„Go Trabi Go reloaded“ – Zwei Chiemgauer auf dem Weg durch den Osten

Tag dreizehn: Es gibt immer ein erstes Mal!

Trabant auf Straße
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Mit dem Trabi durch Sachsen.

Deutschland - Auf geht‘s auf ein Abenteuer der besonderen Art. Simon Schmalzgruber nimmt uns mit auf einen Roadtrip nach Berlin, Prag und Wien - und das alles im Trabi. Derzeit sind die Jungs wieder auf der Straße.

31. September: Wir beide haben gut geschlafen. Das war sie also, die letzte Nacht in Berlin. Checkout. Auf ins Ungewisse! Wird sich Schorsch wieder beruhigt haben? Wird er überhaupt noch in Charlottenburg stehen? Auszuschließen ist in dieser großen Stadt ja nichts.

Die Akteure auf dem Roadtrip

Simon Schmalzgruber ist gebürtiger Chiemgauer und schreibt wöchentlich unsere Wander-Tipps. Zusammen mit seinem Kumpel Tobi fährt er im Trabi Schorsch zunächst nach Berlin und macht sich dann auf den Weg nach Dresden Prag und Wien. Uns nimmt er mit auf seinen Roadtrip der besonderen Art.

Ich schwelge in Gedanken, ehe mich ein „Fahrkarten bitte!“ aus den Tagträumen reißt. Panisch versuche ich, mein Billet an der nächsten Haltestelle noch zu entwerten. Und schon werde ich aufgehalten. Ich versuche deutlich zu machen, dass ich in der Eile es vergessen hatte, mussten wir doch schwer bepackt zum Zug laufen.

„Das erklären Sie wenn dann meinen Kollegen!“, sagt der Kontrolleur und drückt mir einen Bußgeldbescheid über 60 Euro in die Hand. Er erklärt weiter, ein 4-Fahrten-Ticket dürfe man sowieso nicht mehrmals entwerten und es hätte sowieso nur für vier Teilstrecken gegolten. Im Arsch wäre ich also so oder so gewesen.

Das erkläre man aber mal einem Provinzburschen wie mir, der sonst nur sehr selten in Großstädten unterwegs ist, wie das öffentliche Verkehrsnetz in Berlin funktioniert. Beim Schwarzfahren, auch wenn ich ein mehr oder weniger gültiges Ticket habe, erwischt zu werden ist mir noch nie passiert. Und das drei Stationen vor Schluss! Mist! Aber es soll nicht das letzte erste Mal für heute sein...

Verärgert über diesen Zwischenfall stapfen wir zu Schorsch. Der Puls steigt. Ist er noch da, ist er nicht mehr da? Ich erkenne das kantige Design kurz bevor wir das Vehikel erreichen. Schorsch! Schön, dich wieder zu sehen! Wir überlegen kurz, ob wir noch ein bisschen den Westen der Stadt erkunden, entscheiden uns aber dagegen. Ich dreh den Zündschlüssel um, KLACK KLACK. KLACKBRÖMMM! Schorsch läuft! Die Sorgen ob der Kupplung sind auch passé, denn der Karton de la Papp läuft einwandfrei!

Wir legen noch einen kurzen Stopp in der Siemensstadt ein und bestellen ein halbes Hendl mit Pommes. Dabei lernen ein zweieinhalbjähriges Kind mit seiner Mutter und Großmutter kennen. Wir sind verwundert, warum in solch fremden Zungen gesprochen wird. Die Mutter erklärt uns, dass der Kleine in den Sprachen Deutsch, Englisch und Polnisch aufgezogen wird. Simultaner Spracherwerb bei so einem Knirps, Respekt! Er zeigt pausenlos auf verschiedene Dinge und benennt sie in verschiedenen Sprachen. So ein intelligentes und neugieriges Kind zu sehen relativiert meinen Frust von vorher und top motiviert bewegen wir uns in Richtung Süden.

