Nicht nur in unserer Region

Trotz Corona: Ansturm auf Skigebiete - Polizei verzweifelt: „Dreht um. Kommt nicht!“ - Stadt greift durch

Fahrzeuge parken auf dem Großraumparkplatz vor der Hexenritt-Abfahrt am Wurmberg im Harz.
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Fahrzeuge parken auf dem Großraumparkplatz vor der Hexenritt-Abfahrt am Wurmberg im Harz.

Winterberg/Offenbach - In der Corona-Pandemie soll man zu Hause bleiben, aber viele wollen raus. Ob im Harz oder im Sauerland: Der Ansturm auf die Ski- und Rodelgebiete geht weiter. Die Polizei hatte einiges zutun.

Update, 20.03 Uhr - Winterberg greift drastisch durch

Erneut haben sich vor allem im Sauerland und im Harz viele Ausflügler auf den Weg in die Ski- und Rodelgebiete gemacht - trotz wiederholter Bitten, darauf im Lockdown zu verzichten. In den verschneiten Ortschaften der Region bildeten sich extrem lange Autoschlangen und Staus, die Parkplätze waren komplett überfüllt.

Am Nachmittag sperrte die Polizei die Bundesstraße 480 als Zufahrt nach Winterberg. Von diesem Sonntag bis zum kommenden Sonntag (10.1.) dürfen nun außerdem bestimmte Bereiche nicht mehr betreten werden, wie die Stadt am Abend mitteilte. Betroffen sind die Pisten in Altastenberg, Neuastenberg, Niedersfeld, Winterberg, Züschen und die dazugehörigen Parkplätze sowie der Bereich rund um den Kahlen Asten und der Großraumparkplatz Bremberg. Verstöße sollen konsequent geahndet werden.

Polizei und Ordnungsbehörden schrieben am Samstag Anzeigen wegen zahlreicher Verstöße gegen die Corona-Schutzmaßnahmen, wie eine Sprecherin der Stadt Winterberg sagte. Unter anderem wurden 94 Verstöße gegen die Kontaktbeschränkung festgestellt und 176 Verstöße gegen die Maskenpflicht, die im Stadtgebiet unter anderem auf Pisten und Parkplätzen gilt. Dazu kamen zwei Strafanzeigen, weil Einsatzkräfte beleidigt wurden und in einem anderen Fall bespuckt werden sollten.

Erstmeldung:

Die Polizei hatte am Morgen per Twitter angekündigt, die Stadt am Wochenende verstärkt bei der Durchsetzung der Allgemeinverfügung zur Maskenpflicht und der Coronaschutzverordnung zu unterstützen. Dafür würden auch Kräfte der Bereitschaftspolizei hinzugezogen. Doch diese Warnungen bewirkten nichts. Am Samstagmittag meldete die Polizei: „Die Skigebiete im Kreisgebiet laufen voll. Der Verkehr staut sich kilometerweit! Die Parkmöglichkeiten sind ausgeschöpft.“

Keine Toiletten, keine Retter - trotzdem Ansturm

Und das, obwohl Lifte und Pisten, Restaurants und Hütten bis mindestens 10. Januar geschlossen bleiben. Die Betreiber der Wintersport-Arena Sauerland und des Skiliftkarussells weisen auf ihren Internetseiten darauf hin, dass es keine Toiletten gibt sowie keine Möglichkeiten zum Aufwärmen - und auch keine Retter vor Ort sind. Dort heißt es: „Wir lieben unsere Berge. Sie bestimmt auch: Aber in diesen Zeiten müssen wir diese Liebe ruhen lassen, denn der Ansturm führt zu Stau und Massenaufläufen. Verstopfte Straßen, fehlende Parkplätze und viele potenzielle Kontakte. Wer will das schon?“

Ausflügler ziehen ihre Schlitten einen verschneiten Hang hoch. Die Stadt Winterberg bittet wegen der Corona-Pandemie auf Besuche in dem Wintersportort und an den Pisten im Sauerland zu verzichten.

Wegen Überfüllung rät auch die Polizei im Harz weiter von Ausflügen in die winterlichen Berge ab. Der Ansturm ging aber auch dort weiter: Wanderer und Rodler steuerten die Parkplätze in den teils verschneiten Orten schon am Samstagmorgen an. Die Polizei Goslar twitterte am Vormittag, dass die Parkplätze weitgehend ausgelastet seien. Sie appellierte an Tagesausflügler, weiträumig auf andere Gebiete im Harz auszuweichen und die Rettungswege frei zuhalten. Auch der Großraumparkplatz in Torfhaus war überfüllt, viele Autofahrer parkten am Straßenrand.

In Niedersachsen gibt es keine Beschränkung für Tagestouristen. Die Schlepplifte sind aber wegen der Corona-Pandemie geschlossen. Viele Familien und auch Gruppen machten sich zu Fuß auf den Weg. Schon an den vergangenen Tagen stauten sich die Autos in Ausflugsorten kilometerlang. Ebenfalls plant die bayerische Staatsregierung kein Wander- und Wintersportverbot.

Kein Wander- und Wintersportverbot in Bayern

Innenminister Joachim Herrmann (CSU) verwies am vergangenen Dienstag, 29. Dezember, auf die bayerische Verfassung: „Auf der anderen Seite gibt es das Recht auf freien Genuss der Natur nach unserer Verfassung“, sagte der CSU-Politiker im Bayerischen Rundfunk. „Und die Menschen dürfen wandern gehen, sie dürfen spazieren gehen.“

Die Staatsregierung appelliere an alle Bürgerinnen und Bürger, bei ihren Ausflügen die Abstände zu wahren und größere Ansammlungen zu vermeiden. Zuvor hatte der Miesbacher Landrat Olaf von Löwis (CSU) per SMS einen Hilferuf an Ministerpräsident und Parteifreund Markus Söder geschickt. Der Tagestourismus ufere vor allem am Spitzingsee und Schliersee aus, schrieb von Löwis nach Angaben des Landratsamts vom vergangenen Montag. „Es brennt wirklich.“

Wetter bleibt winterlich

Das Wetter in Deutschland bleibt erst einmal winterlich und trist. Am Sonntag gibt es eine dicke Wolkendecke und Schnee. Die Meteorologen des Deutschen Wetterdienstes rechnen damit, dass es im Laufe des Tages in vielen Regionen schneit - in einem Streifen von Baden-Württemberg über Hessen und Thüringen bis nach Sachsen und Brandenburg. Dabei dürften 2 bis 5 Zentimeter Neuschnee zusammenkommen.

mz/dpa

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