Fistulierung

Tierquälerei oder Wissenschaft: Warum hat diese Kuh ein Loch im Bauch?

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Deutschland - Fistulierung: ein Begriff mit dem nur die wenigsten von uns etwas anfangen können. Grob gesagt wird einer Kuh ein Loch in den Bauch geschnitten und mit einem Schraubverschluss oder Stöpsel wieder geschlossen. Über den Nutzen bzw. Profit wird aktuell heftig diskutiert. 

Ein Loch im Bauch einer Kuh. Ja, Sie lesen richtig. Bei einer Fistulierung wird einer Kuh ein etwa 15 Zentimeter breites Loch in den Bauch geschnitten und mit einer Art Stöpsel zum Verschließen versehen. Das Loch führt direkt zum Pansen, den ersten und größten Magen der Kuh. Dieser Pansen hat für die Fütterung der Tiere eine ganz besondere Bedeutung, denn die Bakterien, die hier leben, machen es Kühen möglich, selbst unter schweren Bedingungen mit fast unverdaulicher Nahrung noch ausreichend Energie zu gewinnen.

Effektivere Milch- und Fleischproduktion

Die Aktivisten-Gruppe L214 hat zwischen Februar und Mai diesen Jahres Aufnahmen veröffentlicht, auf denen zu sehen ist, wie Mitarbeiter eines französischer Futterherstellers Futter direkt in die Mägen der Tiere legen, um die Milch- und Fleischproduktion zu optimieren. Focus.de berichtete darüber. 

Neben der Verabreichung von Futter gibt es in anderen Ställen weitere Herangehensweisen. Dort werden die Löcher von "sogenannten Wissenschaftlern in regelmäßigen Abständen geöffnet, um das vorverdaute Futter (bzw. den Magensaft) der Kühe herauszuholen. Dieses wird anschließend untersucht, um es immer weiter zu optimieren", schreibt die Tierschutzorganisation Peta auf ihrer Homepage

Das Ziel ist: Die Gesundheit des Tieres zu verbessern, den Einsatz von Antibiotika zu verringern und die Produktion von Nitraten und Methangasen zu senken, schreibt bild.de.

Peta kritisiert Untersuchungen scharf

Die Tierschutzorganisation Peta kritisiert diese Experimente scharf. Zwar sei klar, dass "rund 30 Prozent der weltweit ausgestoßenen Treibhausgase von der Landwirtschaft verursacht (würden) – das sind mehr Treibhausgase als der weltweite Verkehr zusammen", aber dies sei nur ein Tropfen auf den heißen Stein. 

"Kühe sind nicht mit uns auf diesem Planeten, damit wir ihre Babys töten und ihre Muttermilch trinken können. Sie wollen auch kein Loch in den Bauch geritzt bekommen, durch welches wir in ihrem Magen wühlen können. Die Lösung liegt nicht darin, dass wir weiter an ihnen forschen, sondern sie endlich in Frieden lassen. Das wäre nicht nur gut für die Kühe selbst, sondern würde sich auch spürbar auf unseren Planeten und unsere eigene Gesundheit auswirken", lautet der Appell von Peta. 

Mimikama.de, welche sich auf den Wahrheitsgehalt von Nachrichten spezialisiert hat, ist anderer Meinung: "Durch das Loch im Bauch werden die Tiere nicht etwa zwangsgefüttert, sondern sie dienen der Erforschung der Verdauung und der medizinischen Hilfe für andere Tiere." Die sogenannte Kuhfistel bzw. Pansenfistel füge dem Tier kein Leid zu. 

Praxis gängig und nicht verboten

Der französische Futterhersteller wehrt sich ebenfalls gegen die Vorwürfe der Aktivisten-Gruppe L214. Die Firma wirft Manipulationen durch ein Video vor, das „auf der Suche nach Sensationismus gedreht und bearbeitet“ worden war. 

Tatsächlich sei diese Praxis seit vielen Jahren gängig und nicht verboten, es wüsste nur kaum jemand außerhalb dieser Ställe.

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