Erst durch Spandau, dann durch Falkensee, dann durch Potsdam und auf einmal sind wir dem urbanen Raum entflohen. Auf einmal finden wir uns in der Pampa Brandenburgs wieder. Dörre Bäume, dörre Felder, ab und zu ein größerer Ort. Ich steige innerorts ein bisschen aufs Gas, um nicht wieder mit 30, 35km/h über den Hügel kriechen zu müssen und plötzlich: BLITZ! Geblitzt worden. Auch das noch. Auch hier zum ersten Mal in meiner fast sechsjährigen „Karriere“ als Autofahrer. Auch da wird wieder Bußgeld zwischen 30 und 50 Euro fällig werden. Scheiße!

Wir verlassen Brandenburg, fahren an der Lutherstadt Wittenberg vorbei. Das UNESCO-Welterbe lockt wieder mit einem Besuch. Doch wir wollen weiter in den Süden. Dafür befahren wir die B187. Sind wir jetzt auch sowas wie eine Strassenbande? Linksseitig der Elbe sind wir bald wieder im Outback. Es kommt einem noch trostloser vor als bei der Hinfahrt.

Die Gebäude sind noch verfallener und trotz dass es Montagnachmittag ist, sind keine Menschen auf der Straße. „Skins kriegt keiner klein“ steht an einer Hauswand, nicht recht viel später kommen wir am Gelände eines Waffen- und Militärgerätesammlers vorbei. In Torgau überqueren wir wieder die Elbe. Auch hier bin ich kurz versucht, stehen zu bleiben, trafen sich hier in der Endphase des Zweiten Weltkriegs die Allierten und die Sowjets zum Ersten Mal. Und es war wohl das letzte Mal in gegenseitig freundlicher Absicht...

Alle bisherigen Reiseberichte findet Ihr hier:

Tag eins: Erster Stopp Regensburg - Im Sog der Stadtgeländewagen

Tag zwei: Ein Vegetarier in der Metzgerei / Das Abenteuer geht los

Tag drei: Ostdeutschland!

Tag vier und fünf: Berlin, Berlin, wir fahren nach Berlin!

Tag sechs: Unterwegs im Berliner Nachtleben: Der MBTI-Archipel

Tag sieben: Kreuzberg Nights

Tag acht: Fünf Heteros in der Schwulenbar

Tag neun: Den Blaulichtern nach!

Tag zehn: Im Rausch der Raver

Tage elf und zwölf: Zum Ausdruck bringt, was Eindruck schafft

Mittlerweile sind wir wieder in Sachsen. Hier dasselbe trostlose Bild wie sonst auch. Verfallene Häuser, dörre Felder, keine Menschen. Wir erreichen Riesa. Dann Meißen. Und schließlich Dresden. Wir überlegen uns, ein oder zwei Nächte in Dresden zu bleiben. Nachdem wir aber erneut unfreundlich von den Indigenen behandelt werden, beschließen wir, keinen weiteren Euro in Sachsen zu lassen. So machen wir uns auf in Richtung Sächsischer Schweiz. Es wird dunkler und dunkler, die Landschaft bergiger.

