Sechsstellige Summe ergaunert - Prozess

Horror-Mutter zwingt gesunde Kinder in Rollstuhl zu sitzen - für Geld

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Lübeck - Mit zahlreichen Fernsehauftritten erschlich sich die vierfache Mutter 2014 die Aufmerksamkeit und das Mitleid eines ganzen Landes. Mit Lügen und Intrigen soll sie sich auch 140.000 Euro Sozialleistungen ergaunert haben. Nun steht sie vor Gericht.

Unglaublich: Maike B. (49) soll jahrelang durchs deutsche Fernsehprogramm gezogen sein, Mitleid und Bewunderung und vor allem ordentlich Sozialbezüge geerntet haben- und all das mit einem elaborierten Netz aus Lügen und Schauspielerei, berichtet bild.de

Ganz Deutschland war bewegt vom harten Schicksal, das die Familie von Maike B. erlitten hatte. Sie trat 2014 bei "Stern TV" auf RTL auf. "Spiegel Online" berichtete ebenfalls von ihren "Leistungen", bei Markus Lanz erzählte sie von den Lasten, die der Alltag für sie und ihre Kinder mit sich brächte. 

Die Kinder von Maike B. litten nämlich an schlimmen Krankheiten. Der ältere Sohn habe die Glasknochenkrankheit, erklärte sie damals. Der damals zehn Jahre alte Sohn musste wegen seiner vielen Krankheitstage sogar eine Klasse wiederholen. Ihr jüngster Sohn habe Rheuma, beide Jungen saßen im Rollstuhl. Besonders perfide: Die Frau soll ihren Kindern tatsächlich eingeredet haben, an den betreffenden Krankheiten zu leiden. Auch litten beide durch das Leben im Rollstuhl unter Muskelabbau, weil sie sich nicht ihrem tatsächlichen Gesundheitszustand entsprechend bewegten.

Nun steht die die Schleswig-Holsteinerin in Lübeck vor Gericht. Die Anklage: Misshandlung von Schutzbefohlenen und gewerbsmäßiger Betrug. Ganze sechs Jahre lang soll sie ab 2010 ihre Ärzte, Ämter und Krankenkassen an der Nase herumgeführt haben. Medizinische Atteste sollen gefälscht, Symptome erfunden worden sein. 140.000 Euro soll sie so an Sozialleistungen erschlichen haben.

Die älteste Tochter von Maike B. sagte vor Gericht gegen ihre Mutter aus. Diese brauche die Aufmerksamkeit, erklärte die heute 27-Jährige. Immer, wenn ein Gutachter zu ihr nach Hause kam, habe Maike B. die Kinder in den Rollstuhl gesetzt, ihnen Spielzeug und Geld gegeben, wenn sie auf besonders "krank" machten.

Auch der ältesten Tochter habe die Mutter einzureden versucht, dass sie unter Glasknochenkrankheit leide. Die damals 18-Jährige ließ sich aber beim Arzt selbstständig untersuchen. Das Ergebnis: Sie war kerngesund. Die beiden Söhne und die jüngste Tochter von Maike B. wollen nicht vor Gericht aussagen. Der Prozess wird am 22. August fortgesetzt.

Rubriklistenbild: © dpa (Symbolbild)

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