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Kommentar zu Reaktionen auf Mord nach Maskenstreit

Mann erschießt Studenten (20) wegen Maskenpflicht und Verschwörungsideologen jubeln - Geht’s noch?

Ein Mann, der sich zuvor weigerte, einen Maske zu tragen, erschoss einen Mitarbeiter einer Tankstelle in Rheinland-Pfalz durch einen Schuss in den Kopf.
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Ein Mann, der sich zuvor weigerte, einen Maske zu tragen, erschoss einen Mitarbeiter einer Tankstelle in Rheinland-Pfalz durch einen Schuss in den Kopf.

In Idar-Oberstein in Rheinland-Pfalz kam es zu einer grausamen und unfassbaren Tat. Ein Mann, der sich zuvor weigerte, eine Maske zu tragen, tötete den Mitarbeiter einer Tankstelle durch einen Schuss in den Kopf. Nun häufen sich nicht nur in einschlägigen Gruppen zustimmende Kommentare zu der Tat. Wer das tut, ist zukünftig moralisch mitverantwortlich. Ein Kommentar von Online-Volontär Max Partelly.

Rheinland-Pfalz - Es könnte schlimmer kaum sein. Ein junger Mensch wurde getötet. Während seiner Arbeit. Der Grund ist allem Anschein nach ein vorausgegangener Streit wegen der in der Tankstelle geltenden Maskenpflicht. Es handelt sich um den ersten derartigen Fall in Deutschland. Doch während noch mein erster Gedanke bei Social-Media-Kommentaren wie „Da sieht man wie radikal die Querdenker sind“ war, dass es jetzt nicht die Zeit für Fingerzeigen und Schuldzuweisung ist, laufen in einschlägigen Telegram-Gruppen und auch in Kommentarspalten bei Facebook noch geschmacklosere Äußerungen ein.

Zuspruch für Mord wegen Maskenpflicht: Verantwortung des Täters? Fehlanzeige!

Man solle eben keine Leute stören, die keine Masken tragen, lautete der erste Kommentar dieser Art, den ich noch am Montagabend lesen musste. Garniert mit einem die Augen verdrehenden Smiley. Dass so etwas passiere, wenn man die Leute schikaniere, war woanders zum Fall zu lesen. In einer Kommentarspalte unserer Portale auf Facebook wird der Politik die Schuld zugeschoben. Die Maßnahmen hätten den Mann dazu gebracht, so zu handeln. In derselben Kommentarspalte findet sich ein User, der meint, dass etwas wie dieser Mord von der Regierung so gewollt sei, denn: „Die Impfung ist nicht so ganz wirksam.“ Es wird auf die Verschwörungserzählung angespielt, dass die Bevölkerung durch die Impfung dezimiert werden soll.

Leider meldeten sich auch Personen des öffentlichen Lebens zu dem Vorfall mit Schuldzuweisungen der übelsten Sorte zu Wort. Der AfD-Abgeordnete Harald Laatsch, welcher auf der Landesliste der AfD für das Abgeordnetenhaus Berlin steht, setzte einen Tweet ab, in dem auch er offenbar den Standpunkt vertritt, dass die Maßnahmen und in Folge die Politik eindeutig Schuld an der Tat seien. Anstatt die Verantwortung beim Täter selbst klar zu benennen, schreibt Laatsch explizit: „Die Verantwortlichen sitzen im Kanzleramt und im Kabinett.“ Eine Aussage, die suggeriert, dass der Mann nicht anders konnte und das Narrativ der unberechtigten Gängelung bedient.

Laut einem Bericht des Tagesspiegels ist das, was auf Facebook in dieser Art abgesondert wird, nur die Spitze des Eisbergs. „Jetzt geht‘s los!!!“ soll demnach im Telegram-Kanal „Free your mind“ im Zusammenhang mit dem Mord gepostet worden sein. Im Kanal des Verschwörungsideologen Sven Liebich heißt es unter anderem: „Wenn‘s die richtigen trifft, hab ich nichts dagegen.“ Es wird zum Teil darüber fantasiert, dass es sich nur um den ersten Schlag in einem Befreiungskampf gegen die „Merkel-Diktatur“ handelt. An anderer Stelle wird eine False-Flag-Aktion heraufbeschworen. Natürlich, was denn auch sonst.

Dass ein junger Mann am Beginn seines Lebens, der noch so vieles vor sich hatte, der studierte und sich ein wenig Geld dazuverdienen wollte, getötet wurde, ist für manche Nebensache. Dass dieser Mensch nicht die Regeln gemacht hat, deretwegen er mutmaßlich regelrecht hingerichtet wurde, interessiert nicht. Im Vordergrund steht der Mord als Material zum Anfeuern der eigenen Unzufriedenheit, des eigenen Hasses und für die große Verschwörung, an die sich diese Menschen in dieser schweren Zeit klammern.

Gegen „Querdenker“ hetzen ist falsch - aber einen Mord zu feiern ist untragbar

Man kann vielen Nutzern der Gegenseite sicherlich vorwerfen, billig gegen „Querdenker“ zu hetzen, wenn sie im Licht der grausamen Tat eben diesen die volle Schuld an der Tat geben wollen. Die Reaktionen aus diesem Lager - dem der Verschwörungsideologen, die glauben, Corona sei nur Vorwand zur Gängelung der Bevölkerung - zeigen jedoch, dass es unter ihnen genug gibt, die glauben, es sei eine natürliche, nachvollziehbare Reaktion bis hin zum gerechtfertigten „Widerstand“, einen unschuldigen Studenten zu erschießen. Geht‘s noch?

Klar, beide Seiten verhalten sich nicht korrekt. Doch eine Schuldzuweisung mit dem Gutheißen eines Mordes an einem Unschuldigen gleichzusetzen, ist schlicht nicht möglich. Wer die Tötung eines jungen Menschen in Ordnung findet, hat jegliches Interesse an zivilisiertem Leben verloren. Wer hier öffentlich Zuspruch für den Täter mitteilt, trägt eine moralische Mitschuld an möglicherweise folgenden weiteren Gewalttaten dieser Art.

mda