Reisebericht mit Trabi: Bilder von Tag 13

Tag 13 der Trabi-Tour
Tag 13 der Trabi-Tour © Simon Schmalzgruber
Tag 13 der Trabi-Tour
Tag 13 der Trabi-Tour © Simon Schmalzgruber
Tag 13 der Trabi-Tour
Tag 13 der Trabi-Tour © Simon Schmalzgruber
Tag 13 der Trabi-Tour
Tag 13 der Trabi-Tour © Simon Schmalzgruber
Tag 13 der Trabi-Tour
Tag 13 der Trabi-Tour © Simon Schmalzgruber
Tag 13 der Trabi-Tour
Tag 13 der Trabi-Tour © Simon Schmalzgruber
Tag 13 der Trabi-Tour
Tag 13 der Trabi-Tour © Simon Schmalzgruber
Tag 13 der Trabi-Tour
Tag 13 der Trabi-Tour © Simon Schmalzgruber
Tag 13 der Trabi-Tour
Tag 13 der Trabi-Tour © Simon Schmalzgruber
Tag 13 der Trabi-Tour
Tag 13 der Trabi-Tour © Simon Schmalzgruber
Tag 13 der Trabi-Tour
Tag 13 der Trabi-Tour © Simon Schmalzgruber
Tag 13 der Trabi-Tour
Tag 13 der Trabi-Tour © Simon Schmalzgruber
Tag 13 der Trabi-Tour
Tag 13 der Trabi-Tour © Simon Schmalzgruber
Tag 13 der Trabi-Tour
Tag 13 der Trabi-Tour © Simon Schmalzgruber
Tag 13 der Trabi-Tour
Tag 13 der Trabi-Tour © Simon Schmalzgruber
Tag 13 der Trabi-Tour
Tag 13 der Trabi-Tour © Simon Schmalzgruber
Tag 13 der Trabi-Tour
Tag 13 der Trabi-Tour © Simon Schmalzgruber
Tag 13 der Trabi-Tour
Tag 13 der Trabi-Tour © Simon Schmalzgruber
Tag 13 der Trabi-Tour
Tag 13 der Trabi-Tour © Simon Schmalzgruber
Tag 13 der Trabi-Tour
Tag 13 der Trabi-Tour © Simon Schmalzgruber
Tag 13 der Trabi-Tour
Tag 13 der Trabi-Tour © Simon Schmalzgruber
Tag 13 der Trabi-Tour
Tag 13 der Trabi-Tour © Simon Schmalzgruber
Tag 13 der Trabi-Tour
Tag 13 der Trabi-Tour © Simon Schmalzgruber
Tag 13 der Trabi-Tour
Tag 13 der Trabi-Tour © Simon Schmalzgruber
Tag 13 der Trabi-Tour
Tag 13 der Trabi-Tour © Simon Schmalzgruber
Tag 13 der Trabi-Tour
Tag 13 der Trabi-Tour © Simon Schmalzgruber
Tag 13 der Trabi-Tour
Tag 13 der Trabi-Tour © Simon Schmalzgruber
Tag 13 der Trabi-Tour
Tag 13 der Trabi-Tour © Simon Schmalzgruber
Tag 13 der Trabi-Tour
Tag 13 der Trabi-Tour © Simon Schmalzgruber

Zwischen zweitem und dritten Gang kämpfen wir uns durch die menschenleeren Ortschaften. Lediglich ein nicht ganz so sympathisch wirkender Glatzkopf mit Bomberjacke und Springerstiefeln kommt uns entgegen. Ah, hier hat sich also der einladende und fremdenfreundliche Spirit des Ostdeutschlands der 90er Jahre bis heute erhalten!

Irgendwann tief in der Nacht haben wir endlich einen adäquaten Platz für unsere Pension Sachsenruh gefunden. Pension Sachsenruh, was'n das? Unter eben jener Bezeichnung fungiert im Film „Go Trabi Go“ die Option, gratis irgendwo zu nächtigen. In ihrem Fall ist es der Trabi selbst, wir haben hingegen Wurfzelte mitgenommen. Wenige Kilometer vor der tschechischen Grenze schlagen wir unsere Zelte auf. Raus aus dem Komfort der Großstadt, rein in die Wildnis der Sächsischen Schweiz! Der Boden ist nass, Tropfen prasseln auf uns nieder, das Netz ist höchstens „E“, doch meistens gar nicht vorhanden. Aber der Himmel ist sternenklar. Eine magische Stimmung! Nachdem wir beide eine 5er Blechmaß aka. Faxe vertilgt haben, geht es in die Heia, denn morgen soll es weiter in Richtung Prag gehen..

Musiktipp des Tages: The Boomtown Rats -I don't like mondays

Simon Schmalzgruber

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