Gegen zwei Männer

Lügde-Prozess: Hohe Haftstrafen - Richterin findet harte Worte für Täter

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Erstes Urteil im Missbrauchsfall Lügde: Der Angeklagte Heiko V. erhielt zwei Jahre Haft auf Bewährung.

Im Missbrauchsfall im nordrhein-westfälischen Lügde ist das Urteil gegen zwei Männer nun gefallen. Sie bekommen hohe Haftstrafen und bleiben danach in Sicherungsverwahrung.

Update vom 5. September: Im Lügde-Missbrauchsprozess sind die beiden Angeklagten wegen schweren sexuellen Missbrauchs von Kindern zu hohen Haftstrafen verurteilt worden. Das Landgericht Detmold verhängte am Donnerstag eine Freiheitsstrafe von 13 Jahren gegen den 56-jährigen Andreas V.. Der 34-jährige Mario S. erhielt 12 Jahre. Das Gericht ordnete außerdem die anschließende Sicherungsverwahrung für die beiden Deutschen an.

Auf einem Campingplatz im lippischen Lügde hatten die beiden jahrelang in mehreren Hundert Fällen insgesamt 32 Kinder schwer sexuell missbraucht. Der Ältere soll dabei laut Anklage in mehr als 200 Fällen in die Körper von Kindern eingedrungen sein, der jüngere in fast 50 Fällen. Einige Opfer sollen zur Tatzeit noch im Kindergartenalter gewesen sein. Die meisten Taten sollen die Männer in der heruntergekommenen Unterkunft von Andreas V. auf dem Campingplatz an der Grenze zu Niedersachsen begangen haben.

„Abscheulich, monströs, widerwärtig“ - Richterin findet harte Worte für Lügde-Täter

„Nach wie vor fällt es schwer, das Geschehen in Worte zu fassen“, sagte die Vorsitzende Richterin Anke Grudda in der Urteilsbegründung. Worte wie „abscheulich, monströs, widerwärtig“ reichten nicht aus, das Geschehen zu beschreiben. „Auch nach zehn Verhandlungstagen bleibt die Fassungslosigkeit.“ Die beiden seien für Taten an 32 Kindern verurteilt worden. Die Zahl der Opfer sei vermutlich viel höher. Die Richterin sprach die Verurteilten mehrfach direkt an: „Sie haben 32 Kinder und Jugendliche zu Objekten ihrer sexuellen Begierden degradiert und 32 Kindheiten zerstört.“ Die Kammer habe leider nicht den Eindruck gewinnen können, dass die beiden auch nur ansatzweise verstanden hätten, welche Schuld sie auf sich geladen hätten.

Für beide Täter ordnete das Gericht eine Sicherungsverwahrung an. Diese ist laut NRW-Justizministerium rechtlich nicht als Strafe einzuordnen. Ihr Zweck ist es, gefährliche Täter zu bessern und die Allgemeinheit zu schützen. Bei diesen Straftätern bestehe der Hang, erhebliche und für die Allgemeinheit gefährliche Straftaten zu begehen.

Ein halbes Jahr nach einem tödlichen Raser-Unfall in Stuttgart muss sich nun ein 20-Jähriger wegen Mordes vor Gericht verantworten.

Erstmeldung vom 17. Juli: Missbrauchsskandal von Lügde

Detmold - Im Missbrauchsfall im nordrhein-westfälischen Lügde, wo über mehrere Jahre über 40 Kinder sexuell schwer misshandelt wurden, hat das Landgericht in Detmold ein erstes Urteil gesprochen. Der 49-Jährige wurde am Mittwoch zu einer Haftstrafe auf Bewährung in Höhe von zwei Jahren verurteilt. Hierbei handelt es sich nicht um einen der Hauptverdächtigen, sondern einen Komplizen. Der nun verurteilte Heiko V. habe demzufolge an mindestens vier Misshandlungen der Opfer virtuell per zugeschalteter Webcam teilgenommen und diese verfolgt. Außerdem soll er nicht nur zugesehen haben, wie die Taten vollzogen wurden, sondern teilweise auch dazu angestiftet.

Missbrauchsskandal von Lügde: Prozess gegen Haupttäter steht aus

Neben der zweijährigen Haftstrafe auf Bewährung muss sich der aus Stade (Niedersachsen) stammende Heiko V. zudem einer Therapie unterziehen. Die Vorsitzende Richterin sparte nicht mit harschen Worten. „Die Taten waren schäbig und menschenverachtend“, sagte Anke Grudder, nachdem sie das erste Urteil im Lügde-Prozess verkündet hat.

Verurteilt wurde Heiko V. wegen Anstiftung und Beihilfe zum sexuellen und schweren Missbrauch von Kindern. Das Gericht blieb bei seiner Entscheidung unter der Forderung der Staatsanwaltschaft: Die Anklage hatte sich für eine Haftstrafe von zwei Jahren und neun Monaten ausgesprochen – ohne Bewährung. Im Prozess um den schwerwiegenden sexuellen Missbrauch gegen die Haupttäter wurde das Verfahren gegen V. Ende Juni abgetrennt. Die Urteile gegen die geständigen Personen Andreas V. und Mario S. stehen noch aus. 

Über viele Jahre hinweg sollen Minderjährige in Hunderten von Fällen teilweise schwer sexuell missbraucht und dabei gefilmt worden sein - sowohl auf dem in die Schlagzeilen geratenen Campingplatz in Lügde sowie darüber hinaus in einer Wohnung in Steinheim in (ebenfalls NRW). Weitere Informationen zu dem Missbrauchsskandal gibt es im News-Ticker.

PF

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