Deutschland fürchtet Schneemassen - Schlimmster Wintereinbruch seit 40 Jahren?

Winterchaos macht auch vor Fußball Bundesliga nicht Halt - Zirkuszelt bricht unter Schneemassen zusammen

(Bild links): Bundeswehrsoldaten versuchen am 16. Februar 1979 die Autobahn Hamburg-Hannover mit Bergepanzern von den Schneemassen zu befreien. Der Temperatursturz vom 29. Dezember 1978 führte in Norddeutschland, dem Norden der DDR, Dänemark und Südschweden zu einem Schneechaos. Teilweise brach der Verkehr sowie die Stromversorgung zusammen, Ortschaften waren von der Außenwelt abgeschnitten. Allein in der Bundesrepublik kamen 17 Menschen auf Grund des Schneechaos ums Leben. Am 14. Februar 1979 führten dichte Schneefälle und ein orkanartiger Sturm in Norddeutschland zu einem erneuten Schneechaos.
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(Bild links): Bundeswehrsoldaten versuchen am 16. Februar 1979 die Autobahn Hamburg-Hannover mit Bergepanzern von den Schneemassen zu befreien. Der Temperatursturz vom 29. Dezember 1978 führte in Norddeutschland, dem Norden der DDR, Dänemark und Südschweden zu einem Schneechaos. Teilweise brach der Verkehr sowie die Stromversorgung zusammen, Ortschaften waren von der Außenwelt abgeschnitten. Allein in der Bundesrepublik kamen 17 Menschen auf Grund des Schneechaos ums Leben. Am 14. Februar 1979 führten dichte Schneefälle und ein orkanartiger Sturm in Norddeutschland zu einem erneuten Schneechaos.

An diesem Wochenende droht Deutschlands Norden das größte Schneechaos seit Jahren. Der Deutsche Wetterdienst (DWD) warnt vor extremem Schneefall und Schneeverwehungen. Zudem hieß es in der Warnung: „Straßen und Schienenwege können unpassierbar sein. Fahren Sie nur mit Winterausrüstung und vermeiden Sie grundsätzlich Autofahrten!“

Update, 13.18 Uhr - Bundesliga-Spiel Bielefeld gegen Bremen wegen Schneefalls abgesagt

Das Bundesliga-Heimspiel von Arminia Bielefeld gegen Werder Bremen am Sonntagabend ist wegen des massiven Wintereinbruchs in der Region abgesagt worden. Die ordnungsgemäße Durchführung des Spiels sei nicht gewährleistet, teilte die Deutsche Fußball Liga mit. Die Entscheidung sei wegen der „starken und anhaltenden Schneefälle in Verbindung mit Frost“ im Einvernehmen mit dem Schiedsrichter getroffen worden.

Für die Begegnung in der Fußball-Bundesliga muss nun ein neuer Termin gefunden werden. Dieser solle zeitnah bekanntgegeben werden, teilte die DFL mit. Nach Angaben von Arminias Medienchef Daniel Mucha hatte der Club zuvor noch alles versucht, um den Platz bespielbar zu machen. Mitarbeiter sollten den Rasen vom Schnee befreien. Zuvor war bereits das Heimspiel des SC Paderborn gegen den 1. FC Heidenheim in der 2. Bundesliga wegen der starken Schneefälle abgesagt worden.

Ostwestfalen ist von dem Wintereinbruch, der am Samstagabend begonnen hatte, besonders betroffen. In der Nacht hatte es dort teils bis zu 30 Zentimeter Schnee gegeben. Am Sonntag schneite es weiter. Auch die Autobahn A2 von Dortmund in Richtung Hannover wurde zwischen Bielefeld-Süd und Bielefeld-Ost wegen des massiven Schneefalls am Sonntagmorgen zeitweise gesperrt. Der Winterdienst war am Bielefelder Berg nicht mehr mit dem Räumen der Fahrbahn hinterhergekommen. Nach rund zwei Stunden wurde die Strecke wieder für den Verkehr freigegeben.

Update, 10.54 Uhr - Zirkuszelt bricht unter Schneemassen zusammen - 13 Tiere gerettet

Nach dem Zusammensturz eines Zirkuszeltes in Nordrhein-Westfalen wegen großer Schneemassen sind 13 Tiere gerettet worden. Die sieben Pferde, zwei Kamele, zwei Ziegen sowie zwei Lamas, die sich in dem Zelt befanden, blieben unverletzt, wie ein Sprecher der Polizei in der Stadt Hagen sagte. Sie konnten befreit werden.

