Erklärung

Seltsames Phänomen: Industrieschnee - Das müssen Sie wissen

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Die weiße Pracht am Höchster Ufer in Frankfurt.

Schnee erfreut die meisten Menschen. In Frankfurt ist das was vom Himmel fällt allerdings nicht immer natürlicher Schnee. Es ist manchmal auch Industrieschnee, den der Industriepark Höchst den Bürgern beschert. Doch was hat es genau mit diesem Schnee auf sich?

Schnee auf der Leunastraße, Schnee auf den Parkplätzen des Industrieparks auf der südlichen Mainseite bis zum Spaghettiknoten, und dann: nichts mehr. Auch nach Nied oder Unterliederbach hin wird die Schneeschicht dann – in Höchst stellenweise zwei bis drei Zentimeter dick – schnell merklich dünner. Wie kommt so etwas? Immer wieder lässt der Industriepark Höchst es schneien. Das, was auf dem Boden liegt, ist aber kein chemisches Produkt, sondern ein (fast) natürliches: Industrieschnee, wie die Frankfurter Neue Presse erklärt.

Wie entsteht Industrieschnee?

Industrieschnee wird bei einer bestimmten Wetterlage durch Wasserdampf aus Industrieanlagen hervorgerufen. Er ist eine von Menschen verursachte Beeinflussung des Wetters. Der Schnee ist feinkörniger als normaler Schnee, weil die Eiskristalle in nicht allzu großer Höhe entstehen und nicht genug Zeit haben, sich auszubilden. Deshalb haftet er auch an Flächen, an denen sich normalerweise kein Schnee absetzt, ähnlich Raureif. Das kann zu besonders malerischen Impressionen führen.

Welche Wetterbedingungen sind Voraussetzung?

Für Industrieschnee braucht es eine sogenannte „Inversionswetterlage“. Das heißt: Die Luft am Boden ist feucht und kalt, und eine wärmere Luftschicht sitzt wie ein Deckel darüber. Der Wasserdampf aus den Schornsteinen der Industrie – oft aus Kraftwerken, wie im Fall des Industrieparks Höchst – bildet in der kalten Luft Wolken. Die Wassertröpfchen dieser Wolken hängen sich an feine Staubpartikel und rieseln als Schnee zu Boden – oft nur aus einer Höhe von 100 oder 200 Metern. Deshalb werden diese lokalen „Schneewolken“ auch nicht vom Radar der Wettervorhersage erfasst. „Richtige“ Schneewolken treiben oft in mehreren tausend Metern Höhe. Eine Inversionswetterlage kann in Mitteleuropa von November bis Februar auftreten.

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Ist Industrieschnee gefährlich?

Industrieschnee kann je nach Herkunft der Wasserdampf-Emissionen höher mit Schadstoffen belastet sein als normaler Schnee, weil sich Schadstoffe an den Kondensationskernen ablagern. Das heißt, kleinste Staubpartikel lagern sich an die Wassertröpfchen der Kondensationswolken an und fallen mit zu Boden. Gefährlich ist Industrieschnee jedoch nicht.

Wie funktioniert das?

Das Prinzip ist das gleiche wie bei einer Schneekanone, wie sie etwa seit einigen Wochen auch im hessischen Uplands, in Willingen, eingesetzt wird. Der Unterschied ist lediglich, dass für den Kunstschnee aus Schneekanonen meist Fluss- oder Bachwasser eingesetzt wird, während der Industrieschnee aus Wasserdampf entsteht. Deshalb ist der Schnee sehr fein, wird oft als „Schneestaub“ beschrieben. Die Schornsteine der Industrie sind in diesem Fall also die Schneekanonen. Die Abwärme der Industrieanlagen trägt ebenfalls zur Bildung von Industrieschnee bei.

Was kann man mit dem Schnee machen?

Wegen seiner Beschaffenheit eignet er sich nur schlecht für Schneeballschlachten: Er pappt nicht gut zusammen. Auch Schneemänner halten oft nicht richtig zusammen. Zum Rodeln oder Skilanglauf eignet er sich jedoch – sofern die Schicht dick genug ist.

Wer haftet, wenn es auf Industrieschnee kracht oder jemand stürzt?

Das ist nicht abschließend geklärt. Zwar kann anhand der im Schnee gebundenen Aerosole relativ einfach geklärt werden, wer der Verursacher des Industrieschnees ist, doch hat es noch keinen Präzedenzfall gegeben. Daher gilt das selbe wie bei „normalem“ Schneefall: Für die Räumung von Bürgersteigen sind die Hauseigentümer zuständig, und der Straßenräumdienst der Kommune ist für die Sicherheit auf den Straßen verantwortlich.

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