Alle Antworten auf die entscheidenden Fragen

Corona-Impfstoff ist einsatzbereit – aber wie geht es jetzt weiter in Bayern?

Corona Impfung Karte Bayern
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Die Impfungen gegen Corona beginnen am 27. Dezember.

Berlin/München - Nach Weihnachten sollen in Deutschland und der EU Impfungen mit dem Präparat von Biontech/Pfizer beginnen. Wissenschaft und Politik sehen die Chance auf ein Ende der Corona-Pandemie. Die wichtigsten Fragen und Antworten im Überblick:

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) stellte die Bürger aber auf Anlaufschwierigkeiten bei den Impfungen ein: „Es wird am Anfang ruckeln. (...) Wir sind bestmöglich vorbereitet, aber jetzt wird‘s konkret.“ Beim Hochfahren der Impfzentren werde es darauf ankommen, miteinander zu lernen (News-Ticker Dienstag, 22. Dezember).

Es werde zunächst auch nur wenig Impfstoff geben, betonte der Minister: „Es ist halt zu Beginn für alle knapp. Aber das war im Übrigen auch immer bekannt.“ In Großbritannien, wo die Impfungen bereits gestartet sind, wurden in den ersten zwölf Tagen rund 300.000 Menschen geimpft. Spahn ist zuversichtlich, dass in Deutschland diese Marke auch geschafft wird: „Das werden wir auch in den ersten Tagen erreichen können.“

Auch Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) bat um Geduld: „Es wird alles getan, aber Fakt ist, es wird seine Zeit brauchen.“ Die Infrastruktur für die wahrscheinlich am 27. Dezember beginnenden Massenimpfungen stehe zwar inzwischen, doch die Produktionskapazitäten für den Impfstoff seien noch beschränkt. „Das wird eine große, zusätzliche Geduldsprobe werden für uns alle“, so der Ministerpräsident. Außerdem sei unklar, wie viele Menschen sich dann tatsächlich impfen lassen werden, wenn sie an der zuvor festgelegten Reihe sind. Söder warnte in diesem Zusammenhang vor Falschinformationen und Verschwörungstheorien.

rosenheim24.de hat die wichtigsten Fragen & Antworten zum Corona-Impfstoff im Überblick zusammengestellt.

Wie viele Impfdosen erhält Deutschland?

Anfänglich soll es rund 400.000 Dosen des Mittels BNT162b2 von Biontech/Pfizer geben. Im Januar könnten nach Angaben des Bundesgesundheitsministeriums drei bis vier Millionen Dosen zur Verfügung stehen. Im ersten Quartal rechnet Gesundheitsminister Spahn mit 11 bis 13 Millionen Impfdosen. Da das Präparat zweimal verabreicht werden muss, würde diese Menge in etwa für 5,5 bis 6,5 Millionen Menschen reichen. Insgesamt hat sich der Bund über einen EU-weiten Schlüssel und nationale Vereinbarungen bisher rund 300 Millionen Dosen gesichert - von Biontech und anderen Herstellern.

Wie wird der Impfstoff in Deutschland verteilt?

Der Bund lässt das Präparat je nach Bevölkerungsanteil an insgesamt 27 feste Standorte in den Bundesländern liefern. Ab dann sind die Länder für Lagerung und Verteilung sowie die Beschaffung von Impfzubehör wie Lösungsmittel, Spritzen und Kanülen zuständig. Allerdings ist die Logistik schwierig: Die Impfdosen müssen teilweise bei minus 70 Grad gelagert werden. In speziell entwickelten Versandboxen kann das Präparat bei diesen Temperaturen bis zu 15 Tage transportiert werden. Im Kühlschrank ist eine Lagerung bis zu fünf Tage möglich.

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Wo werden die Impfungen durchgeführt?

In der Anfangsphase in regionalen Impfzentren, die von den Ländern eingerichtet und betrieben werden. Eine Kühlung von minus 70 Grad ist nicht in jeder Arztpraxis möglich. Bis zu 442 Impfzentren sollen deutschlandweit zur Verfügung stehen. Zehntausende Ärztinnen und Ärzte sowie weitere Helfer haben sich für Einsätze gemeldet. Mobile Impfteams sollen etwa in Pflegeheime und Krankenhäuser gehen.

Wann gibt es die ersten Impfungen?

Nach der Freigabe durch die Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA) und der Zulassung der EU-Kommission will Deutschland ab dem 27. Dezember mit Impfungen starten. In den Tagen dazwischen will das bundeseigene Paul-Ehrlich-Institut (PEI) die Impfchargen prüfen und freigeben.

Wirkt der Impfstoff bei der neu aufgetauchten Mutation schlechter?

Vermutlich nicht. „Ich sehe da derzeit keinen Grund für Alarm“, sagt Richard Neher vom Biozentrum der Universität Basel. Auch Andreas Bergthaler von der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (CeMM) in Wien, hält die derzeitige Entwicklung nicht für „wahnsinnig alarmierend“. Dass Mutationen auftauchen, sei nicht ungewöhnlich, hieß es.

Wer kann sich zuerst impfen lassen?

