„Der tragische Tod macht uns fassungslos“

Betonplatte stürzte auf Auto: Ursache für fürchterlichen Autobahn-Unfall jetzt wohl klar

Ein Teil einer Autobahn-Lärmschutzwand an der A3 ist auf ein Auto gekracht - die Fahrerin starb. Nun soll sich die NRW-Landesregierung mit dem Unglück beschäftigen.

  • Auf der A3 ist eine Betonplatte von einer Lärmschutzwand herabgestürzt.
  • Das tonnenschwere Verkleidungsteil traf ein vorbeifahrendes Auto - dessen Fahrerin wurde dabei getötet.
  • Eine „fehlerhafte Konstruktion“ sei die Ursache (Update vom 18. November, 11.00 Uhr).

Update vom 18. November, 11.10 Uhr: Nachdem eine tonnenschwere Betonplatte auf der A3 auf einen Wagen gestürzt ist und eine 66-jährige Autofahrerin getötet hat, scheint die Ursache des tödlichen Unfalls geklärt.

Bei ihrer letzten planmäßigen Untersuchung 2013 wurde die Betonplatte mit „Sehr gut“ bewertet. Laut einem Bericht der Landesregierung an den Verkehrsausschuss des Düsseldorfer Landtags waren die jetzt festgestellten Mängel an der Halterung allerdings nicht sichtbar. „Es ist davon auszugehen, dass auch bei der kommenden Prüfung die fehlerhafte Konstruktion nicht aufgefallen wäre, weil sie versteckt hinter der Lärmschutzplatte liegt“, so das Verkehrsministerium in dem Bericht.

Tödlicher Unfall auf der A3: Tonnenschweres Betonteil kracht auf Fahrbahn - Ursache wohl klar

Laut Straßen.NRW (Landesbetrieb Straßenbau Nordrhein-Westfalen) geht der Unfall auf eine „absichtlich gewählte Improvisation“ beim Einbau im Jahr 2007 zurück. Damit sollte offensichtlich ein Höhenunterschied bei der Montage überbrückt werden, wie ein Sprecher des Landesbetriebs am Mittwoch sagte. Bei der regelwidrigen Konstruktion habe eine angeschweißte Schraube die Zugkräfte des vier bis fünf Tonnen schweren Teils aus Stahlbeton aber auf Dauer nicht getragen.

Die gleiche Konstruktion sei an sechs weiteren Lärmschutzplatten verbaut worden. Diese würden nun schnellstmöglich ausgebaut. Wann dies jedoch passieren würde, konnte der Sprecher am Mittwochmorgen noch nicht sagen. Bis es so weit ist, sollen die beiden äußeren Fahrspuren der Autobahn gesperrt bleiben. Es sei nicht davon auszugehen, dass bei ähnlichen Bauwerken akute Gefahr bestehe, hatte es am Dienstag geheißen. Gleichwohl überprüfe die Behörde, ob es weitere Lärmschutzwände mit ähnlichen Konstruktionen in NRW gibt.

In Betracht wird dem Bericht an den Landtag zufolge auch gezogen, dass der Sog von Lastwagen an der Platte gezogen haben könnte und sie deshalb hinab stürzte.

Betonplatte stürzte auf Auto: Ursache für fürchterlichen Autobahn-Unfall jetzt wohl klar

Update vom 16. November, 19.00 Uhr: Die tonnenschwere Betonplatte einer Lärmschutzwand an der Autobahn A3, die am Freitag auf ein vorbeifahrendes Auto gestürzt war und die Fahrerin dabei tödlich verletzt hatte, war wohl nicht richtig befestigt. Wie der Kölner-Stadt-Anzeiger unter Berufung auf ein Vorgutachten im Auftrag der Staatsanwaltschaft berichtet, sollen sich Teile der Metallhalterung der Platte als fehlerhaft erwiesen haben.

Wegen der defekten Halterung konnte sich die Betonplatte offenbar von der Wand lösen. Bei der Staatsanwaltschaft war am Abend zu dem Bericht keine Stellungnahme mehr zu erhalten. Laut dem Zeitungsbericht hat der Landesbetrieb Straßen NRW ein Ingenieurbüro beauftragt, das in den kommenden Tagen sämtliche Halterungen der Wandelemente auf beiden Seiten der Autobahn 3 untersuchen wird.

