„Fühlte mich fit“

24-Jähriger steigt am Vormittag nach Party ins Auto - sein bester Freund überlebt die Fahrt nicht

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Auf dem Beifahrersitz des Kleinwagens starb am 5. Januar 2019 der beste Freund des Fahrers, der bei dem Unfall unter Drogeneinfluss gestanden hatte.

Die Nacht war voller Rausch. Am Vormittag danach kam ein junger Mann auf die Idee, ins Auto zu steigen. Mit tödlichen Folgen für seinen besten Freund.

  • Anfang des Jahres verursachte ein 24-Jähriger unter Drogeneinfluss einen Unfall - dabei starb sein bester Freund.
  • Das Gericht verurteilte den jungen Mann zu einer Haftstrafe ohne Bewährung.
  • Der Verurteilte befindet sich wegen der Erlebnisse in einer Psychotherapie.

Reichersbeuern - Ein Toter, zwei Schwer- und zwei Leichtverletzte: Das war die traurige Bilanz eines Verkehrsunfalls am 5. Januar dieses Jahres auf der Bundesstraße 472 bei Reichersbeuern (Merkur.de* berichtete) im bayerischen Oberland. Am Mittwoch wurde der Unfallverursacher vom Amtsgericht Wolfratshausen zu 15 Monaten Gefängnis verurteilt. Er stand bei dem Unfall unter dem Einfluss von Ecstasy und Marihuana.

Der Angeklagte, sein bester Freund (19) und eine gemeinsame Freundin (27), alle aus Waakirchen (Landkreis Miesbach), hatten am Vorabend des Unfalls beschlossen, eine WG zu gründen. Das sollte gefeiert werden. Deshalb fuhren sie mit dem Zug nach Rosenheim. Unterwegs und später im Club wurde viel Bier getrunken. Der 24-Jährige und sein Freund teilten sich zudem eine Ecstasy-Tablette, die ihnen im Lokal verkauft worden war, und rauchten gemeinsam drei Joints, die sie mitgebracht hatten.

Tödlicher Unfall unter Drogeneinfluss: 24-Jähriger verliert im Schneetreiben Kontrolle über Polo

Mit dem ersten Zug machten sie sich in der Früh auf den Heimweg. Nach nur wenigen Stunden Schlaf seien sie gegen elf Uhr auf die Idee gekommen, eine Freundin im wenige Kilometer entfernten Reichersbeuern zu besuchen. „Ich fühlte mich fit“, begründete der Angeklagte, warum er das Auto genommen hatte. Das war ein verhängnisvoller Trugschluss.

Es schneite an jenem Morgen heftig. Nach wenigen Kilometern verlor der 24-Jährige die Kontrolle über seinen VW Polo. Der Wagen geriet ins Schleudern, rutschte auf die Gegenfahrbahn, wo ein entgegenkommender Mitsubishi nicht mehr rechtzeitig zum Stehen kam und frontal in die Beifahrerseite des Kleinwagens krachte. Dort saß der 19-Jährige, er erlag im Tölzer Krankenhaus seinen Verletzungen. Die hinter ihm sitzende 27-Jährige erlitt einen Wadenbeinbruch, eine Fraktur des Lendenwirbels, mehrerer Brustwirbel sowie des Brustbeins. Sie konnte nach drei Wochen aus der Klinik entlassen werden.

Tödlicher Unfall unter Drogeneinfluss: Fahrer erleidet Beckenbruch und Lungenquetschung

Der angeklagte Fahrer zog sich einen Beckenbruch, eine Lungenquetschung und eine Knorpelverschiebung zu. Die Insassen des Mitsubishis, zwei junge Männer, 21 und 26 Jahre alt, kamen mit leichten Verletzungen davon.

Eine forensische Toxikologin bestätigte, dass sich nach Auswertung der Blutprobe, „der Kontrollverlust über das Fahrzeug auf die Wirkung der Drogen zurückführen lässt“. Die Wetterverhältnisse hätten ein „sehr umsichtiges Verhalten vorausgesetzt und eine besondere Konzentration erfordert“, die habe der Angeklagte drogenbedingt nicht aufbringen können.

Tödlicher Unfall unter Drogeneinfluss: Verursacher befindet sich in Psychotherapie

Richter Helmut Berger verurteilte den Waakirchener wegen fahrlässiger Gefährdung des Straßenverkehrs in Tateinheit mit fahrlässiger Tötung zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr und drei Monaten. Zwar spreche viel für den Angeklagten - er hat weiterhin Kontakt zu den Eltern seines verstorbenen Freundes, absolviert ein Drogenabstinenzprogramm und befindet sich in einer Psychotherapie, weil ihn der Unfall stark mitgenommen hat.

Dennoch komme eine Aussetzung der Strafe zur Bewährung nicht in Betracht. „Es ist dem Normalbürger nicht zu vermitteln, dass so ein Verhalten nicht mit Haft bestraft wird. Das würde das Vertrauen in unsere Rechtsordnung erschüttern“, sagte Berger in seiner Urteilsbegründung.

Eine Frau hat auf einem Parkplatz in Esting  großen Schaden angerichtet. Aus bisher ungeklärten Gründen verlor sie die Kontrolle über ihren tonnenschweren SUV.*

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Rudi Stallein

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