Onkologe mit düsterer Prognose

Drastischer Patienten-Schwund wegen Corona? Kardiologie spricht von gefährlicher Entwicklung

Derzeit beobachten Kliniken rückläufige Patientenzahlen. Viele Menschen lassen sich aus Angst vor dem Coronavirus nicht untersuchen, was sehr riskant sein kann.

München - Die Bevölkerung Deutschlands hat in den vergangenen Wochen einiges an sichtbarer Veränderung erlebt, die das Coronavirus* mit sich gebracht hat. Doch die Verunsicherung innerhalb der Gesellschaft ist gleichzeitig gewachsen, sodass sich viele Menschen wohl aus Angst vor einer Virusinfektion* trotz Behandlungsbedarf nicht in ein Krankenhaus begeben. Ärzte beobachten einem Bericht der Welt zufolge eine bedrohliche Entwicklung.

Rückgang der Klinik-Patienten: Angst vor Corona-Infektion birgt Risiken

Siegfried Hasenbein ist Geschäftsführer der Bayerischen Krankenhausgesellschaft in München. „Wir stellen fest, dass Diagnosen wie Schlaganfall-Verdacht, Herzinfarkt oder Blinddarmentzündung deutlich nachgelassen haben“, sagte er gegenüber der Welt. Das gelte auch für Krebspatienten. Dabei sollen nach Angaben der örtlichen Krankenhausgesellschaft durchschnittlich 40 bis 60 Prozent der Betten in Bayerns Krankenhäusern frei stehen. „Auch auf den Intensivstationen sind noch Kapazitäten frei“, merkte Hasenbein an. Bundesweit sollen nach Schätzungen 150.000 Betten frei stehen. 

Zu der Problematik gibt es zwar noch keine genauen Statistiken, jedoch scheint es ein bundesweites Problem zu sein. Am Klinikum Nürnberg verzeichnete laut dem Bericht einen deutlichen Rückgang einzelner Diagnosen. Das soll sich vor allem nach der elften Kalenderwoche bemerkbar gemacht haben. „In die kardiologische Notaufnahme kommen zwischen 20 und 30 Prozent weniger Patienten zur Abklärung unklarer Brustschmerzen“, so das Klinikum. In der neurologischen Notaufnahme war besonders der Rückgang von 30 Prozent der Verdachtsfälle auf einen Schlaganfall zum Vorjahr auffällig.

Coronavirus: 25-prozentiger Rückgang bei Herzinfarkt-Einlieferungen 

Gegenüber der Welt meinte ein Sprecher der DAK-Gesundheit, dass die Anzahl der Menschen, die mit einem Herzinfarkt in eine Klinik eingeliefert werden, im März um 25 Prozent zurückgegangen sind. Verglichen wurde die Zahl im Rahmen einer Sonderanalyse mit den März-Daten der vergangenen beiden Jahre. Dass sich die Fallzahlen aufgrund des Coronavirus* verringern, ist ausgeschlossen. 

Ein Sprecher der nordrhein-westfälischen Krankenhausgesellschaft meinte, „es muss vermieden werden, dass Angst vor dem Virus* andere Krankheiten oder Todesfälle verursacht.“ Doch Niels Reinmuth, Chefarzt für Thorakale Onkologie an der Asklepios Fachklinik in Gauting, erlebt genau das. Der Lungenkrebs-Spezialist meint, „wenn man akuten Behandlungsbedarf nicht erkennt, riskiert man möglicherweise lebensbedrohliche Probleme“. Denn er weiß, „bei einem Tumor kann eine Verzögerung bedeuten, dass die Erkrankung gar nicht mehr oder mit sehr viel schlechteren Heilungschancen behandelt werden kann.“ Darum beunruhigt die Situation den Onkologen. „Wir haben die Sorge, dass wir im Sommer viele Patienten bekommen werden, die besser vier Monate früher gekommen wären“.

Bayerns Gesundheitsministerin Huml: „Unbedingt vom Arzt untersuchen lassen“

Was meint Bayerns Gesundheitsministerin Melanie Huml zu dieser Problematik? „Wer Symptome etwa auf einen Herzinfarkt oder auf eine andere schwerwiegende Erkrankung verspürt, sollte sich unbedingt vom Arzt untersuchen lassen“, rät die CDU-Politikerin.  

Aus ärztlicher Sicht besorgniserregend ist der unerwartete Rückgang der Patienten mit akuten Symptomen. Dabei tun die Häuser alles, um die Ansteckungsgefahr zu minimieren: Corona-Infektionen werden getrennt von allen anderen Patienten behandelt.

Rubriklistenbild: © dpa / Hauke-Christian Dittrich

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