„Go Trabi Go reloaded“ – Zwei Chiemgauer auf dem Weg durch den Osten

Tag vierzehn: Andere Länder, andere Sitten!

Prag Stadtansicht
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In Prag ticken die Uhren anders

Deutschland - Auf geht‘s auf ein Abenteuer der besonderen Art. Simon Schmalzgruber nimmt uns mit auf einen Roadtrip nach Berlin, Prag und Wien - und das alles im Trabi. Derzeit sind die Jungs in Prag.

1. September: Im Gegensatz zur letzten Nacht war diese grauenvoll. Ich konnte ewig nicht einschlafen, dazu verwandelten die kontinuierlich auf mein Zelt prasselnden Tropfen meinen Schlafplatz in ein Feuchtbiotop. Dazu Temperaturen im mittleren einstelligen Bereich. So oder so ähnlich müssen sich die amerikanischen GI‘s bei der Schlacht im Hürtgenwald gefühlt haben, ehe der Winter über sie hereinbrach. Nur mit dem Unterschied, dass wir nicht fürchten müssen, an jedem Eck eine Sprengfalle, MG-Nester oder Scharfschützen zu erwarten.

Wir doktern eine halbe Ewigkeit herum, bis wir die Wurfzelte wieder transportfähig machen können. Tobi zetert wie ein Rohrspatz. „Also so kenn‘ ich dich garnicht! Und eigentlich ist das Rumgranteln doch mein Part?“, sage ich zu ihm. Irgendwie kommt es mir vor, als müssen wir noch genauer darauf achten, wie wir das Zeug verstauen. Jeden Millimeter ausgenutzt sind wir endlich abfahrbereit.

Es geht rauf und runter, teilweise kilometerlang, bis wir zuerst in Königstein, dann in Bad Schandau landen. Hier noch kurz im Laden eingekauft, ein Kompliment eines älteren Bürgers abgestaubt und weiter geht’s nach Tschechien! Schmilka ist der letzte Ort, in dem Deutsch gesprochen wird. Dann sind wir auch schon in Hřensko, einem kleinen, aber schönen Nest an der Elbe. Kurz überlege ich mir, am Grenzübergang ein Foto zu schießen, erlangte dieser doch durch Günther und Hindrich, zwei Abenteurern aus Dresden, ein gewisse Berühmtheit: War es eben dieser Grenzübergang Hřensko, an dem die beiden im Juli von dutzenden Simson-, Trabi- und MZ-Fahrern in Empfang genommen wurden, nachdem die beiden über 3.000 Kilometer an die portugiesische Atlantikküste und zurück gefahren sind – alles in einem Duo, einem 60km/h schnellen und 3,6 PS starken Gefährt für Gehbehinderte, das zwischen 1961 und 1991 in der DDR gebaut wurde.

Die Akteure auf dem Roadtrip

Simon Schmalzgruber ist gebürtiger Chiemgauer und schreibt wöchentlich unsere Wander-Tipps. Zusammen mit seinem Kumpel Tobi fährt er im Trabi Schorsch zunächst nach Berlin und macht sich dann auf den Weg nach Dresden Prag und Wien. Uns nimmt er mit auf seinen Roadtrip der besonderen Art.

Günther und Hindrich sind es auch gewesen, die mich zu dieser Reise mit inspiriert haben, waren doch ihre Abenteuerlust und Verwegenheit zwei Trigger, es ihnen zumindest ansatzweise gleichzutun!

Nach Hřensko geht es wieder kilometerlang bergab, komischerweise erscheint die Elbe aber immer tieferliegender, obwohl wir ja flussaufwärts fahren. Wir gelangen zuerst nach Děčín (Tetschen), dann nach Ústí nad labem (Aussig), beides pittoresk anmutende Städte, die wir allerdings auch liegen lassen müssen, denn wir wollen heute noch Prag erreichen.

Wir durchstoßen das Böhmische Mittelgebirge und plötzlich sind wir in vergleichsweise flachem Land. Nicht recht viel später erreichen wir Mělník, dem sagenumwobenenen Geburtsort der Königsgroßmutter Ludmilla von Böhmen, der ersten Nationalheiligen. Außerdem mündet hier die Moldau in die Elbe. Auch wenn die Moldau länger und wasserreicher als die Elbe ist, läuft sie als Elbe weiter. Klingt komisch, ist aber so! In der schmucken Altstadt tauschen wir unsere Euros in Kronen um. Für 140 Euro erhalten wir 3594 Kronen. „Wird schon reichen“, denken wir, als wir in einem „Restaurace“ vor den Toren Prags einkehren.

Tag 14: Schmalzgruber in Prag

Reise mit Trabi nach Prag
Die Jungs machen Prag unsicher. © Schmalzgruber
Reise mit Trabi nach Prag
Die Jungs machen Prag unsicher. © Schmalzgruber
Reise mit Trabi nach Prag
Die Jungs machen Prag unsicher. © Schmalzgruber
Reise mit Trabi nach Prag
Die Jungs machen Prag unsicher. © Schmalzgruber
Reise mit Trabi nach Prag
Die Jungs machen Prag unsicher. © Schmalzgruber
Reise mit Trabi nach Prag
Die Jungs machen Prag unsicher. © Schmalzgruber
Reise mit Trabi nach Prag
Die Jungs machen Prag unsicher. © Schmalzgruber
Reise mit Trabi nach Prag
Die Jungs machen Prag unsicher. © Schmalzgruber
Reise mit Trabi nach Prag
Die Jungs machen Prag unsicher. © Schmalzgruber
Reise mit Trabi nach Prag
Die Jungs machen Prag unsicher. © Schmalzgruber
Reise mit Trabi nach Prag
Die Jungs machen Prag unsicher. © Schmalzgruber
Reise mit Trabi nach Prag
Die Jungs machen Prag unsicher. © Schmalzgruber
Reise mit Trabi nach Prag
Die Jungs machen Prag unsicher. © Schmalzgruber
Reise mit Trabi nach Prag
Die Jungs machen Prag unsicher. © Schmalzgruber

