Tiger“

Update vom 15.05.2020, 14.59 Uhr: Die Lockerungen in Deutschland in Zeiten der Corona-Krise bezeichnet Virologe Christian Drosten als „Tanz mit einem Tiger“. Denn nun gelte es, Stück für Stück herauszufinden, wo man dem Tier die Leine lösen kann, ohne dass es gleich über einen herfällt, betonte er im NDR-Podcast. 

In Bezug auf die Lockerungen bedeute das etwa, dass man beobachten muss, wie sich die Rückkehr erster Jahrgangsstufen zur Schule in einem Monat auswirken. Blieben Negativ-Entwicklungen aus, könne man möglicherweise nachregulieren. Zudem erklärte Drosten, dass es bei der Abwägung zwischen Gesundheitsschutz und wirtschaftlichen Interessen einen „goldenen Mittelweg“ gebe. Dabei bezieht er sich auf eine am Mittwoch veröffentlichte Studie des Ifo-Instituts für Wirtschaftsforschung und des Helmholtz-Zentrums für Infektionsforschung.

Virologe Christian Drosten klagt über Verschwörungstheorien in der Corona-Krise

Update vom 13.05.2020, 7.35 Uhr: Der Berliner Virologe Christian Drosten übt scharfe Kritik an Falschinformationen zur Corona-Pandemie im Internet. In sozialen Medien kursierten zum Beispiel millionenfach abgerufene Videos, die „voller Unsinn“ und „falscher Behauptungen“ seien, sagte der Charité-Wissenschaftler am Dienstag im NDR-Podcast. Zum Teil seien Ärzte und Professoren dabei, „die irgendeinen Quatsch in die Welt setzen“, ohne je zu den Themen gearbeitet zu haben. Namen nannte Drosten nicht. Hinzu kämen „richtige Verschwörungstheoretiker“. Der Virologe schilderte, er bekomme ein Echo zurück in Form von Anschuldigungen, Fragen und Ideen, die Menschen auf Grundlage von Verschwörungstheorien entwickelten. 

Der Virologe Drosten betonte, er stehe derzeit in der Öffentlichkeit, weil Coronaviren sein absolutes Spezialgebiet seien. Zu anderen Themen würde er sich nicht in dem Umfang äußern. Was er höre, zum Teil von „scheinbaren Fachleuten“, deren Expertise in anderen Bereichen liege, entbehre oft jeder Grundlage, sagte der Virologe. Dadurch werde auch „wirklich gefährlichen Verschwörungstheoretikern“ mit teils politischer Agenda der Rücken gestärkt. Drosten rügte das als „unverantwortlich“.

Virologe Christian Drosten sieht Deutschland in „guter Situation“, aber hat auch Sorgen

Update vom 07.05.2020, 17.36 Uhr: Der Berliner Virologe Christian Drosten hat sich zufrieden mit der deutschen Lage in der Corona-Pandemie gezeigt, ist mit Blick auf die Zukunft aber auch besorgt. „Wir sind hier in Deutschland in einer einmalig guten Situation jetzt im Moment. Wir haben ganz viel geleistet“, sagte der Charité-Wissenschaftler am Donnerstag im NDR-Podcast. Er könne vielen der jetzigen politischen Entscheidungen zustimmen, auch wenn er sich aus wissenschaftlicher Sicht noch ein etwas weiteres Eindämmen vor den Lockerungen gewünscht hätte. „Ich glaube, es ist schon nicht so schlecht, wie wir das machen in Deutschland.“

Christian Drosten blickt demnach aber mit Sorge in Richtung Herbst und Winter: Er frage sich was passiert, wenn man nun sehr glimpflich über den Sommer kommen sollte, bis zum Herbst aber immer noch kein spezifisches Medikament zur Verfügung habe: „Dann können wir eben in eine Winterwelle kommen und darüber mache ich mir schon Sorgen“, sagte der Virologe. Das gelte auch für die Corona-Ausbreitung im globalen Süden, in Ländern wie Indien etwa. „Auch der Blick in die USA ist nicht optimistisch für mich“, betonte Drosten.

Virologe Christian Drosten warnt: „Schulöffnungen bleiben riskant“

Update vom 07.05.2020, 10.56 Uhr: Virologe Christian Drosten hält Schulöffnungen in Zeiten von Corona nach wie vor für riskant. In seinem Podcast beim NDR warnt er vor vorschnellen Interpretationen. Studien, wonach sich Kinder möglicherweise seltener mit dem Coronavirus anstecken als Erwachsene, seien bisher nur Hinweise, aber wissenschaftlich noch nicht ausgewertet. 

Die Wissenschaft stehe derzeit unter hohem politischen Druck, Daten zu liefern. In Bezug auf Schulöffnungen würde Drosten nach seinem „Bauchgefühl für Daten“ empfehlen, erst Grundschulen und Kitas zu öffnen. Allerdings könne er auch verstehen, dass man jetzt die Abiturprüfungen und andere Abschlussprüfungen durchziehen wolle.