Tödlicher Unfall auf der A3: Tonnenschweres Betonteil kracht auf Fahrbahn

Update vom 16. November, 10.40 Uhr: Wie konnte ein etwa fünf Tonnen schweres Betonteil einer Lärmschutzwand auf ein vorbeifahrendes Auto stürzen und eine Fahrerin (66) töten? Das tödliche Unglück auf der A3 bei Köln (siehe Erstmeldung vom 13. November) beschäftigt weiter Polizei und Gutachter.

Wie der WDR berichtet, stehen bundesweit an vielen Autobahnabschnitten ähnliche Wände. Der Sender beruft sich auf Angaben eines Baufachmanns, der an der Montage zahlreicher Lärmschutzwände beteiligt war. Eine Überprüfung der Lärmschutzwände auf Standsicherheit sei demnach enorm aufwändig, weil jedes etwa zwei bis vier Meter breite Schallschutzelement mit mindestens zwei Metallbügeln befestigt sei. Viele Tausende Metallbügel und Schrauben müssten untersucht werden.

„Einen solchen Fall haben wir in der Vergangenheit so noch nicht gehabt“, sagte Heinrich Bökamp, Präsident der Ingenieurkammer Bau Nordrhein-Westfalen im WDR. Lärmschutzwände seien, laut Bökamp, gering beansprucht und trügen nur ihr Eigengewicht. Durch vorbeifahrende Lastwagen gebe es immer eine leichte Sogwirkung räumt der Experte ein, für die Wände sei diese aber kein Risiko. Die Verkleidung von Lärmschutzwänden sei normalerweise fest verankert. Allein durch Verschleiß könne sie sich nicht lösen. Ein anderer Ingenieur vermutete unter anderem Korrosion oder einen Montagefehler (siehe Update vom 14. November, 13.51 Uhr). Ob die Verkleidung einer Lärmschutzwand tatsächlich ordentlich verankert ist, können laut WDR Ingenieure bei regelmäßigen Kontrollen nicht prüfen. Dafür müsste die Verkleidung für jede Prüfung entfernt werden.

Betonplatte stürzt auf Polo - Ingenieur äußert Vermutung

Update vom 14. November, 13.51 Uhr: Nachdem eine tonnenschwere Betonplatte auf der A3 auf einen Wagen gestürzt ist und eine Autofahrerin getötet hat (siehe Ursprungsmeldung vom 13. November), ging an diesem Samstag die Ursachenforschung weiter. Erkenntnisse, weshalb sich das Teil aus einer Lärmschutzwand löste, gebe es noch nicht, sagte ein Polizeisprecher.

Unter anderem ein Ingenieur sei vor Ort gewesen, um sich ein Bild von den Umständen zu machen. Alle Erklärungen seien bislang nur Spekulationen. Man müsse vermutlich ein Gutachten abwarten. 

Ein weiterer Ingenieur äußerte indes auf Anfrage der Bild Vermutungen. „Man sieht, dass die Betonplatte selbst unbeschädigt zu sein scheint. Wahrscheinlich sind also die Anker gebrochen, mit denen sie befestigt war“, sagte er im Gespräch mit dem Blatt. Als Ursachen für den Bruch seien Korrosion „durch mangelhaften Stahl oder fehlerhafte Abdichtung“, Materialermüdung durch Temperaturschwankungen sowie Montagefehler vorstellbar, so der Experte.

Ursache weiter unklar - Betonplatte erschlägt Fahrerin auf A3

Update vom 14. November, 8.41 Uhr: Der tragische Betonplatten-Unfall mit einer Toten auf der A3 (siehe Ursprungsmeldung) beschäftigt nun die Landesregierung von NRW. Das etwa fünf Tonnen schwere Teil hatte sich am Freitagvormittag zwischen dem Kreuz Köln-Ost und der Anschlussstelle Köln-Dellbrück aus einer Lärmschutzwand gelöst und war auf ein vorbeifahrendes Auto - der Wagen wurde völlig zerquetscht. Inzwischen sind Details zum Opfer bekannt: Es handelt sich um eine 66-jährige Kölnerin, sie starb noch am Unglücksort. Die Polizei hat Ermittlungen zur Unfallursache aufgenommen.

