„Go Trabi Go reloaded“ – Zwei Chiemgauer auf dem Weg durch den Osten

Tag fünfzehn: Die Magie der „goldenen Stadt“

Reisebericht aus Prag
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Prag hat jede Menge zu bieten.

Deutschland - Auf geht‘s auf ein Abenteuer der besonderen Art. Simon Schmalzgruber nimmt uns mit auf einen Roadtrip nach Berlin, Prag und Wien - und das alles im Trabi. Derzeit sind die Jungs in Prag.

2. September: Es ist irgendwann am Vormittag, als ich aufstehe. Tobi schläft den Schlaf der Gerechten, ich mache mich daran, die letzten Tage schriftlich zu rekapitulieren. Eine Aktion, die Zeit frisst. Viel Zeit. So ist es schon wieder später Nachmittag, als wir uns auf die Socken machen. Immerhin klappt es diesmal auf Anhieb, dass wir die richtige Trambahn in Richtung Stadtzentrum nehmen!

Unterwegs macht Tobi ein Treffen mit fünf Studentinnen aus Regensburg klar, das allerdings erst tags drauf stattfinden kann. Also verlängert sich das Abenteuer Prag um einen Tag! Im Stadtzentrum angekommen möchte Tobi erst einmal zum Friseur. Wir suchen ewig, doch entweder muss man dafür einen Termin vereinbaren oder die Preise von 35 bis 40 Euro sind astronomisch.

Die Akteure auf dem Roadtrip

Simon Schmalzgruber ist gebürtiger Chiemgauer und schreibt wöchentlich unsere Wander-Tipps. Zusammen mit seinem Kumpel Tobi fährt er im Trabi Schorsch zunächst nach Berlin und macht sich dann auf den Weg nach Dresden Prag und Wien. Uns nimmt er mit auf seinen Roadtrip der besonderen Art.

Aber gut, was will man auch in einer Stadt erwarten, die schon immer mit der Astronomie verbunden war? Nicht viel später gelangen wir wieder an den Altstädter Ring. Tagsüber ist hier schon etwas mehr geboten, „But way, way less than normal“, wie uns Einheimische zu verstehen geben. Wir werden auf einen goldenen Strich aufmerksam, der sich durch das Pflaster zieht. In Latein und in Tschechisch steht hier geschrieben, dass sich hier der „Prager Meridian“ befindet, also eine Linie, an der bereits ab 1652 die Mittagszeit sehr genau abgelesen werden konnte.

Unweit davon befindet sich das monumentale Denkmal, das dem Reformator Jan Hus gewidmet ist, der 1415 in Konstanz wegen „Ketzerei“ auf dem Scheiterhaufen verbrannt wurde.

Kurz darauf befinden wir uns schon auf der Karlsbrücke. Ich zünde mir eine Zigarette an und mache am Handy das Lied „Die Moldau“ von Bedřich Smetana an. Ich ernte verdutzte Blicke, doch mir ist das egal. Die Magie dieses Ortes befällt mich. Zu dem Lied über die Moldau wandelnd bleiben wir die ganzen zwölf Minuten auf der Brücke. Ich möchte gerade das Handy ausmachen, da bauen zwei Straßenmusikantinnen auf.

Eine Geigerin, eine Cellistin. Gemeinsam spielen sie klassische und moderne Stücke, wie zum Beispiel die Titelmelodie von „Game of Thrones.“ Ich muss mich zurückhalten, denn ich bin mittlerweile sehr sentimental. Nur mit Mühe kann ich die Tränen unterdrücken, so sehr ergriffen bin ich mittlerweile von diesem Ort und der Stimmung. Ein paar Lieder später ziehen wir weiter. Tobi packt der Hunger und so verschwinden wir alsbald im Restaurant „U Laury“.

Die Preise sind zugegebenermaßen gehoben, dafür bekommt man erstklassiges Essen. Und unter zehn Euro für ein sehr leckeres Risotto sind trotz alledem mit kaum einer anderen europäischen Großstadt vergleichbar. Plus: Der Wirt spricht deutsch!

Wir bedanken uns und ziehen weiter in Richtung Prager Burg, die als die größte geschlossene Burganlage der Welt gilt. Mit 1,8 Millionen Besuchern jährlich (Stand 2014) ist sie zudem das meistbesuchte Baudenkmal Tschechiens. Eine Fülle von Attraktionen befindet sich hier oben: Zum Beispiel der Veitsdom mit seinen 99 Meter hohen Türmen, das Goldene Gässchen mit einem zeitweiligen Wohnsitz Franz Kafkas, des wohl berühmtesten Sohnes der Stadt, der barocke Königspalast oder auch der Amtssitzd es Tschechischen Präsidenten Miloš Zeman.

Alle bisherigen Reiseberichte findet Ihr hier:

Tag eins: Erster Stopp Regensburg - Im Sog der Stadtgeländewagen

Tag zwei: Ein Vegetarier in der Metzgerei / Das Abenteuer geht los

Tag drei: Ostdeutschland!

Tag vier und fünf: Berlin, Berlin, wir fahren nach Berlin!

Tag sechs: Unterwegs im Berliner Nachtleben: Der MBTI-Archipel

Tag sieben: Kreuzberg Nights

Tag acht: Fünf Heteros in der Schwulenbar

Tag neun: Den Blaulichtern nach!

Tag zehn: Im Rausch der Raver

Tage elf und zwölf: Zum Ausdruck bringt, was Eindruck schafft

Tag dreizehn: Es gibt immer ein erstes Mal!

Tag vierzehn: Andere Länder, andere Sitten!

Ein kühler, herbstlicher Wind pfeift oben, sodass wir nur kurz das Panorama über das abendliche Prag genießen. Bald darauf packt uns schon wieder der Hunger. Diesmal werden wir im Restaurant „U Mlynáře“ fündig. Für Tobi gibt es ein üppiges Steak, für mich überbackenen Käse mit Pommes. Und die Halbe Bier kostet 29 Kronen, also umgerechnet nicht einmal 1,20! Satt und voll rollen wir den Burgberg wieder runter. Kurz darauf kehren wir in der Gaststätte „Švejk“ ein, wo wir tatsächlich das erste Mal in Tschechien recht unfreundlich bedient werden.

Mit 44,90 Kronen ist die Halbe auch vergleichsweise ziemlich teuer. Nach der Halben verschwinden wir auch wieder in Richtung Innenstadt. Wir beschließen, heute mal nicht so lange zu machen und hauen uns in die Federn. Und so sitze ich nun am Folgetag wieder seit vier Stunden vor dem PC und schreibe die Artikel.

Heute wollen wir nochmal durch die Stadt streifen, ehe wir die Damen treffen. Vielleicht wird Tobi ja heute nach einem günstigen Friseur fündig. Morgen soll es dann in Richtung Wien, dem Endpunkt unserer Tour gehen. Mal sehen, was sich noch so alles ereignen wird!

Liebe Grüße Eure Abenteurer

Musiktipp des Tages: Bedřich Smetana – Die Moldau

Schmalzgruber

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