Virologe Christian Drosten: Kinder vermutlich genauso ansteckend wie Erwachsene

Update vom 30.04.2020, 14.17 Uhr: Wie ansteckend sind Kinder in der Coronavirus-Pandemie? Eine Studie des Virologe Christian Drosten legt nahe, dass Kinder vermutlich genauso ansteckend sind wie Erwachsene. Forscher der Berliner Charité fanden keinen Unterschied in der Viruslast zwischen verschiedenen Altersgruppen in Deutschland.

Auf Twitter teilte Drosten nun als „Gegenstück“ zu seiner eigenen Studie einen Artikel des Magazins „Science“ zu einer Studie internationaler Forscher, die zu einem anderen Ergebnis kommen. In dem Artikel heißt es, dass Kinder zwischen 0 und 14 Jahren weniger anfällig für eine Infektion mit dem Sars-CoV-2-Virus sind als Menschen zwischen 15 und 64 Jahren. Besonders anfällig seinen im Verhältnis Erwachsene über 65 Jahren.

Nach dieser Studie könne das Infektionsrisiko von Kindern bei einer Exposition mit dem Coronavirus etwa ein Drittel des Risikos von Erwachsenen betragen, schreibt Drosten - und entschuldigt sich für die „Vereinfachung“ des Studienergebnisses.

Virologe Christian Drosten: Kinder vermutlich genauso ansteckend wie Erwachsene

Update vom 30.04.2020, 13.50 Uhr: Der Virologe Christian Drosten und seine Kolleginnen und Kollegen der Berliner Charité haben eine Studie zur Rolle von Kindern in der Coronavirus-Pandemie vorgelegt. Wichtigste Erkenntnis: Kinder sind einer Analyse in Deutschland zufolge  vermutlich genauso ansteckend wie Erwachsene. 

Die Zahl der Viren, die sich in den Atemwegen nachweisen lässt, unterscheide sich bei verschiedenen Altersgruppen nicht, berichten Forscher um den Virologen Christian Drosten in der vorab veröffentlichten und noch nicht von unabhängigen Experten geprüften Studie. 

Die Folgerung der Wissenschaftler: Christian Drosten und seine Kollegen warnen aufgrund ihrer Ergebnisse vor einer uneingeschränkten Öffnung von Schulen und Kindergärten in Deutschland.

Christian Drosten warnt vor uneingeschränkter Öffnung von Schulen

Die Maßnahmen zur Eindämmung der Coronavirus-Pandemie zeigten in vielen Ländern Wirkung, schreiben die Forscher. Mit Lockerung der Kontaktbeschränkungen gebe es vermehrt auch Diskussionen darüber, inwieweit die Schließung von Schulen und Kindergärten zu diesem Erfolg beigetragen hat - und wie sich eine Wiedereröffnung auf die Ausbreitung des Virus auswirken könnte. 

Bisher sei unklar, inwieweit Kinder das Virus an andere weitergeben. Die Untersuchung dieser Frage sei schwierig, gerade weil die Schulen früh geschlossen wurden und weil das Virus vor allem in der Anfangsphase der Epidemie vor allem von erwachsenen Reisenden weitergegeben wurde.

Das Team um den Virologen Christian Drosten hatte nun in Proben von 3712 Infizierten, die zwischen Januar und 26. April in einem Berliner Testzentrum untersucht wurden, die Menge an Sars-CoV-2-Viren bestimmt. Sie fanden keinen Unterschied in der Viruslast zwischen verschiedenen Altersgruppen. Bei der Beurteilung der Ansteckungsgefahr in Schulen und Kindergärten müssten die gleichen Annahmen zugrunde gelegt werden, die auch für Erwachsene gelten, schreiben die Forscher.

Drosten widerspricht Lockdown-Kritikern: „Schauen nur auf das, was hier passiert“

Update vom 29.04.2020, 13.54 Uhr: Kaum jemand ist in Deutschland in diesen Tagen so gefragt wie Virologe Christian Drosten. Seine Warnungen vor Lockerungen der Corona-Maßnahmen in Deutschland kommen jedoch nicht überall gut an. Gegenüber dem englischen „Guardian“ hatte Drosten sogar von erhaltenen Morddrohungen berichtet. 

Dabei seien „halbleere Intensivstationen“ in deutschen Krankenhäusern ein gutes Zeichen. Personen würden früh getestet und die Epidemie so gestoppt. Doch genau aus diesem Grund sehen viele Menschen Maßnahmen wie Maskenpflicht oder Kontaktverbot als übertrieben oder gar sinnlos an. „Nun kommt, was ich das ‚Präventions-Paradox‘ nenne“, erklärt Drosten der britischen Zeitung. „Die Leute behaupten, wir hätten überreagiert.“

Virologe Christian Drosten über Kritik an Corona-Maßnahmen: „Schauen nur auf das, was hier passiert“

Drosten sieht das anders: „Sie verstehen nicht, warum ihre Geschäfte schließen müssen. Sie schauen nur auf das, was hier passiert – nicht auf die Situation in anderen Ländern, etwa in New York oder Spanien.“ 

Unterstützung erhält Drosten unter anderem von Soziologe Armin Nassehi. Im Interview mit „Deutschlandfunk“ erklärt er, wie schwer es sei, korrekte Entscheidungen zu treffen und gleichzeitig in der Bevölkerung auf Verständnis zu stoßen. 

