"Triggerlinie" erreicht

Wegen Trockenheit: Pegel des Edersees sinkt trotz Sparsamkeit - Schifffahrt startet wieder

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Die Trockenheit zeigt sich bereits. An der Bringhäuser Bucht lugt das felsige Steilufer bereits einige Meter aus dem Wasser hervor. Wassersport, Angelfischen und Touristen beeinträchtigt das im Moment noch nicht.

Nordhessen: Der Pegel des Edersees sinkt trotz Sparsamkeit. Dies sei eine Folge der Trockenheit. Die Touristenflotte auf der Weser startet die Saison in Corona-Zeiten.

  • Pegel im nordhessischen Edersee sinkt
  • Abfallen des Edersee-Pegels ist Folge der Trockenheit
  • Touristenflotte auf der Weser startet Saison in Corona-Zeiten

Der Pegel im Edersee sinkt seit Wochen leicht aber sichtbar. Der Abfall ist allein eine Folge der Trockenheit, denn das Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt (WSA) musste die Weser bisher nicht stützen, weil es im Einzugsgebiet von Werra und Fulda ausreichend regnete. Daher wurden nur die 6 Kubikmeter pro Sekunde aus der Edertalsperre in Nordhessen abgelassen, die als Minimum vorgeschrieben sind, damit die Umwelt in und an der Eder keinen Schaden nimmt. 

Weil zugleich nur die Hälfte dieser Menge – 3 Kubikmeter – der Talsperre zufloss, sackte der Wasserstand trotz der Spar-Linie langsam und stetig. Nun beschleunigt sich der Prozess. Die Weser wurde erstmals seit Monaten von der dritten Aprilwoche bis in die zweite Maiwoche mit 10 bis 16 Kubikmetern Wasser pro Sekunde gestützt. Wegen Regenfällen war die Abgabe dann über mehrere Tage hinweg bis zum vergangenen Donnerstag wieder aufs Minimum von 6 Kubikmetern reduziert. Folge: Der Pegel in der Talsperre nimmt rascher ab.


Edersee in Nordhessen: Triggerlinie erreicht 

Bereits am Samstag (16.05.2020) erreichte der Stand die „Triggerlinie“, sodass Hann. Münden seitdem erneut sparsam ablässt mit der Folge, dass der Zielpegel in der Weser um 5 Zentimeter herabgesetzt ist. Die Touristenflotte auf der Weser, die am Montag (18.05.2020) ihre Saison in Corona-Zeiten verspätet beginnen will, muss damit ebenso zusätzliche Einschränkungen ihres Betriebes hinnehmen wie die Kiesschifffahrt. 

Edersee in Nordhessen: Das Winterhalbjahr

Erneut zeigt sich: Das WSA kann noch so sparsam in einem Winter mit vielen Niederschlägen wirtschaften: Die nordhessische Talsperre ist zu klein, um anhaltende Trockenheit im Frühjahr oder Sommer aufzufangen. Das Amt ließ im Winterhalbjahr dabei über viele Wochen sogar nur 4 Kubikmeter pro Sekunde Minimum ab im Rahmen eines Versuchs. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler werten aus, ob die Natur in und an der Eder in Nordhessen damit klarkommt oder Schaden nimmt. 

Über Wochen hielt das Amt im Winter überdies sogar mehr Wasser in der Talsperre zurück, als die Richtlinien zum Hochwasserschutz eigentlich vorsehen. Diese Strategie schlug sich deutlich positiv in Zahlen nieder. Den gesamten Winter über befanden sich 30 bis 35 Millionen Kubikmeter mehr in der Talsperre als im langjährigen Mittel. Noch im Februar war das so. 

Edersee in Nordhessen: Die Lage im Frühjahr 

Und inzwischen? Die „Triggerlinie“ für eine sparsamere Bewirtschaftung wurde am Samstag erreicht, weil der Pegel mittlerweile 10 Millionen Kubikmeter unter dem langjährigen Durchschnitt angelangt ist. Viele Beobachter wundern sich darüber, denn im Mai gab es ja durchaus Regen. 

Aber: Während im Winter, wenn Pflanzen kaum Wasser brauchen, 90 Prozent der Niederschläge im See landen, kehrt sich das Verhältnis im Frühjahr um. Die Natur erwacht, alles wächst, und so fließen nur noch 10 Prozent des Wassers vom Himmel in die Talsperre in Nordhessen. Wenn es sich nicht um Landregen, sondern Schauer oder Starkregen handelt, fällt diese Quote aus Sicht des Edersees gar noch magerer aus. 

Edersee in Nordhessen: Muster zeichnet sich ab 

Dieses Muster wiederholt sich stabil seit mehreren Jahren. Die Folgen lassen sich nicht zuletzt im Wald beobachten. Fichten und Buchen sterben wegen der seit Jahren auftretenden Dürreperioden ab. Entweder wegen der Trockenheit selbst oder weil sie wegen des Stresses vielen Krankheitserregern nichts mehr entgegenzusetzen haben. 

Noch dramatischer gestaltet sich das Bild, wenn Trockenheit auch im Winter regiert, wie vor zwei Jahren geschehen. Viele Fachleute sind sich einig, dass diese Wetterextreme den Klimawandel widerspiegeln.

Edersee in Nordhessen: Edersee-Atlantis bei sinkendem Wasserstand 

Tourismus am Edersee: Wegen Corona steht alles still, eine Prognose für den Sommer sei derzeit schwierig, die Tourismusbranche wartet auf ein klares Konzept der Politik.

Im vergangenen Jahr konnten Wassersportler und die Tourismusbranche der Region um den Edersee in Nordhessen trotz eines deutlich gesunkenen Wasserstands eine positive Bilanz im Edersee ziehen.

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