„Go Trabi Go reloaded“ – Zwei Wessis auf dem Weg durch den Osten

Tag eins: Erster Stopp Regensburg - Im Sog der Stadtgeländewagen

Simon Schmalzgruber an Tankstelle beim Tanken
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Der Weg nach Regensburg ist nicht frei von Hindernissen, wenn man im Trabi reist.

Deutschland - Auf geht's auf ein Abenteuer der besonderen Art. Simon Schmalzgruber nimmt uns mit auf einen Roadtrip nach Berlin, Prag und Wien - und das alles im Trabi. Am Mittwoch, den 19. August ging es offiziell los.

Der Blinker ist gesetzt, die Hauptstraße frei, wir biegen ein, wollen beschleunigen, doch irgendwas stimmt mit Schorsch nicht. Das ohnehin suboptimale Beschleunigungsverhalten der Kommunistenkarre erscheint noch suboptimaler. Im Zeitlupentempo bewegt sich die Tachonadel weiter nach rechts. Wenn man genau hinhört, ist das Problem schnell ausfindig gemacht: Von den zwei Zylindern läuft nur mehr einer und aus 26 Pferdestärken werden gerade einmal 13. Ist das das vorzeitige Ende? Is this the end?

Nun, da muss ich euch leider enttäuschen, denn diese Geschichte hat sich bereits vor einer Woche zugetragen. Mit letzter Kraft konnte sich Schorsch zur Werkstatt meines Vertrauens schleppen. Dort wurden neben den Zündkerzen die Lichtmaschine ausgetauscht, außerdem kam der TÜV drauf und dazu wurde ein Katalysator eingebaut. Bringt mir zwar weder steuerliche Vorteile, noch eine Umweltplakette und zieht mir circa zwei PS, aber immerhin ist der Schadstoffausstoß reduziert.

Auch wenn #nofilter bei Schorsch nun tot ist, ich bin guter Dinge, ihn auch in Zukunft fotografisch in Szene setzen zu können! Zeitsprung. Wir schreiben Mittwoch, den 19. August, 11 Uhr. Die Stimme einer Internet-Legende meldet sich in meinem Kopf: „I hob an Mogn beinand, des koosd da ned vorstäin! I bin sauschlecht, i bin grod aufgstandn, ja es häift einfach, es häift nix!“

Die Akteure auf dem Roadtrip

Simon Schmalzgruber ist gebürtiger Chiemgauer und schreibt wöchentlich unsere Wandertipps. Zusammen mit seinem Kumpel Tobi fährt er im Trabi Schorsch zunächst nach Berlin und macht sich dann auf den Weg nach Dresden Prag und Wien. Uns nimmt er mit auf seinen Roadtrip der besonderen Art.

Nur mit dem Unterschied, dass ich am Vorabend keine „20 Hoibe gsuffa“ habe, sondern mir eher der Hummus-Veggienugget-Halloumi-Avocado-Burger vom letzten Abend noch ziemlich schwer im Magen liegt.

Ein letztes Mal Zittern: Startet der Trabi am großen Tag?

13.45 Uhr: Nachdem ich im Bürgeramt Dokumente für meine weitere Ausbildung beantragt habe (danke noch einmal an die nette Angestellte, die das ruckzuck erledigt hat!), werden die letzten Trümmer ins Auto verladen. „Hab ich auch wirklich an alles gedacht?“ Zwei, drei, vier, fünf Mal sause ich nochmal hin und her, checke, ob alle Kabel abgesteckt sind und ob ich auch wirklich nichts vergessen habe.

Dann: KLACK KLACK. KLACK KLACK. KLACK KLACK. So geht das ein paar Mal. Bis sich die Zündkerzen dann doch einmal zu Wort melden. Zögerlich gurgelt der Motor. Eine Szene, wie sie auch aus Fredl Fesls „Anlass-Jodler“ sein könnte. Doch nach ein paar Jodlern läuft er.

Mit ungefähr 24 PS geht es nun erst einmal in Richtung Fridolfing, schließlich hat der Kompagnon berechtigtes Interesse daran, mitgenommen zu werden. Dort angekommen, grade beim Einräumen gewesen, schon haut uns ein zufällig vorbeiradelnder Urlauber an: So erzählt er beispielsweise, dass er früher auch einen Trabant gehabt und dessen Motorhaube in der Winterzeit immer mit zwei Mann aufgeladen hätte, um nicht wegzurutschen. Aufgrund der Leermasse von gerade mal 615 Kilogramm musste man also schon immer improvisieren, um die Kiste halbwegs sicher auf der Straße zu halten.

Das geringe Gewicht sollten wir später auch noch zu spüren bekommen... Doch der Reihe nach: Die letzten Teile sind verladen und wir setzen uns in Bewegung. Zuerst in Richtung Österreich, einmal noch volltanken, bevor wir in den Genuss kommen werden, an deutschen Zapfsäulen für das gleiche Produkt 20 – 25 Cent mehr pro Liter zu zahlen. Danke Merkel! Dann den Tittmoninger Berg hoch.

