Trotz steigenden Zahlen und dritter Welle

Die Hoffnung lebt: So rettet die Impfung unsere Eltern und Großeltern

Impfungen
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Statistiken belegen: Immer mehr ältere Menschen haben eine Impfung erhalten.

Seit Beginn der Pandemie gilt: Alte und Schwache müssen geschützt werden. Denn für diese ist das Risiko, in Folge einer Ansteckung zu sterben, am größten. Nun scheint es, als ob die Impfungen ihre Wirkung zeigen.

Dass das Voranschreiten der Impfungen in Deutschland im Vergleich zu anderen Ländern (USA, Israel, Großbritannien) nur schleppend vorangeht, ist nun auch kein Geheimnis. Die COVID-19-Impfkampagne läuft in Deutschland seit 79 Tagen. Mindestens eine Erstimpfung haben seitdem immerhin 6.113.484 Personen erhalten. Davon sind 2.749.786 Personen bereits vollständig geimpft.

Laut Robert Koch-Institut entfallen 44,6 Prozent dieser Impfungen auf Menschen im Alter von über 80 Jahren. Von diesen haben 2.703.761 eine Erstimpfung, 1.245.921 ebenfalls eine Zweitimpfung erhalten (Stand 15. März).

Die Zahlen im Überblick (Stand. 15. März)

Die gute Nachricht ist also: Die Anzahl der geimpften Menschen, die über 80 Jahre alt sind, steigt. Das geht aus dem Wochenbericht des RKI hervor. Trotz stagnierender oder sogar steigender Fallzahlen in der Gesamtbevölkerung steckten sich unter den Hochbetagten zuletzt immer weniger nachweislich mit dem Virus an. RKI-Präsident Lothar Wieler wertete diese Entwicklung kürzlich als wahrscheinliche Folge des Impfens.

Neuinfektionen der Hochbetagten geht rapide zurück

Auffällig ist, dass sich seit Beginn der Impfkampagne die Anzahl der positiv getesteten Personen in diesem Altersspektrum kontinuierlich nach unten entwickelt. Entfielen um den Jahreswechsel noch mehr als 20 Prozent der Neuinfektionen auf Personen dieser Altersgruppe, ist das Bild im März nun ein ganz Anderes. Die Zahlen des RKI zeigen, dass der Anteil der Infektionen um knapp die Hälfte, nämlich auf 9,9 Prozent, gesunken ist.

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Mittlerweile sehe man den Effekt der Impfungen, ist auch Carsten Watzl, Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft für Immunologie, überzeugt. So wurden Anfang März „nur“ noch 3000 Fälle in der angesprochenen Altersgruppe verzeichnet, wie der RKI-Wochenbericht vom 9. März Auskunft gibt, im Dezember lag die Anzahl der Neuinfektionen mit 21.200 um ein Vielfaches höher.

Auch das Durchschnittsalter der Corona-Patienten im Krankenhaus sinkt merklich. So betrug dieses um den Jahreswechsel 49 Jahre, Anfang März lag es nur noch 40 Jahren im Durchschnitt.

Durchschnittsalter stationär behandelter Corona-PatientenKalenderwoche (KW)
3840/2020
4953/2020
409/2021

Todesfallzahlen hinken hinterher

Uwe Janssens, Präsidiumsmitglied der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI), glaubt, dass die Impfungen Wirkung zeigen - allerdings nicht so deutlich, wie die aktuell niedrigen Todeszahlen suggerieren könnten. „Wir sind bei den Impfungen - vorsichtig gesagt - relativ weit hinten“, sagt Janssens. Da Deutschland erst vor etwa zwei Monaten mit dem Impfen begonnen habe und die Zahl der verimpften Dosen erst jüngst deutlich stieg, könne die Auswirkung auf die Todeszahlen noch nicht so stark sein. Tatsächlich sind auch viele Hochbetagte noch gar nicht geimpft. Bei Menschen ab 80 Jahren haben erst etwas mehr als ein Drittel eine erste Impfdosis bekommen.

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Der niedrige Wert bei den Corona-Toten ist laut Janssens eher auf den Lockdown und die dadurch über Wochen gesunkenen Infektionszahlen zurückzuführen. Wichtig zu wissen hierbei: Die Zahl der Toten hinkt der Entwicklung bei den Fallzahlen stets erheblich hinterher. Das RKI zitiert Forschungsergebnisse, denen zufolge zwischen Symptombeginn und Tod mehr oder weniger zwei Wochen vergehen. Die Zahl der Neuinfektionen hatte Anfang 2021 über mehrere Wochen abgenommen und Mitte Februar die tiefsten Werte erreicht. Es war also zu erwarten, dass auch die Todeszahlen fallen.

„Wir werden uns aus dieser Welle nicht rausimpfen können“

Auch wenn die Corona-Todeszahlen derzeit vergleichsweise niedrig sind: Die Zahl gemeldeter Neu-Ansteckungen stagnierte zuletzt und scheint nun wieder merklich zu steigen, was auch an der zunehmenden Verbreitung der ansteckenderen britischen Variante liegen dürfte. Watzl geht davon aus, dass die Fallzahlen bis zum Sommer weiter nach oben gehen: „Wir werden uns aus dieser Welle nicht rausimpfen können.“ Wichtig sei aber, nicht nur auf die Inzidenz zu schauen. „Wir machen keinen Lockdown, weil die Inzidenz hoch ist, sondern weil die Leute sterben und das Gesundheitssystem überlastet ist“, erklärt Watzl. Auf Sicht werde das mit dem Impfen unter Kontrolle zu bekommen sein.

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