Der Fall der Mauer markiert eine historische Zäsur

30 Jahre Grenzöffnung: Der 9. November 1989 - Die Nacht der Deutschen

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Vor 30 Jahren: In der Nacht des 9./10. November öffnete auch der einzige Grenzübergang zwischen Hessen und Thüringen bei Herleshausen. Am ersten Wochenende bildete sich ein 30 Kilometer langer Stau in Richtung Westen.
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  • Thomas Siemon
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Der Fall der Mauer markiert eine historische Zäsur auf dem Weg zur Überwindung der deutschen Teilung.

Vorausgegangen waren dramatische Wochen und Monate: Am 7. November tritt die gesamte DDR-Regierung zurück. Einen Tag später das gesamte SED-Politbüro – und dann kommt Donnerstag, der 9. November 1989.

Kurz vor 19 Uhr stellt der Journalist Riccardo Ehrmann von der italienischen Nachrichtenagentur Ansa die Frage nach dem neuen Reisegesetz der DDR. Es folgt die ausschweifende Antwort des SED-Politbüro-Mitglieds Günter Schabowski: „Deshalb haben wir uns dazu entschlossen, heute eine Regelung zu treffen, die es jedem Bürger der DDR möglich macht, über Grenzübergangspunkte der DDR auszureisen.“

Die Nachricht verbreitet sich wie ein Lauffeuer: Die Mauer geht auf

Vor 30 Jahren: Menschen umlagern einen Grenzübergang. Nach der Öffnung eines Teils der deutsch-deutschen Grenzübergänge (9./10. November) reisten Millionen DDR-Bürger für einen kurzen Besuch in den Westen.

Bild-Reporter Peter Brinkmann hakt nach, fragt nach dem Wann. Es folgt Papiergeraschel und dann Schabowskis legendärer Satz: „Das tritt nach meiner Kenntnis … ist das sofort, unverzüglich.“ Damit hat das Mitglied des SED-Zentralkomitees die Grenzöffnung verkündet. Die Nachricht verbreitet sich wie ein Lauffeuer: Die Mauer geht auf.

Was folgte: sektselige Verbrüderung, Trabi-Corso, Feiern am Brandenburger Tor. Was gestern noch verboten war, ist über Nacht erlaubt. Was gestern vom Staat gefördert wurde, ist tabu. Als die Mauer fiel, katapultierte der Systemwechsel die DDR-Bürger in ein neues Leben.

Zwei Deutschlands wie im Rausch - und einige blieben skeptisch

Die Tage danach erleben die zwei Deutschlands wie im Rausch: Trabis rollen in die grenznahen Weststädte, das Begrüßungsgeld von 100 D-Mark sorgt für Schlangen vor den Rathäusern.

So manchem in Ost und West war das Geschehen auch suspekt. Die Brücke zwischen gestern und heute war wackelig – auch wenn die Aufbruchstimmung Ende 1989 erst einmal alles überdeckte.

Von Martina Hummel, Thomas Siemon und Frank Thonicke

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