1,40 Euro für die Halbe Bier, sechs bis acht Euro für ein üppiges und leckeres Mahl. Kann man nicht meckern! Kurz darauf erreichen wir Prag und müssen noch einmal volltanken. 28,5 Kronen kostet der Liter Benzin. Wer knobeln will, kann ja mal ausrechnen, wie viel uns das in Euro kostet. Und wer noch weiter rechnen möchte, getankt haben wir 20,5 Liter.

So, Prag ist erreicht und wir checken im „Plus Prague Hostel“ ein. Wir werden je acht Euro pro Nacht im Vierbettzimmer zahlen, dafür haben wir aber auch Swimmingpool und Sauna inklusive! Und für einen Aufpreis von 300 Kronen können wir sogar direkt am Hostel auf einem bewachten Parkplatz parken. Brauch ich mir also keine Sorgen um Schorsch machen!

Nach ein paar Runden im Swimmingpool, in der Sauna und einem Nickerchen machen wir uns in die Stadt auf. Die Sonne ist bereits untergegangen und vergleichsweise wenige Menschen säumen die Straßen. Nachdem wir uns mit der Trambahn erst einmal gehörig verfahren haben, gelangen wir mit der U-Bahn schnell ins Stadtzentrum. Wir erkunden die nähere Umgebung und machen Halt bei einer Bowlingbahn.

Ein Hauch von „The Big Lebowski“ mitten in der Prager Innenstadt! Eine Stunde und drei Niederlagen bei einem Sieg gegen Tobi später streunen wir weiter durch Prag Downtown. DieBürgersteige scheinen hochgeklappt, es sind im Vergleich zu sonst sehr wenige Menschen unterwegs. In der tschechischen Version eines „Späti“ kommt es zu kuriosen Situationen: Erst sehen wir, dass hier Cannabis ganz offiziell im Laden verkauft wird.

Alle bisherigen Reiseberichte findet Ihr hier:

Tag eins: Erster Stopp Regensburg - Im Sog der Stadtgeländewagen

Tag zwei: Ein Vegetarier in der Metzgerei / Das Abenteuer geht los

Tag drei: Ostdeutschland!

Tag vier und fünf: Berlin, Berlin, wir fahren nach Berlin!

Tag sechs: Unterwegs im Berliner Nachtleben: Der MBTI-Archipel

Tag sieben: Kreuzberg Nights

Tag acht: Fünf Heteros in der Schwulenbar

Tag neun: Den Blaulichtern nach!

Tag zehn: Im Rausch der Raver

Tage elf und zwölf: Zum Ausdruck bringt, was Eindruck schafft

Tag dreizehn: Es gibt immer ein erstes Mal!

Der Preis von 700 Kronen für das Gramm ist allerdings weit über dem Niveau von dem, was uns bislang auf der Straße feilgeboten wurde. 700 Kronen sind gleich nochmal wie viele Euros? Dann erblicken wir Schlagringe und Messer, die genauso verkauft
werden. Und dann kommt auch noch ein Polizeibeamter rein. Passiert dem hibbeligen Geschäftsinhaber was? Nö, die Beamten kaufen zwei Getränke und dann verschwinden sie wieder. Andere Länder, andere Sitten! Kurz darauf starten wir in einen Irish Pub, wo wir für ein Pint (=0,5683 Liter) Guinness 119 Kronen berappen müssen.

Aber dafür lernen wir zwei Briten aus der Region Sheffield kennen, mit denen sich viele Fachsimpeleien über das britische Kulturgut Nummer eins, Fußball, entwickeln. Nachdem auch hier im Irish Pub nicht nur die Gäste, sondern auch die Schotten dicht gemacht werden, streunen wir vier durch die Innenstadt. Am Altstädter Ring angelangt machen mich die wunderschönen Gebäude und Sehenswürdigkeiten in verschiedenen Baustilen direkt sentimental. Einfach überwältigt bin ich von Altstädter Rathaus, astronomischer Uhr und Konsorten!

Wir strawanzen durch die Stadt und plötzlich: Ein Club! In Prag, in der Innenstadt, ohne Masken oder Abstandsgebote. Dass das in Tschechien erlaubt ist, wussten wir schon vorher: So herrscht erst bei Indoor-Veranstaltungen ab 100 Teilnehmern Maskenpflicht, darunter liegt es im Ermessen jedes Einzelnen, vernünftig zu handeln oder nicht. Andere Länder, andere Sitten eben!

Ein teures Kaltgetränk später wandeln wir durch die nun endgültig menschenleere Stadt. Ein Glück, dass rund um die Uhr Straßenbahnen fahren! So steigen wir in die 94 und gut 20 Minuten später kraxeln wir schlaftrunken in unsere Kojen. Morgen wartet ein weiterer Tag in Prag auf uns!

Musiktipp des Tages: Banjo Band – Jožin z bažin

Schmalzgruber

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