So sieht Tanken beim Trabi aus.

Im Meer der „Stadtgeländewagen“

Mit gemächlichen 30-35 km/h und Drehzahlbereich in den oberen Viertausend kriechen wir in Richtung Burghausen. Hinter uns schon ungeduldige Stadtgeländewagenfahrer, die demonstrativ nah auffahren. „Stadtgeländewagen?“, wird sich manch einer fragen? Nun, so bezeichne ich SUV. Das Wort „Stadtgeländewagen“ fasst für mich den Irrsinn dieser Fahrzeugklasse ziemlich gut zusammen.

Ein Haufen verbautes Metall, viel Treibstoffverbrauch, nimmt Parkplätze weg,... Für mich gibt es außer der Nutzung in Landwirtschaftsbetrieben kaum ein valides Argument für den Hype, der sich in den letzten Jahren darum gebildet hat. Und das Sicherheitsgefühl ist auch nur ein subtiles – denn das Überschlagrisiko ist beispielsweise um ein Achtfaches höher!

Aber bevor wir uns hier in Debatten verlieren, zurück auf die Straße. Ohne größere Zwischenfälle sind wir mittlerweile in Landshut gelandet. Gewöhnlicher Mittwochnachmittagsverkehr, aber ohne, dass es zu größeren Stauungen kommt, schaffen wir es recht zügig aus der niederbayerischen Hauptstadt.

Navi verboten! Der Weg nach Regensburg wird analog bestritten

„Ohne Navi“, mahne ich Tobi an und deute auf den Straßenatlas, den ich mir extra für zugelegt hatte. Es soll ja schließlich ein Abenteuer werden. Und das wird es kurze Zeit später auch. Eine verwirrende Beschilderung kurz nach LA führte dazu, dass wir der Straße nach Rottenburg an der Laaber anstatt nach Regensburg folgen. Es folgt ein Ritt durch die niederbayerische Prärie. Als wir in einem Nest namens Käufelkofen landen, denken wir schon fast, hier ist die Welt zu Ende und wir fallen gleich von der Erdscheibe!

Alle bisherigen Reiseberichte findet Ihr hier:

Wer wir sind: Simon und Tobi stellen sich vor.

Kurz danach wurden wir tatsächlich auf eine Umleitung geschickt. Ein Indiz für vorige These? Die Wahrheit wird irgendwo hinter den Bauzäunen sein... Spaß beiseite, die Welt ist natürlich rund und die Umleitung war doch recht nützlich. Sie führte uns nämlich ein paar Kilometer später wieder auf die B15n und Regensburg nun sind wir nur mehr 36 Kilometer von Regensburg entfernt!

Es wird jetzt wohl etwas schneller werden, denn die Straße ist auf einmal vierspurig und mit Betonplatten voneinander getrennt. Nicht viel später wird daraus die Autobahn und vollgas geht’s in Richtung unserem heutigen Etappenziel. Vollgas, darunter versteht der Trabantfahrer im Allgemeinen Geschwindigkeitsbereiche zwischen 110 und 120 km/h.

Hinunter ins Donautal ging's sogar mal auf die 130 zu! Doch während der Motor jedes normalen zeitgenössischen Kleinwagen bei dieser Geschwindigkeit schnurrt, hört es sich bei Schorsch eher wie die Jericho-Sirene einer Stuka an. Dazu Vibrationen am ganzen Auto und am ganzen Körper. Man hat das Gefühl, das Auto könnte jederzeit auseinanderfallen. Wir schaffen es gerade mal so, mit dem Verkehr auf der rechten Spur mitzuhalten, denn nach jedem kleineren Berg fällt die Geschwindigkeit auf bis zu 80km/h runter.

Mal können wir gerade so Brummis überholen, mal brausen Stadtgeländewagen mit geschätzt der doppelten Geschwindigkeit an uns vorbei. Das Auto schüttelts nach jedem Vorgang hin und her. Man fühlt sich als Fahrer fast wie bei der einen Aufgabe bei Takeshi's Castle, in der man nur weiterkommen kann, wenn man das Gleichgewicht hält.

Ende gut, alles gut

Zum Glück dauerts nicht mehr allzu lange und gegen 17 Uhr landen wir in der Oberpfälzer Metropole. Ein ausgiebiges Nickerchen, einen Bayernsieg und eine der schlechtesten Pizzen, die ich jemals gegessen habe später, sitze ich nun, kurz nach Mitternacht noch am PC und verfasse diese Zeilen. Heute soll's zumindest mal nach Bayreuth gehen. Wenn möglich, soll auch noch sächsischer Boden erreicht werden.

Doch es kommt erstens immer anders und zweitens als man denkt. Lassen wir uns überraschen, was der Tag bringt. In diesem Sinne: Gud's Nächtle!

Simons Musiktipp des Tages: Ace Ventura & Symbolic – The world that you know

Tobis Musiktipp: Entfällt für heute.

Simon Schmalzgruber

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