Auch nachdem die A3 teilweise wieder freigegeben wurden, blieben die rechten Fahrspuren entlang der Lärmschutzwände in beide Richtungen gesperrt. „Das ist notwendig wegen der Prüfung der Lärmschutzwände“, sagte ein Sprecher des „Landesbetriebs Straßen.NRW“. Die Wände stammten von ungefähr 2007, seien also noch nicht so alt. Wie es zu dem Unglück habe kommen können, wisse man noch nicht.

Tödlicher Unfall durch Lärmschutzwand-Betonplatte auf der A3: „Wir sind es ihnen schuldig aufzuklären“

„Unsere Lärmschutzwände werden im Rahmen der Sichtprüfung von den Meistereien natürlich überprüft“, sagte der Sprecher. Das geschehe unabhängig von dem tragischen Unglück am Freitag. „Seien Sie sicher, dass wir da jetzt noch einmal ein Augenmerk drauf richten.“ Niemand müsse Bedenken haben, an der Stelle über die Autobahn zu fahren, weil die rechten Fahrspuren ja gesperrt seien. Dadurch komme es nun allerdings zu Verkehrsbehinderungen.

Auf der A3 bei Köln ist ein Betonteil aus einer Lärmschutzwand auf ein Auto gekracht - die Fahrerin starb.

Mit dem Unfall soll sich am Mittwoch auch der Verkehrsausschuss des Landtags beschäftigen. Die SPD-Fraktion hat eine Aktuelle Viertelstunde beantragt, in der die Landesregierung über das Unglück selbst und den Zustand der Lärmschutzwände vor Ort und in ganz NRW berichten soll.

„Der tragische Tod der Autofahrerin macht uns alle fassungslos“, sagte Carsten Löcker, verkehrspolitischer Sprecher der SPD-Fraktion. „Unsere Gedanken sind bei der Familie und den Freunden des Opfers. Wir sind es ihnen schuldig aufzuklären, wie es zu diesem schlimmen Unglück kommen konnte. Gleichzeitig müssen wir ausschließen, dass weitere Gefahr von den Lärmschutzwänden ausgeht. Hier sind wir jetzt alle gefordert.“

Autobahn-Tragödie: Betonplatte löst sich und kracht auf Wagen - Frau stirbt

Ursprungsmeldung vom 13. November: Köln - Eine Lärmschutzwand an einer Autobahn nahe Köln ist einer Frau zum tödlichen Verhängnis geworden: Auf der A3 ist am Freitag ein schweres Verkleidungsteil aus Beton aus der Mauer auf ein Auto gestürzt - die Fahrerin kam dabei ums Leben. Die tote Frau ist später aus dem Wagen geborgen worden.

Die Feuerwehr hat nach Polizeiangaben die tonnenschwere Platte am Freitagmittag mit einem Kran angehoben, das Auto versetzt und die Frau schließlich herausgeholt. NRW-Verkehrsminister Hendrik Wüst (CDU*) zeigte sich gegenüber der Bild bestürzt über das Unglück: „Die Nachricht vom Unfalltod der Autofahrerin hat mich zutiefst erschüttert. Ich bin in Gedanken bei den Angehörigen der Verstorbenen.“

Der Unfallort auf der A3 bei Köln wurde entlang der Lärmschutzwand gesperrt.

Betonplatte stürzt aus Lärmschutzwand auf Auto - Kriminalkommissariat ermittelt

Die Polizei sperrte die A3 in Richtung Oberhausen vom Kreuz Ost an ab und führte den zwischen dem Autobahnkreuz und der Anschlussstelle Dellbrück stehenden Verkehr an der Unfallstelle vorbei. Für die Unfallaufnahme hat die Polizei mehrere Straßenbahnlinien von und nach Köln-Holweide gesperrt. 

Das Verkehrsunfallaufnahmeteam und das Kriminalkommissariat 11 haben die Ermittlungen an der Unfallstelle aufgenommen. Die rechte Fahrbahn entlang der Lärmschutzwand, wo sich das Unglück ereignete, wurde nach Informationen der Bild aus Sicherheitsgründen zunächst für den Verkehr gesperrt. „Experten prüfen, ob nicht noch weitere Elemente lose sind“ , so ein Polizeisprecher zu der Redaktion. (frs mit Material der dpa) *tz.de gehört zum Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerk.

Rubriklistenbild: © Feuerwehr Köln/dpa

Kommentare