Auch Peter Maffay, Bela B und Dieter Nuhr haben unterzeichnet

Mario Barth teilt offenen Brief an Regierung: „Politische Wertschätzung scheint Steuern zu gelten“

Comedian Mario Barth setzt sich für bessere Unterstützung des Kultursektors ein. Dabei geht es ihm „explizit nicht auf die wenigen Topverdiener der Branche“.
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Comedian Mario Barth setzt sich für bessere Unterstützung des Kultursektors ein. Dabei geht es ihm „explizit nicht auf die wenigen Topverdiener der Branche“.

Deutschland - Im Zuge der neuerlichen „Lockdown“-Strategie der Bundesregierung meldet sich einer der wohl bekanntesten Akteure in der deutschen Komiker-Szene zusammen mit einer Vielzahl namhafter Kollegen zu Wort. Mario Barth teilte den offenen Brief, der ausspricht, was viele aus dem Gastro- und Kultursektor anprangern: Man fühle sich alleingelassen und nicht wertgeschätzt. Existenzen stünden vor dem Aus.

Der sonst eher schelmisch auftretende und scheinbar immer gut gelaunte Comedian Mario Barth postete am 29. Oktober den offenen Brief mit ungewohnt ernsten Worten auf seiner Facebook-Seite. Dieser ist an Staatsministerin Monika Grütters, Bundesminister für Arbeit und Soziales Hubertus Heil, Leiter des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie Peter Altmaier, Finanzminster Olaf Scholz und Gesundheitsminister Jens Spahn gerichtet.

Der offene Brief beginnt mit einer verständlichen Grundlage, welche vielen der im Kultursektor Tätigen auf dem Herzen liegt: „Kaum eine Branche hat seit Beginn der Pandemie härter dafür gearbeitet, ihren Kund*innen bzw. Zuschauer*innen wieder ein sicheres Erlebnis bieten zu können, als die Kulturbranche.“ Es sei mit Behörden kooperiert und passende Konzepte erarbeitet worden. Auch, dass das Virus ernst zu nehmen sei, betonen die Verfasser sehr früh. Jedoch wird weiter erklärt, dass der „politische Dank für diese Arbeit – mit Ausnahme folgenloser Lippenbekenntnisse – weitgehend ausbleibt. Und so wird das angesprochene Problem klar. Auf Worte seien - wenn überhaupt -nur wenige Taten gefolgt.

Stellvertretend für „die freischaffenden Humorist*innen und Musiker*innen“ fordern Mario Barth und die weiteren Unterzeichner wie Carolin Kebekus, Chris Tall und Dr. Eckart von Hirschhausen die Adressaten des Briefs auf, „endlich für die coronabedingten Schäden, beispielsweise durch die Stilllegung bzw. die drastischen Einschränkungen des Live-Betriebs, aufzukommen“. Dabei wird auch klar gestellt, worum es ihnen geht.

Die Forderungen von ihm und seinen Mitunterzeichnern beziehen sich, „explizit nicht auf die wenigen Topverdiener der Branche“, zu denen sie sich selbst zählen „sondern auf die vielen finanziell angeschlagenen privatwirtschaftlichen Kulturstätten, denen die Schließung droht oder die bereits schließen mussten“.

Im Kern der Aussagen liegen die Maßnahmen, welche „faktisch einem Berufsverbot gleichkommen“. Als Teil der Bewegung #alarmstuferot prangert die Entertainer-Gruppe an, dass die Branchen, für die sie sprechen, „bereits seit sieben Monaten auf konkrete und zielführende Entscheidungen“ warten. Den bitteren Beigeschmack, den die Unterzeichner des offenen Briefs beim Umgang mit dem Pandemiegeschehen empfinden, teilen sie anklagend mit: „Die politische Wertschätzung scheint allenfalls den Steuern zu gelten, die die Selbstständigen seit Jahrzehnten entrichten.“

Der von einer Vielzahl deutscher Entertainment-Größen - unter anderen auch von Bela B, Peter Maffay und Dieter Nuhr - unterzeichnete offene Brief enthält folgende Forderungen:

  • Arbeiten Sie aktiv mit den Vertretern der #alarmstuferot zusammen und setzen Sie ihre Forderungen um!
  • Schaffen Sie Finanzhilfen, die der Branche nützen. Selbstständige Kulturschaffende müssen damit auch ihre privaten Kosten decken können.
  • Es müssen einheitliche Szenarien entwickelt werden, die den Kulturbetrieb wieder in Gang setzen. Geben Sie den 1,7 Millionen Menschen eine Perspektive!
  • Die Politik muss endlich verstehen, dass auch (größere) Veranstaltungen sicher durchführbar sind und dies auch gegenüber der Öffentlichkeit transportieren. Nur so gewinnt das Publikum wieder Vertrauen, Veranstaltungen zu besuchen.

Während sich Mario Barth und Rest der Unterzeichner primär für ihre Kollegen aus der Kulturbranche einsetzen, bleiben auch die Stimmen aus der Gastronomie nicht minder laut. Zuletzt ging ein Video eines Siegsdorfer Gastronomen viral, in dem er seiner Wut freien Lauf lässt.

Die Lage ist angespannt. Alle leiden an den Maßnahmen zur Bekämpfung der Pandemie und Kritik ist keine Mangelware. Ob und wie die Politik auf die Forderungen von allen Seiten eingehen wird, wird sich in der Zukunft zeigen.

mda

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