Das Problem an den Corona-Maßnahmen sieht er an anderer Stelle: „Man sieht die Schäden nicht, die ausgeblieben sind. Und womöglich steht uns das noch mal bevor.“

Virologe Christian Drosten über Lockerungen der Corona-Maßnahmen: „Lockdown könnte wieder drohen“

Update vom 28.04.2020, 11.45 Uhr: Nach seinem Interview mit dem englischen „Guardian“ hat der deutsche Top-Virologe Christian Drosten gegenüber ORF vor weiteren Lockerungen in Zuge der Corona-Krise gewarnt. Die Infektionszahlen würden wieder leicht steigen. Das stehe „möglicherweise in Zusammenhang mit dem Osterwochenende, wo vielleicht schon trotz Kontaktsperren einige Leute es nicht mehr so strenggenommen haben“. 

Das bringe für die kommenden Wochen viel Unsicherheit. Schließlich spielen die Lockerungen des Kontaktverbots nach Ostern in den aktuellen Fallzahlen noch keine Rolle. Daher warnt Drosten vor Effekten, die von der Politik so nicht beabsichtigt waren. Droht jetzt also eine zweite Welle in Deutschland? „Wir müssen mit sowas jetzt leider rechnen.“ 

Christian Drosten warnt vor Corona-Krise: Lockdown könnte wieder drohen

Dabei betont Drosten allerdings auch, dass ihm durchaus bewusst sei, welche Auswirkungen die Corona-Maßnahmen auf die Wirtschaft haben. Er spreche aber als Wissenschaftler. 

Wie der Virologe erklärt, könnte der Sommer im Kampf gegen die Corona-Pandemie helfen. Sonneneinstrahlung, Trockenheit, Menschen im Freien: All das könnte zu weniger Infektionen führen. Dadurch würde die Bevölkerung jedoch auch weniger Immunität für den Winter aufbauen. „Dann könnte wieder der Lockdown drohen“, warnt Drosten beim ORF.

Virologe Christian Drosten lobt Angela Merkel in Corona-Krise

Update vom 27.04.2020, 20.15 Uhr: In seinem Interview mit dem britischen „Guardian“ spricht der Virologe Christian Drosten auch über Bundeskanzlerin Angela Merkel und ihre Rolle in der Corona-Krise. Die CDU-Politikerin sei „extrem gut informiert“, lobt der Virologe. Es helfe, dass sie Wissenschaftlerin sei und mit Zahlen umgehen könne. Die größte Rolle spiele aber Merkels nachdenklicher und beruhigender Charakter, sagt Drosten. 

Erstmeldung vom 27.04.2020, 17.30 Uhr: Berlin - Er ist ein gefragter Mann - und wird nun beschimpft und bedroht: Der in der Corona-Krise viel in den Medien präsente Virologe Christian Drosten wird nach eigenen Angaben mit dem Tod bedroht. Für viele Deutsche sei er der Böse, der die Wirtschaft lahmlege, sagte der Wissenschaftler von der Berliner Charité in einem Interview der britischen Zeitung „Guardian“

Corona-Experte Drosten: „Für viele bin ich der Böse“

Drosten sagte, er leite die Drohungen an die Polizei weiter. Nachts wach hielten ihn allerdings vielmehr die E-Mails von Eltern, die ihm von ihren Sorgen vor der Zukunft berichteten. 

Im Interview mit der britischen Tageszeitung schildert Drosten auch seine Gedanken, warum Leute in der Corona-Krise so auf ihn reagieren. „Die Leute in Deutschland sehen, dass ihre Krankenhäuser nicht überrannt werden, und sie verstehen nicht, warum die Geschäfte dann geschlossen bleiben müssen. Sie schauen nur auf ihre Situation, nicht nach New York oder Spanien.“

Christian Drosten: Virologe klagt über Drohungen in Corona-Krise

Der Experte für Coronaviren hatte schon vor einiger Zeit in seinem NDR-Podcast berichtet, dass er Hassbotschaften bekomme. In dem Interview spricht er von einem „Präventionsparadox“ in Deutschland: Die Menschen sähen, dass die Krankenhäuser die Lage bewältigen können und hätten daher kein Verständnis für die Geschäftsschließungen. Der Blick auf die Lage in stark von Sars-CoV-2 betroffene Regionen wie New York oder Spanien fehle. 

Aus Sicht Christian Drostens sind es gerade die frühzeitig getroffenen Maßnahmen, die hierzulande Schlimmeres verhindert haben. Er warnte zuletzt vor Rückschlägen im Kampf gegen das neue Virus bei einem zu sorglosen Umgang mit dem Erreger: Es drohe eine zweite, schlimmere Infektionswelle.

sbh/dpa

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