Nach der Impfverordnung des Bundes sollen anfangs Ältere über 80 Jahre und Pflegeheimbewohner zum Zuge kommen können, zudem Personal etwa in Notaufnahmen oder Corona-Stationen sowie in der Altenpflege. Insgesamt umfasst diese Gruppe der Ständigen Impfkommission (Stiko) beim Robert Koch-Institut (RKI) zufolge rund 8,6 Millionen Menschen. Zu denen, die am wenigsten dringlich zu impfen sind, gehören im Allgemeinen Menschen unter 60 Jahre, die weder Vorerkrankungen haben, noch mit Risikopatienten in Kontakt kommen oder berufsbedingt viele Menschen treffen. Das entspricht etwa 45 Millionen Menschen.

Wie kommt man zu einer Impfung?

Das ist nur mit Termin möglich, allerdings gibt es in Deutschland einen Flickenteppich. Denn die Terminvergabe regeln die Bundesländer. In Bayern erfolgt die Terminvergabe laut Gesundheitsministerium über die Impfstelle oder im Laufe des Januars 2021 online über die Webseite des Ministeriums. Zudem soll an jedem Impfzentrum eine entsprechende Hotline geschalten werden. Die Impfzentren werden die Termine zur Impfung an entsprechend priorisierte Personengruppen je nach Verfügbarkeit vergeben, hieß es.

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Ab wann gibt es Massenimpfungen?

In den ersten Wochen werden vorerst nur begrenzte Mengen an Dosen verfügbar sein. Die Impfzentren dürften daher zunächst nicht unter Volllast fahren. In welchem Maße die Standorte hochgefahren werden, hängt von den Ländern ab. Spahn rechnet mit genug Impfstoff für Massenimpfungen im kommenden Sommer.

Muss man für die Impfung bezahlen?

Nein. Sie soll gratis sein, egal ob und wie jemand versichert ist. Die Kosten für die Impfstoffe übernimmt der Bund. Dafür stehen im Etat 2021 zunächst 2,7 Milliarden Euro bereit. Die Kosten rund um die Impfungen insgesamt taxiert Spahn auf bis zu sechs Milliarden Euro.

Ist man nach der Impfung tatsächlich immun?

Eine erste Impfung bringt dem PEI-Präsidenten Klaus Cichutek zufolge eine Grundimmunisierung. Nach drei bis vier Wochen erfolgt eine zweite Impfung. Voraussichtlich zwei bis drei Wochen danach sei voller Schutz aufgebaut. Den bisherigen Analysen und Tests zufolge schützt das Biontech-Serum wohl mit 95-prozentiger Wirkung vor einer Covid-19-Erkrankung.

Ist mit Nebenwirkungen zu rechnen?

Müdigkeit, Kopfweh, Schmerzen an der Einstichstelle - auf mögliche, übliche Impf-Nebenwirkungen muss man sich einstellen. Das geht aus einer jüngst im „New England Journal of Medicine“ veröffentlichten Studie zum Biontech-Präparat hervor. Weitere Symptome: Schüttelfrost, Durchfall oder Muskel- und Gliederschmerzen, teilweise auch Fieber. Diese waren im Allgemeinen schwach bis mäßig und klangen nach kurzer Zeit wieder ab.

Wird es eine Impfpflicht geben?

Nein. Eine allgemeine Impfpflicht hat die Bundesregierung klar ausgeschlossen. Auch für Berufsgruppen in Medizin und Pflege steht sie bisher nicht zur Debatte. Der Gießener Jura-Professor Steffen Augsberg, Mitglied im Deutschen Ethikrat, wollte ein solches Vorgehen aber nicht ausschließen: Wenn sich mit anderen Maßnahmen das Infektionsgeschehen zum Beispiel auf Intensivstationen nicht in den Griff bekommen lasse, „dann kann man darüber nachdenken, ob es insoweit eine bereichsbezogene Impfpflicht geben kann“. Eine solche Option liege aber in weiter Ferne.

Ab welcher Zahl sind genug Menschen in Deutschland geimpft?

Um die Pandemie zu stoppen, müssten nach Schätzung von Experten etwa 60 bis 70 Prozent der Bevölkerung geimpft werden. Das wären in Deutschland bis zu 58 Millionen Menschen. Laut Gesundheitsministerium sind für die zwei Präparate von Biontech und Moderna 136,3 Millionen Dosen sicher, die nahezu alle 2021 geliefert werden könnten. Damit ließen sich rechnerisch 68,2 Millionen Bürger impfen. Ob man sich auch nach einer überstandenen Corona-Infektion später zusätzlich impfen lassen sollte, wird noch wissenschaftlich erforscht.

Wie viele Menschen wollen sich überhaupt impfen lassen?

Regelmäßige Umfragen zeigen: Die Bereitschaft dazu ist in Deutschland in den vergangenen Monaten stetig gesunken. Mitte April zeigten sich noch 79 Prozent der Befragten (eher) bereit, sich quasi unmittelbar impfen zu lassen, sobald die Möglichkeit besteht. Mitte Dezember waren es nur noch 48 Prozent.

mw/mz/dpa

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