Es waren nach Angaben der Polizei keine Menschen unter dem Zelt. Das Zelt hatte den Schneemassen nicht standgehalten und war zusammengestürzt. Die Feuerwehr hat es den Angaben zufolge inzwischen von dem Schnee befreit.

Update, 7. Februar, 9.07 Uhr - Eisregen und Schnee behindern Verkehr in Teilen Deutschlands

Der große Wintereinbruch hat Teile Deutschlands in der Nacht zum Sonntag erfasst, ist aber zunächst hinter den Befürchtungen der Rettungsdienste und Meteorologen zurückgeblieben. Der erste Eisregen fiel bereits am Samstagabend in Teilen Nordrhein-Westfalens und sorgte für spiegelglatte Straßen, in Niedersachsen gab es vereinzelt erste Schneeverwehungen. Heftige Schneefälle führten in Thüringen vielerorts zu Unfällen auf glatten Straßen. Die Polizeidienststellen registrierten zunächst keine größeren Probleme.

Bis in die Nacht zum Montag rechnen die Meteorologen mit Schneechaos. In der nördlichen Mitte Deutschlands sei mit 15 bis 40 Zentimeter Neuschnee und Schneeverwehungen bis über einen Meter zu rechnen, hieß es beim Deutschen Wetterdienst (DWD). In Nordrhein-Westfalen erwarteten die Meteorologen am Sonntag auch bei Tageseinbruch weiter starke Schneefälle und gefährlichen Eisregen.

Die Bahn hatte ihre Schneeräumtrupps in Bereitschaft gesetzt, warnte aber trotzdem vor möglichen Zugausfällen. Vorsorglich wurden bereits von Samstag bis Sonntag alle Fernverkehrszüge zwischen Hamburg und Kiel, Hamburg und Lübeck sowie zwischen Hamburg und Westerland gestrichen. Ebenfalls von den Anpassungen betroffen war die Verbindung zwischen Hamburg und Rostock/Stralsund/Binz. Auch im Regionalverkehr war mit Beeinträchtigungen zu rechnen. In Niedersachsen gab es in der Nacht auf mehrere Zugausfälle.

Die erste Hälfte der Nacht zum Sonntag ist für die Autobahnpolizeien in Niedersachsen trotz Schneefalls relativ ruhig verlaufen. Auf der A30 stürzte am Morgen bei Schüttorf ein Lastwagen auf glatter Straße um, der Abschnitt wurde in Fahrtrichtung Osten gesperrt.

In einem Streifen vom Münsterland bis nach Sachsen-Anhalt meldete der DWD am Sonntagmorgen starke Schneeverwehungen sowie Schneefälle und Schneeverwehungen von Nordrhein-Westfalen bis nach Sachsen. Der DWD warnte für die Nacht auf Sonntag bis Montag vor Schnee mit starken bis extremen Schneeverwehungen über der Mitte Deutschlands.

Ganz anders zeigte sich das Wetter am Samstag hingegen im Süden, wo die Menschen deutlich mildere Temperaturen erwarten. Der Grund: Während über der Mitte Deutschlands Kaltluft arktischen Ursprungs liegt, lenken Tiefdruckgebiete über Westeuropa laut DWD sehr milde Luft nach Bayern und Baden-Württemberg.

Ein DWD-Sprecher verwies dabei kürzlich auf den sogenannten Polarwirbel-Split. Normalerweise bewegt sich dieser Luftwirbel kreisförmig direkt über der Region des Nordpols - daher auch der Name. Der Wirbel verstärkt sich regelmäßig im Winter, wenn kein Sonnenlicht die Atmosphäre dort erwärmen kann und diese sich zunehmend abkühlt, was zu einem Druckabfall in der Höhe führt. Kommt es zu einem „Ausbruch“, teilt sich der Wirbel und kann sich verlagern. „So einen Ausbruch gibt es immer wieder mal - aber diesmal erwischt es uns voll“, sagte der Experte.

