Tragischer Unfall in Niedersachsen - erster Vorfall in Deutschland

Wolf frontal erfasst: Rentner wird aus Auto geschleudert - beide tot

Fahrer stirbt bei Zusammenprall mit Wolf
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Rettungskräfte stehen an einen Kleinwagen, der nach einem Zusammenstoß mit einem Wolf gegen einen Baum gefahren ist. Der Fahrer des Wagens und der Wolf kamen bei diesem Unfall ums Leben

Neustadt - Am Sonntagabend, 7. Juni, ereignete sich in Niedersachsen ein tragisches Unglück. Bei einem Verkehrsunfall starben ein 76-jähriger Rentner und ein Wolf. Es war wohl bundesweit der erste derartige Vorfall, der auch für einen Menschen tödlich endete. 

Bei dem Zusammenprall eines Autos mit einem Wolf in Neustadt sind ein 76-jährige Fahrer und das Tier ums Leben gekommen. Wie die Polizei in Hannover am Montag (8. Juni) mitteilte, ereignete sich der Unfall am späten Sonntagabend um kurz vor 23 Uhr auf der Bundesstraße 6 zwischen Garbsen-Frielingen und Neustadt-Bordenau. 

Der Wagen kam nach der Kollision mit dem Wolf von der Straße ab und prallte gegen einen Baum. Der Fahrer wurde dabei aus dem Auto geschleudert und starb noch an der Unfallstelle. Nach Angaben der Polizei war er nicht angeschnallt. Die B6 blieb in dem Bereich für mehr als drei Stunden gesperrt.

Erster Vorfall mit einem Wolf, der auch für einen Menschen tödlich endet 

In den meisten Fällen sind es Rehe, die auf den Straßen von Autos erfasst werden. Doch immer wieder kommen auch Wölfe bei Verkehrsunfällen ums Leben. Bis Anfang April wurden dabei in diesem Jahr allein in Niedersachsen nach Angaben des Landesbetriebs für Wasserwirtschaft, Küsten und Naturschutz acht Wölfe getötet. 

Ein Sprecher des Umweltministeriums in Hannover konnte sich aber am Montag an keinen Wolfsunfall erinnern, bei dem ein Mensch getötet wurde. "Auch uns ist kein derartiger Fall bekannt, weder in Niedersachsen noch bundesweit", sagte Raoul Reding, Wolfsbeauftragter der Landesjägerschaft Niedersachsen. So sah es am Montag auch ein Sprecher des Deutschen Jagdverbandes in Berlin.

Ob das Tier aus dem Rehburger oder Rodewalder Rudel stammt, ist derzeit noch unklar. „Denkbar wäre auch, dass er ein Fremder war, der ein freies Revier gesucht hat", ergänzte Reding. 

Die Beamten ermitteln nun, wie genau es zu dem nächtlichen Unfall kam. Ein Wolfsberater der Region Hannover stellte laut Polizei fest, dass es sich bei dem Tier um einen Jungwolf handelte. Der Fahrer aus Burgdorf war nach ersten Erkenntnissen in Richtung Hannover unterwegs, als der junge Wolf die Fahrbahn überquerte.

Debatte um Wolf-Abschuss

Seit geraumer Zeit wird über das Thema "Wolf" und eine Freigabe zum Abschuss heftig diskutiert. Allein in Niedersachsen schätzt man die Anzahl der Wölfe auf über 200 Tiere. 

"Derzeit unterliegt der Wolf weder auf Bundesebene, noch in Niedersachsen dem Jagdrecht", heißt es von Seiten der Landesjägerschaft. Ein möglicher Abschuss bliebe eine Ausnahme im Umgang mit dem durch das Gesetz besonders geschützten Tieren. 

Eine im Mai vorgestellte, neue niedersächsische Wolfsverordnung zum Umgang mit den Raubtieren soll im September erlassen werden. Umweltminister Olaf Lies (SPD) hatte damals im Landtag gesagt, es gehe darum, den Wolf als Tierart zu schützen, allerdings nicht jedes einzelne Tier. Wölfe, die Nutztiere reißen oder sich Menschen sehr dicht nähern, dürfen demnach sofort getötet werden.

mz/dpa

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