In Teilen Nordrhein-Westfalens, Niedersachsens und Sachsen-Anhalts galt am Samstag die Höchste Warnstufe des DWD. Am Alpenrand gab es Warnungen vor schweren Sturmböen, im Norden und der Mitte vor Sturm- und Windböen. Im Vorfeld hatten Meteorologen von einem „denkwürdigen Ereignis mit Seltenheitswert“ - und Vergleiche zum Winter 1978/79 gezogen, als bei einer Schneekatastrophe in Norddeutschland das Verkehrs-, Versorgungs- und Kommunikationsnetz zusammenbrach.

Erstmeldung, 6. Februar

Eisige Kälte, Schneestürme und Glatteis: In Teilen Deutschlands sind die Einsatzkräfte bereit für einen der größten Einsätze seit Jahren. Vor allem in der nördlichen Mitte Deutschlands sei von Samstagabend bis in die Nacht zum Montag mit 15 bis 40 Zentimeter Neuschnee und Schneeverwehungen bis über einen Meter zu rechnen, gab der DWD am Samstag in einer amtlichen Gefahrenmitteilung bekannt. Und es wird bitter kalt: „Die Temperaturen können sich wie minus 15 Grad anfühlen“, meint Wetter-Experte Dominik Jung.

Experten befürchten das schlimmste Schnee-Chaos seit dem „Todes-Winter“ im Jahr 1978. Damals fielen innerhalb einer Nacht die Temperaturen in Deutschland auf bis zu minus 27 Grad. Menschen erfroren in ihren Häusern.

Straßen und Schienenwege möglicherweise unpassierbar

Straßen und Schienenwege könnten durch extreme Schneeverwehungen unpassierbar werden. Es bestehe die Gefahr von Schneebruch. „Fahren Sie nur mit Winterausrüstung und vermeiden Sie grundsätzlich Autofahrten!“, heißt es in der Warnmeldung des DWD. Im Norden des Landes waren am Samstag vorsorglich bereits einige Bahn-Verbindungen im Fernverkehr eingestellt worden.

Besonders betroffen vom Winterwetter ist dem DWD zufolge ab Samstagabend die Region vom Emsland und dem Münsterland bis hin zum Harz. Im Ruhrgebiet, dem Siegerland, in Mittelhessen und Oberfranken hingegen gibt es von Sonntagnachmittag bis Montag gefrierenden Regen, der eine mehrere Zentimeter dicke Eisschicht zur Folge haben könnte.

In Niedersachsen bereiteten sich Feuerwehr und Katastrophenschutz, Polizei, Verkehrsbetriebe und Bahnen, Straßenmeistereien und Räumdienste auf herausfordernde Tage vor.

Lebensgefahr im Wald

Schneeschauer und frostige Temperaturen werden auch in Sachsen-Anhalt erwartet. „Es beginnt noch relativ ruhig, aber wir erwarten ein sehr turbulentes Wochenende“, so ein Sprecher des Deutschen Wetterdienstes (DWD). Ähnlich sieht es in Sachsen aus. Die Harzer Nationalparkverwaltung hat davor gewarnt, die Wälder zu betreten. Ein Waldbesuch könne am Wochenende lebensgefährlich werden, heißt es in einer im Internet veröffentlichen Warnmeldung.

Und auch in Berlin wird es frostig - mit Temperaturen von tagsüber bis zu minus acht Grad, die Nächte sollen noch kälter werden. Die Hauptstadt stellt deswegen zusätzliche Plätze im Warmen für Obdachlose bereit.

Wetterextreme in Deutschland

Weniger Sorgen machen müssen sich die Menschen im Süden, wo der DWD deutlich mildere Temperaturen vorhergesagt hatte. Auch wenn sich das Wetter zumindest in Bayern am Samstag nicht ganz so gegensätzlich entwickelte wie erwartet.

„Wenn man vom äußersten Norden und dem äußersten Süden absieht, ist es überall recht einheitlich, dicht bewölkt und zwischen vier und acht Grad“, sagte ein Meteorologe des DWD. Rund um Hof in Oberfranken habe es geschneit, während die Temperaturen am Alpenrand zweistellige Werte erreichten. Das vorhergesagte frühlingshafte Wetter in Alpennähe trat aber nicht ein. „Es fehlt so ein bisschen die Sonneneinstrahlung, sonst wäre es mit Sicherheit Richtung 15 Grad geworden“, erläuterte der Fachmann.

dpa/mz/aic

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